Ulf Andersson (by Frank Stiefel)

Das positionelle Qualitätsopfer ist rein materiell betrachtet das Opfer des Turmes gegen eine Leichtfigur. Es kann taktisch oder strategisch motiviert sein. Während ein taktisches Qualitätsopfer stets einen materiellen Vorteil einbringt, ist das positionelle Qualitätsopfer auf längerfristige in erster Linie strategische Ziele ausgerichtet.

Diese können

  • die Schwächung einer Bauernstellung beinhalten
  • die Beherrschung des Zentrums zur Folge haben
  • zur Beseitigung eines Vorpostens mit eventueller Bildung eines Freibauern führen
  • die Sicherung wichtiger zentraler Felder sowie strategischer Punkte beinhalten
  • die Beseitigung von Bauern zwecks Errichtung von Figurenstützpunkten bedeuten
  • die Zerstörung der Rochadestellung beinhalten, zwecks Einleitung eines Angriffes

Einer der herausragendsten Vertreter dieses Qualitätsopfer war ohne jeden Zweifel „der armenische Torwart“ und Ex-Weltmeister Tigran Petrosian, der in den 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts zahlreiche Musterpartien zu diesem Thema spielte. Ebenfalls sehr zu empfehlen sind die Partien des Schweden Ulf Andersson speziell in den 70er und 80er Jahren.

Sofern ich Ihnen einen Rat geben darf, vielleicht nehmen Sie sich ein bisschen Zeit und googeln im Internet mit dem Stichwort „positionelles Qualitätsopfer“. Sie werden überrascht sein, was Sie zu diesem Thema im Internet auf Anhieb alles finden. Neben Beispielen aus dem Schaffen der Weltmeister Garry Kasparov, Michael Botwinnik und Tigran Petrosian finden Sie auch Partiefragmente des zweimaligen WM-Herausforderers Wesselin Topalov und weiterer namhafter Großmeister.

Heute präsentiere ich Ihnen einen Klassiker der Schachgeschichte. Ulf Anderssons brillanter Sieg gegen Weltmeister Anatoli Karpow beim Turnier in Mailand 1975. Diese Partie ist für den Amateur alles andere als leichte Kost, dafür aber beste Werbung für den Igel.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

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