Dezember 1, 2020

Entscheidungspartien II

Anatoli Karpov war als Weltmeister der unangefochtene Champion der Jahre 1974 bis 1985. Auch den 1. WM-Kampf (1984/1985) mit seinem Dauer-Rivalen Garry Kasparov kontrollierte er nach Belieben und führte in einem teilweise sehr zähen Ringen mit 5:0, ohne dass der alles entscheidende 6.Sieg zu Stande kam. Ähnlich wie 6 Jahre zuvor, ließen bei ihm die Kräfte nach und Kasparov kam auf 5:3 heran, bevor der damalige FIDE-Präsident den Kampf der Giganten nach 48 Partien abbrach, um, so die offizielle Version der FIDE, die Gesundheit der Spieler zu schützen.

Die Neuauflage im Herbst 1985 wurde über 24 Partien angesetzt und ausgespielt. Vor der letzten Partie lag Karpov als amtierender Weltmeister mit einem Punkt zurück und musste unbedingt gewinnen, um den Titel zu behalten. Er verlor und die Schachwelt hatte einen neuen Weltmeister.

Beim Revanche-Kampf ein Jahr später, seinerzeit noch ein übliches Bewährungsritual für einen entthronten Weltmeister, verlor Karpov die 22. Partie und konnte das Blatt in den letzten beiden Partien nicht mehr wenden, der Endstand lautete 12,5 : 11,5 zugunsten von Kasparov.

Kasparov (by Frank Stiefel)

Die 4. Auseinandersetzung der beiden großen K`s im Jahr 1987 zeigte einmal mehr beide Konkurrenten auf Augenhöhe. Nach 22 Partien stand es 11:11 unentschieden und ein Sieger war nicht auszumachen. Dann die große Überraschung bei der 23. Partie. Nach wechselhaften Kampfverlauf opferte Kasparov in beiderseitiger hoher Zeitnot im 50. Zug spekulativ einen Turm, zu seinem Leidwesen fand Karpov die richtige Zugfolge. Noch bevor der Ex-Weltmeister seinen Abgabezug für die 2. Partievertagung notieren konnte, gab Kasparov die Partie auf. Die Chance für Anatoli Karpov, den 2 Jahre zuvor verlorenen Titel zurück zu holen, war nun sehr groß.

Die Fragen für die Beobachter vor Beginn der 24. und letzten Partie bei der Veranstaltung in Sevilla lauteten nun, würde der junge Champion dem Druck standhalten und welche Partieanlage würde er wählen, um einerseits zu gewinnen und damit andererseits den Titel ein zweites Mal erfolgreich zu verteidigen.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!

 
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