August 1, 2021

Der geschlossene Spanier – Ein spielender Weltmeister 

Nachdem er den Weltmeister-Titel kampflos erhalten hatte, stürzte sich Karpow in das Turniergeschehen, besessen von dem Versuch zu beweisen, dass ihm niemand am Schachbrett ebenbürtig sei. In Anspielung auf Fischer hatte er sich beim Festbankett zu Ehren des neuen Weltmeisters wie folgt geäußert: “Mir scheint es, dass eine der Hauptverpflichtung des Champions darin besteht, ein spielender Weltmeister zu sein.“

Sein Debüt als Weltmeister gab er beim Vidmar-Memorial im Juni 1975, welches er mit 11 von 15 möglichen Punkten vor Gligoric und Hort gewann. Danach folgte einen Monat später die russische Mannschaftsmeisterschaft, bei der er am 1. Brett mit +4 =3 überzeugte. Die nächste Herausforderung war das Turnier in Mailand, jene Stadt, die eigentlich den WM-Kampf Fischer gegen Karpov austragen wollte. Zu allem Unglück erkrankte Anatoli Karpov unmittelbar vor dem Turnier und spielte bei weitem nicht so, wie man es von ihm gewohnt war. Dennoch siegte er bei diesem Turnier, welches in einem nicht alltäglichen Modus ausgetragen wurde.

Zwölf Großmeister spielten ein Rundenturnier, danach die ersten Vier ein Halbfinale über 4 Partien, die Sieger der beiden Halbfinals dann ein Finale über sechs

Karpov (by Frank Stiefel)

Partien, welches Karpov mit 3,5:2,5 gegen Lajos Portisch gewann. Unabhängig vom gesundheitlichen Handicap brillierte Karpov mit seinem strategischen Verständnis in der spanischen Partie. Seine Partie gegen Wolfgang Unzicker hat Geschichte geschrieben, nach nur 22 Zügen war die schwarze Stellung sturmreif, dabei hatten die Kontrahenten nur ein Bauernpaar getauscht.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!

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