Mai 7, 2021

Die Wiederlegung eines Vorurteils

Alexander Aljechin (Zeichnung von Frank Stiefel)

Der Triumph in Den Haag, im Jahre 1921, war für Alexander Aljechin sehr wichtig auf den Weg zum Weltmeistertitel, konnte er doch einen weiteren Anwärter auf die Krone, Akiba Rubinstein, in der direkten Partie besiegen und zugleich mit 1,5 Punkten Vorsprung in die Schranken verweisen. Unmittelbar nach Beendigung des Turniers forderte er Capablanca zu einem Kampf um die Weltmeisterschaft heraus, doch dieser kam (vorerst) nicht zu Stande.

Heute sehen wir die vermutlich beste Partie von Alexander Aljechin aus dem Turnier in Den Haag. Die Bauernmajorität am Königsflügel, die er in dieser Partie auf die Reise schickt, bescherte seinem König die größere Bewegungsfreiheit, während der gegnerische weiße König, eingeengt durch seine Bauern, nur bedingt agieren konnte. Zudem sprach für Aljechin der wichtige zusätzliche Umstand, dass die einzig offene Linie auf dem Brett von ihm (Schwarz) beherrscht wurde.

Für Historiker ist es eine Tatsache, dass Aljechin in seinen damaligen Partiekommentierungen seine eigene Spielweise überbewertete, dennoch gelang es ihm deutlich, die Gefahren, welche im Vormarsch des e- und f-Bauern für den gegnerischen (weißen) König liegen, aufzuzeigen. Zwar sichert diese Maßnahme nicht zwingend den Erfolg und damit den vollen Punkt, dennoch ist diese Partie für das Verständnis im Umgang mit der Bauernmajorität sehr wichtig und eine wichtige Ergänzung zur 23. Partie aus dem Wettkampf Marshall versus Capablanca.

Das Fazit ist, es kommt nicht darauf an, ob eine Majorität an einem Flügel existiert, sondern wie man damit umgeht. Dies schließt neben der Existenz der Majorität als solche, weitere Stellungsmerkmale bei der Betrachtung der Stellung mit ein. Dabei spielt die Aktivität und Wirksamkeit der Figuren eine wichtige Rolle.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

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