Oktober 6, 2022

Vor 20 Jahren – der verweigerte Handschlag

Beim Turnier Jahres 2001 in Wijk an Zee führte Alexei Shirov nach der 8. Runde mit 6,5 Punkten vor den punktgleichen Verfolgern Kasparow und Kramnik mit jeweils 5,5 Punkten. In der 9. Runde dann eine Schlüsselpartie des Turnieres, als der führenden Alexei Shirov mit Schwarz auf Ex-Weltmeister Kasparow traf.

Vor Rundenbeginn teilte Garry Kasparow den Organisatoren mit, dass er seinem Gegner vor der Partie den üblichen Handschlag verweigern werde. Als Begründung gab er an, Shirov hätte das WM-Match Kasparow vs. Kramnik, im Jahr 2000, als abgesprochen bezeichnet und forderte eine Entschuldigung Shirovs, auch in Richtung des neuen Weltmeisters. Shirov lehnte dieses Ansinnen jedoch ab, da er die Aussage, nach eigenem Bekunden, so nicht getätigt hatte.

Hintergrund dieser Auseinandersetzung war, dass Shirov im Jahr 1998 das „Herausforderer-Finale“ gegen Wladimir Kramnik deutlich mit 5,5 : 3,5 gewonnen hatte und somit der legitime Herausforderer von Garry Kasparow gewesen wäre. Da die Kontrahenten sich jedoch über die Austragungsmodalitäten eines WM-Kampfes nicht einigen konnten, kam am Ende der Verlierer dieses Finales Wladimir Kramnik zum Zug, wurde offizieller Herausforderer und wie wir alle wissen auch Weltmeister.

So trafen sich die Kontrahenten unter hoher medialer Beachtung am Brett, verweigerten vor und nach der Partie ihrem Gegner den Handschlag, vermieden gegenseitigen Blickkontakt, indem Sie ihr Gesicht mit der Hand stets abschirmten und spielten eine denkwürdige, hochklassige Partie.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

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