Juni 15, 2021

Weshalb hat Weiß verloren?

Frohes neues Jahr!

Schaut man sich die heutige Partie so verbleibt am Ende nur das Fazit, dass Weiß sang und klanglos verlor. Zwar wurden die schwarzen Steine von einem zur damaligen Zeit weltbesten Spieler geführt, der seinerzeit im Zenit seines Könnens stand und gegen den damaligen Weltmeister Michael Botwinnik im Kampf um die WM-Krone ein 12:12 unentschieden erzielte, jedoch sein Gegner, der Engländer Conel Hugh Alexander, galt als einer der besten Spieler der westlichen Hemisphäre seinerzeit.

In einer klassischen soliden Eröffnung, dem spanischen 4-Springerspiel tauschten die Kontrahenten munter die Figuren. Ein Remis schien für viele Beobachter sehr wahrscheinlich. Prinzipiell hat das entstandene Endspiel Turm und Läufer vs. Turm Läufer bei ungleichfarbigen Läufern eine hohe Remis-Tendenz, jedoch die schwarzen Felder-Schwächen e3, f4 und g3 wogen schwer. Ebenso wurde der weissfeldrige Läufer durch den gegnerischen Bauern d5 in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, was bei einem Bauern auf d4 nicht der Fall gewesen wäre.

Zudem konnte Schwarz die halboffene b-Linie zu seinen Gunsten nutzen, was er im Zusammenspiel mit der schwarzen Bauernmehrheit im Zentrum glänzend umzusetzen verstand. Unter Strich waren dies alles nur mikroskopisch kleine Vorteile, die sich jedoch relativ schnell in der zweiten Partiehälfte zu einem vollen Punkt umwandeln ließen.

Im Internet habe ich Hinweise gefunden, dass einige Leser beim Nachspielen der Partie annahmen, dass Weiß die Partie auf Zeit verloren habe und bis dahin über eine ausgeglichene Stellung verfügte. Doch schauen Sie bitte selbst.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!

 

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