September 21, 2021

Dürfen Frauen Schach spielen?

Im Jahr 1963 gab der Verlag Enzyklopädie Leipzig (VEB) ein Taschenbuch mit dem Titel „Schach mehr als ein Spiel“ heraus, in dem ab Seite 52 eine interessante Frage erörtert wird. Dürfen Frauen Schach spielen?

Im ersten Absatz lesen wir:

„In einem Kaffeehaus spielte einst eine Frau mit wenig Erfolg Schach gegen einen bekannten Arzt. Nach Beendigung der Partien gab ihr ein boshafter Kiebitz den Rat: Gnädige Frau, berühren Sie nie eine Figur, denn dann können Sie auch nie eine Partie verlieren. Das kennzeichnet die allgemeine Einstellung, die der Mann dem Frauenschach gegenüber, ja zum Teil heute noch ein nimmt.“ …

Später folgt…

„1895 wurde in Hastings das erste Damen-Schachturnier ausgetragen. Doch erst die tschechische Meisterspielerin Vera Menchik gilt mit Recht als Vorkämpferin des modernen Frauenschachs. Ihre große Spielstärke bewies sie 1929 als einzige Frau unter den weltbesten Meistern im Ramsgatener Turnier. Ungeschlagen wurde sie als zweite mit nur einem halben Punkt Rückstand hinter dem kubanischen (Ex-)Weltmeister Capablanca gefeiert.“

Den nun folgenden Teil kann man heute dick unterstreichen…

„Heute sind Frauenmeisterschaften im nationalen Schachsport ebenso selbstverständlich, wie regelmäßige Weltmeisterschaften…“

So sah es wohl auch Rudolf Teschner, als er im Jahr 1951 die Partie zwischen Gertrud Nüsken und Frieda (Friedl) Rinder, gespielt bei der gesamtdeutschen Meisterschaft in Bad Klosterlausnitz, für die deutschen Schachblätter kommentierte. Sein Urteil: „Eine gute taktische Leistung Frau Nüskens.“ Gertrud Nüsken gewann die Meisterschaft der sowjetischen Besatzungszone im Jahre 1948. 1953 und 1955 war Sie DDR-Meisterin. 1950 teilte Sie sich den 1. Platz mit Edith Keller(-Hermann) bei der Veranstaltung in Dresden. Bei der gesamtdeutschen Meisterschaft 1951, aus diesem Turnier stammt die Partie, die ich Ihnen heute zeige, wurde Sie dritte hinter Edith Keller (-Hermann) und Frieda Rinder.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!

P. S. Bedauerlicher Weise gibt es keine biographischen Daten zu Gertrud Nüsken, wie auch der Wikipedia-Artikel im Internet zeigt.

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