November 28, 2020

Entscheidungspartien 1

Die 10. Partie des Weltmeisterschaftskampfer Laskers vs. Schlechter, im Jahre 1910, war vermutlich die wichtigste Partie in Laskers Karriere. Einmal mehr erwies sich der Weltmeister als ein hartnäckiger Kämpfer, der es verstand, in schwierigen Situationen über sich hinaus zu wachsen, noch eine Schippe drauf zu legen, um das scheinbar schier Unmögliche zu erreichen. 

Nachdem er in der vierten, fünften und neunten Partie, diverse Chancen die Partie zu gewinnen nicht genutzt hatte und zudem zu allem Überfluss die 5. Partie noch verloren hatte, durfte er, um den Titel zu behalten, die letzte Partie, in einem über 10 Partien angesetzten Weltmeisterschaftskampf, nicht verlieren. Bevor Sie sich fragen ob Sie richtig lesen, sei daran erinnert, dass Lasker seiner Zeit aufgrund der Unwägbarkeiten, die ein solcher Wettkampf über 10 Partien bietet, mit seinem Gegner ausgehandelt hatte, dass sein Gegner mit 2 Punkten Vorsprung gewinnen müsse, um Weltmeister zu werden.  

Wenn man sich vor Augen führt, dass Lasker stets in einer zweiten Turnierhälfte, nach in aller Regel mäßigem Start, zu ganz großer Form auflief, so kann man sich sicherlich vorstellen, dass Lasker bei längerer Wettkampfdauer z. B. den ursprünglich angedachten 30 Partien, den Zugang zum vermeintlichem Problem Schlechter gefunden hätte. Doch alles Lamentieren half jetzt nicht, denn der über 10 Partien angesetzte Wettkampf hatte vor Beginn der letzten Partie, Stand 5:4 für Schlechter, eine klare Ausgangslage. Verliert Lasker die Partie, verliert er seinen Titel, verliert er die Partie nicht, bleibt er Weltmeister. 

Die Presse beschrieb seinerzeit diesen denkwürdigen Tag wie folgt: 

„Auf der einen Seite saß Lasker mit blassem Gesicht und zusammengekniffenen Augen. Er wirkte angespannt, konnte sich nicht ruhig halten und strich sich ständig mit der Hand durch die Haare…. Ihm gegenüber saß der kleine, auf dem ersten Blick eher unscheinbare Schlechter mit offener, hoher Stirn. Er hatte eine Zigarette in der Hand und wirkte sehr kalt in jeder seiner Bewegungen.“ 

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie! 

 
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