Der Fall Schulz (II)

Ein größeres Thema als den sportlichen Aufstieg des jungen Mannes links gab es nicht im deutschen Schach – bis zum 14. November. Seitdem ist die Geschichte des nicht mehr ganz so jungen Mannes rechts bei weitem interessanter. (Foto (Ausschnitt): Gustaf Mossakowski)

Als Vincent Keymer im Oktober auf der Isle of Man den Großmeistertitel jagte, haben wir an dieser Stelle das große Begleitprogramm abgespielt. Kein deutscher Schachspieler interessiert die Menschen so sehr wie der Wunderknabe aus Mainz, kein Schachthema ist in der öffentlichen Wahrnehmung annähernd so groß, nach keinem wird bei Google so oft gesucht wie nach dem Aufstieg des famosen Vincent.

Für eine junge, wachsende Schachseite galt es, dieses Interesse so gut wie möglich zu befriedigen. Nicht anderswo, sondern bei den Perlen vom Bodensee sollten möglichst viele Leute über Keymers Abenteuer auf der Isle of Man lesen, bei der Gelegenheit diese Seite entdecken, hängen bleiben und wiederkommen.

Also das volle Programm, kalkuliert und geplant: Vorab galt es, Spannung zu erzeugen und die Dramatik der Lage zu erklären. Das Turnier auf der Isle of Man hätte ja auch ein weiterer Akt einer monatelangen Tragödie werden können, ein weiterer vergeblicher Anlauf.

Dann Aktualität sicherstellen. Der Text über die entscheidende neunte Partie würde schon fertig sein müssen, bevor die Partie gespielt ist, sodass er nach der Partie sofort online geht, während anderswo die Leute noch schreiben müssen. Die Frage würde nur sein – mit welcher Überschrift würde er online gehen? „Wie Vincent sich die dritte Norm holte“ oder „Wie Vincent wieder knapp scheiterte“?

Und schließlich die „Stimme zum Spiel“, ohne die Sportberichterstattung nicht auskommt: Nah dran sein, Authentizität transportieren. Was sagt der junge Held, nachdem er diesen Meilenstein hinter sich gelassen hat? Ist er erleichtert, euphorisch? Gibt er sich pragmatisch?

Das volle Programm hat super funktioniert. Tausende Leute haben während der Keymer-Festspiele auf der Isle of Man die „Perlen“ entdeckt und schauen nun immer wieder mal vorbei. Die vier Keymer-Texte etablierten sich unmittelbar als die mit Abstand meistgelesenen auf dieser Seite. Das würde wahrscheinlich auf Monate hinaus so bleiben, weil es im deutschen Schach kein größeres Thema gibt als Vincent Keymer.

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