Dezember 3, 2021

Der junge Kortchnoi 

Betrachten wir heute das Lebenswerk des Ausnahme-Könners aus Leningrad, so fallen einem viele Attribute ein. Für ihn war Schach ein Lebensplan, entstanden bzw. entworfen in den Wirren des Krieges im Jahr 1944, eine Maxime, welcher er ein Leben lang treu geblieben ist. Um Schach spielen zu können, so hat er am Ende seines Lebens einmal gesagt, habe er Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Sowjetunion verlassen.  

Gerne zitierte er auch Löwenfisch: “Solange ein Spieler neue Eröffnungen ausprobieren will, entwickelt er sich weiter“. Dies mag unter anderem der Grund dafür sein, warum er im Gegensatz zu vielen anderen Schachgrößen noch im hohen Alter am Brett saß. Zudem war er ein Leben lang davon überzeugt, dass die jungen Spieler von ihm stets etwas lernen können. 

Er galt als zäh und brillant in der Verteidigung. Gleiches galt auch für das Endspiel. Das Turmendspiel in der 31. Partie des WM-Kampfes des Jahres 1978 hat Schachgeschichte geschrieben und ist bis heute das wohl komplizierteste Endspiel der Schachgeschichte überhaupt. Kortchnoi wäre nicht Kortchnoi, wenn er

by Nette Robinson

nicht schon zu Lebzeiten Nicht-Meisterspielern davon abgeraten hätte, wie in seinem Meisterwerk „Praxis des Turmendspiels“ geschehen, dieses genannte Endspiel zu studieren, da die „… Augenzeugen, starke Großmeister, unfähig waren zu begreifen, was sich auf dem Brett abspielte.“ 

Schon in jungen Jahren handelte er sich den Ruf ein, jeden Bauern, sei er noch so vergiftet, zu nehmen. Der Gegensatz hierzu sein Endspielverständnis jedoch war bei weitem nicht so hoch, wie im Zenit seines Schaffens. Den Grund hierfür sehen wir unter anderem in der Partie, die ich Ihnen heute zeige. 

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie. 

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