November 25, 2020

Entscheidungspartie III

Ich zitiere aus den Erinnerungen von Carsten Hensel, Wladimir Kramniks Manager:

“Bis zur denkwürdigen letzten Partie dieses Wettkampfes am 18. Oktober 2004 hatte Wladimir schon mehr als 10 Kilo verloren… Ein Zweikampf um die WM-Krone im Schach ist mit einem hohen Substanzverlust verbunden, geistig wie körperlich. Das Schachspiel ist ein Denksport und hat mit der Physis der Akteuere auf dem ersten Blick nur wenig zu tun. Dennoch: Keine andere Sportart verlangt über so einen langen Zeitraum so viel an Konzentration und Nervenstärke wie ein Match um die Weltmeisterschaft. Daraus resultiert ein Substanzverlust, der sich auch physisch im erheblichen Maße bemerkbar macht.”

Wladimir Kramnik merkte hierzu nach der Partie an:

“Ich befand mich in der Situation, diese Partie unbedingt gewinnen zu müssen. Die Leute sagen immer, dass so etwas beinahe unmöglich sei, vor allem wenn du einen solchen Sieg in der letzten Partie einer Weltmeisterschaft gegen einen Gegner wie Leko benötigst. der nur noch ein Remis braucht. Aber wenn man es mal aus einer anderen Perspektive betrachtet, war es auch für ihn nicht so einfach. Da ist immer dieser Gedanke, dass nur noch ein einziges Remis den Traum des Titelgewinns wahr werden lässt. Solche Gedanken beeinflussen mit Sicherheit bestimmte Entscheidungen, ob man das nun will oder nicht. Für mich war das Ganze also nicht so hoffnungslos wie es schien.”

Die Ausgangslage in Brissago, oberhalb des Lago Maggiores gelegen, vor der 14. und letzten Partie dieses WM-Kampfes war aus Sicht von Kramnik eindeutig, er lag einen Punkt zurück (+1 =10 -2) . Ein Sieg musste her und dies gegen den seinerzeit besten Defensiv-Künstler der Welt, Peter Leko.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!

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