Jeder gestandene Schachspieler hat dies schon mal erlebt. Urplötzlich ein schier unglaublicher Zug des Gegners und statt in strategischen Bahnen zu agieren, findet man sich unerwartet, wie bei
einem Orkan auf hoher See, im taktischen Fahrwasser wieder, dies bei steigendem Puls und Blutdruck.

Zieht man die Biographie von Hans Joachim Hecht „Rochaden“ zu Rate und verfolgt seine Anmerkungen zur Partie Tal – Hecht, Schacholympiade Varna, im Jahre 1962, so erfahren wir einiges über die Wirkung solcher Züge, mit der einst Michael Tal die Fachwelt ins Staunen versetzte.

„Plötzlich wurde zu meiner Rechten ein Demobrett frei gemacht“

„Es dauerte Minuten, bis ich in der Lage war die folgenden Varianten nachzurechnen“

„Die vorangegangene Nervenschlacht forderte indes ihren Tribut in Form von Erschöpfung und beginnender Zeitnot“

Aber es gab auch immer wieder diese Stimmen:

„Bei Tal muss man alles wegnehmen, es stimmt sowie nichts“.

Wenden wir uns der Partie Tal – van der Wiel, Interzonenturnier Moskau 1982, zu. Ein gut aufgelegter Michael Tal, gut vorbereitet in Bezug auf die bisherigen Partien seines Gegners, zog urplötzlich alle Blicke auf sich. Im neunten Zug ein Bauernopfer, der junge Gegner, erstmalig auf diesem Niveau dabei, kann der Versuchung nicht widerstehen.

Nach nur 5 weiteren Zügen das viel beachtete Figurenopfer des Magiers, mit einer scheinbar logischen Reaktion des jungen Gegners, Figurenentwicklung statt Annahme des Opfers.

Das Urteil über diesen partieentscheidenden Moment überlass ich Ihnen, wie auch immer Sie urteilen, bedenken Sie, einerseits Schach ist nur ein Spiel und irren ist menschlich, andererseits unter Druck fällt Denken schwer und infolgedessen werden Fehler begangen. Daraus entstehen Partien wie diese.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

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