Abschlussbericht zu Wijk aan Zee: Carlsen, Kovalev, Warmerdam

5 Antworten

  1. Ocrana sagt:

    Mir ist schon in den ersten Zeilen aufgefallen, dass der Autor von Magnus Carlsen nichts hält. Das ist an sich in Ordnung, nur muss man dass nicht in gefühlt jedem zweiten Absatz deutlich machen.

    Erstes Beispiel: “… es bleibt dabei: Derlei Partien gewinnt Carlsen, wenn der Gegner einen Fehler macht, sonst nicht.”

    Was soll mir dieser Satz sagen? Ohne einen Fehler des Gegners ist nach menschlichem Ermessen keine Partie zu gewinnen.

    Zweites Beispiel: “Giri dachte vielleicht “Carlsens flegelhaftes Verhalten am Brett muss ich noch lange genug ertragen, ich schau’ mal bei meinem Kumpel Vidit vorbei”.”

    Ohne Worte.

  2. Eddi Herb sagt:

    Ein wenig sachlicher und frei von Polemik gegenüber dem Weltmeister hätte dem insgesamt interessenten und individuellen Bericht besser zu Gesicht gestanden.

    • Dirk Visser sagt:

      Dem kann ich nur zustimmen. Aber das macht Herr Richter immer, wenn er über ein Turnier schreibt, an dem der Weltmeister teilnimmt. Carlsen gewinnt seiner Meinung nach durch “Geschenke” des Gegners, grobe Fehler, die nicht mal er(der Autor) gemacht hätte oder weil man zu viel Respekt vor ihm habe, Stellungen taktischen Gepräges beherrsche er nicht gut bzw. vermeide er, seine Endspieltechnik werde überbewertet. Carlsen hat seiner Meinung nach ein flegelhaftes Benehmen, gebe ungern Intervieves, wird er von Veranstaltern zu sehr hofiert. Er gefällt besoders darin, eine andere Meinung als die Fan-Gemeinde Carlsens zu haben.Mag ja an allem etwas dran sein, aber das nervt auf die Dauer und ist kein guter Journalismus..

  3. Ich könnte dazu Romane schreiben, aber nur zu Dirk Visser: “Mag ja an allem etwas dran sein, aber das … ist kein guter Journalismus” – es stimmt (zumindest teilweise) aber schreiben darf man es nicht?!
    Mit seiner Reaktion auf Kramniks Rücktritt – “Later today, FIDE will announce the wildcards for the candidates have been abolished” und sonst nichts – hat Carlsen sich bei mir endgültig disqualifiziert.

    • Dirk Visser sagt:

      Werter Herr Richter!
      Auf einen “Carlsen-Roman” aus Ihrer Feder wäre ich sehr gespannt. Vielleicht haben Sie ja Ihrer Leserschaft bisher Interna vorenthalten, durch die man Ihre schlechte Meinung über Magnus Carlsen besser verstehen könnte…

      Es ist sehr bedauerlich, dass ein so großartiger Spieler wie Wladimir Kramnik, der wahrlich Schachgeschichte geschrieben hat, sich vom Turnierschach verabschiedet hat, nachdem er in Wijk aan Zee auf dem letzten Platz das Turnier beendet hat.

      Kasparow, den Sie auch nicht besonders zu mögen scheinen, trat 2005 unmittelbar nach seinem Sieg im Weltklasseturnier von Linares als Weltranglistenerster von der Schachbühne ab. So einen Abgang hätte ich mir auch von Wladimir Kramnik gewünscht, der einst Kasparow entthronte.

      Die Bemerkung von Magnus Carlsen zu Wladimir Kramniks Rücktrittserklärung ist sicher in dieser knappen Form nicht ganz angemessen. Er wollte auf witzige Weise zum Ausdruck bringen, dass W. Kramnik als einziger unter den Großen des Schachs eine Wildcart verdient, weil er in den letzten Jahren halt eine recht “wilde” Spielweise pflegt, durch die er recht viele Niederlagen in Kauf nimmt.

      Carlsens Kommentar ist zu kurz, um ein Urteil über ihn zu fällen. W. Kramnik präsentierte sich in Wijk aan Zee in so ungewohnt schlechter Weise, dass wohl jeder Mitleid mit dem großen Spieler bekommen konnte.

      Sie legen einen sehr hohen Maßstab an den amtierenden Weltmeister, sowohl, was seinen Charakter betrifft, als auch sein schachliches Können, das Sie meinen beurteilen zu können.

      Wenn es um den Charakter eines Schachspielers geht,dürften Sie auch ein Problem mit Alexander Aljechin, Robert Fischer und anderen Schachgrößen haben. Aljechin hatte große Alkoholprobleme und äußerte sich in der Nazi-Zeit sehr abfällig über jüdische Schachkollegen, Fischer hatte stets fast unerfüllbare Sonderwünsche und war bis zu seinem Tode ein nahezu manischer Judenhasser. Aljechin und Fischer werden neben Kasparow von vielen für die größten Schachspieler aller Zeiten gehalten. Ich glaube, dass Magnus Carlsen trotz seiner flegelhaften Sitzhaltung am Schachbrett und seiner zu kurz angebundenen Sprechweise, die sie ständig nachahmen, dereinst zu ihnen gezählt wird.

      Große Schachspieler sind Ausnahmegestalten, die hinsichtlich ihres Charakters, ihres Benehmens usw. oft nicht der Norm entsprechen. Das ist kein absichtliches nonkonformistisches Verhalten sondern der Leidenschaft und Intensität geschuldet, mit der sie dieses Spiel betreiben. Das verstehen “kleine” Schachspieler nicht, die aber wegen ihrer Engine mittlerweile glauben,schachlich überall kompetent mitreden zu können.

      Viele wollen nicht einsehen, dass diese Ausnahmespieler nicht nur deshalb so stark sind, weil sie mehr dafür getan haben oder bessere Voraussetzungen hatten und nehmen es ihnen deshalb übel, wenn sie sich außerhalb des Brettes nicht “normal” benehmen.

      Ich glaube, dass Sie kein Fan von J. R. Capablanca sind, sondern einer romantischen Spielweise a la M. Tal huldigen, der übrigens in reiferen Jahren eine unglaubliche Serie nicht verlorener Spiele hinlegte wie heutzutage Ding Liren.

      Wegen des Computers stehen wir bald am Totenbett des klassischen Schachs auf höchster Ebene. Es ist kein Wunder, dass Carlsens trockene Spielweise sich als so erfogreich erwiesen hat. Er ist nach eigenem Bekunden ein Kenner der Partien alter Meister, kein Computerschachkid, wie fast alle Schachspieler seiner Generation. Er will noch richtig Schach spielen, nicht gegen ausgeklügelte Computervarianten, was aber immer schwerer wird. Das Vermeiden von Hauptvarianten führt zu nachteiligen Stellungen oder oft zu remislichen.

      Die Spieler sind sich an der Spitze spielerisch nahezu ebenbürtig, was Carlsen immer wieder betont, der überhaupt sein Spiel und das anderer immer sachlich bewertet. Carlsen ragt deshalb heraus, weil er die wenigsten Fehler macht, sehr nervenstark und körperlich fit ist, selten seine Möglichkeiten falsch einschätzt und extrem ehrgeizig ist,jede Partie gewinnen will.

      In unserer immer mehr von den Computern bestimmten Zeit ist es eine sehr unrealistische, romantische Vorstellung,dass der Schachweltmeister einer Göttergestalt gleich, alle anderen vom Brett fegen soll. Und nett und adrett soll er auch dabei sein …

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