September 20, 2021

Die spanische Partie – Reif mit fast 16

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich die spanische Partie als beliebteste Eröffnung unter den Meisterspielern nach den Eröffnungszügen 1. e4 e5. Aufgrund ihrer langen Geschichte und ihrer strategischen Komplexität gehört die spanische Partie neben der sizilianischen Partie, nach heutigem Stand, zu den Eröffnungen, die am intensivsten erforscht sind.

In der Anfangsphase seiner Regentschaft spielte Anatoli Karpov (24) insgesamt 34 Partien mit dem Breyer-System, sowohl mit den weißen als auch mit den schwarzen Steinen. Davon gewann er 12 Partien und verlor keine einzige. Das Urteil der Fachwelt war eindeutig. Er verhielt sich mit viel Achtung gegenüber der Königin der Eröffnungen und würdigte somit Capablancas Urteil: „Die spanische Partie ist ein Probierstein für das Verständnis des Positionsspiels“. Karpovs Erfolge waren zudem eine Bestätigung der These von Paul Keres, dass ein junger Spieler ohne Kenntnisse und vor allem ohne das Verständnis der Feinheiten der spanischen Partieanlage nicht wachsen kann.

Zu jener Zeit machte ein anderes Talent von sich reden, welches Karpov später im Amt des Weltmeisters ablösen sollte. Mit diesem lieferte sich Karpov weitere faszinierende Duelle, zur Abwechslung mit der Zaitsev-Variante, Partien, die alle Schachgeschichte geschrieben haben. Auch für Karpovs Nachfolger im Amt des Weltmeisters gilt, bereits im zarten Alter von 15 Jahren und 363 Tagen zeigte er ein extremes, reifes Verständnis für die spanische Partie, dies gegen Ex-Weltmeister Tigran Petrosian. Diese Partie zeige ich Ihnen heute.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!


Die spanische Partie III – Bewährungsprobe eines Weltmeisters 

Im Vorfeld eines möglichen WM-Kampfes im Jahre 1975 wurde viel spekuliert. Bemerkenswert hierbei die Einschätzung des ehemaligen Weltmeisters Tigran Petrosian, der seinerzeit die Chancen Karpovs wie folgt beurteilte: “In einem solchen Wettkampf wird Karpov ohne Chance sein“. Kein Ruhmesblatt für den Muster-Schüler von Semjon Furman, der mittlerweile sehr respektable Turnierfolge aufzuweisen hatte. Zugleich auch kein Ruhmesblatt für die bis dahin stärkste Schach-Nation der Welt, die nun, so die Andeutung, keinen würdigen Herausforderer vorzuweisen hatte. 

Als FIDE-Präsident Max Euwe Anatoli Karpov zum neuen Weltmeister erklärte, hatte dieser ein Problem. Er hatte gegen den vermeintlich besten Spieler der damaligen Zeit nicht spielen können und somit fehlte der legitime Beweis, dass nun Karpov der stärkste Schachspieler der Welt ist. Hierzu äußerte sich Karpov seinerzeit wie folgt:  

“Den ersten Auftritten als Weltmeister sehe ich mit einer gewissen Aufregung entgegen. Man wird besondere Leistungen von mir erwarten und ich kann nicht so unbefangen spielen wie früher. Doch das macht nichts. In erster Linie bin ich Schachspieler und erst in zweiter Linie Weltmeister.“ 

Nach seinem Turniersieg in Portoroz und den Mannschaftsmeisterschaften in der Sowjetunion, nun das Turnier in Mailand, jener Ort, welcher eigentlich Austragungsort der Weltmeisterschaft sein sollte. Bei diesem Turnier stand Karpov unter Druck, zum einem, da er die Vorrunde nicht als 1. beendet hatte, dies nur aufgrund einer Niederlage gegen den schwedischen Großmeister Ulf Andersson in der achten Runde.  Auch das Halbfinale über 4 Partien gegen Petrosian entsprach nicht den allgemeinen Erwartungen. Ins Finale gegen Lajos Portisch, zog er am Ende, nach vier Remisen im Halbfinale, nur dank der besseren Turnierwertung aus dem geschlossenen Rundenturnier ein, denn hier war Karpov Zweiter und Petrosian Dritter.

Aus diesem Finale, welches Karpov mit 3,5 : 2,5 zu seinen Gunsten entschied, zeige ich Ihnen heute, den einzigen Sieg des neuen Weltmeisters. 

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie. 

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