Potzblitz – Karl-Heinz Podzielny – Ein Nachruf von FM Dirk Paulsen

7 Antworten

  1. Hans Lotzien sagt:

    Lieber Dirk,

    mein erster Verein war Wattenscheid. Karl-Heinz Podzielny spielte in Essen-Borbeck. Unsere erste Begegnung im Jugendwettkampf ist bereits
    50 Jahre her. Ich habe ihm später den Spitznahmen Ede gegeben. Dies hat er sich von mir klaglos gefallen lassen.

    Ich finde es großartig welche Mühe Du Dir bei der Beschreibung von Karl-Heinz Podzielly gemacht hast. Es war eine eindrucksvolle Würdigung
    und in vielen Punkten treffend zugleich.

    Herzlichen Dank und beste Grüße aus Godesberg
    Hans Lotzien

  2. Franz Jittenmeier sagt:

    Kommentare auf Facebook:

    Lieber Dirk, ich stehe live auf dem Breitbachplatz und lese Deinen wunderbaren Nachruf auf Podzblitz. Deine liebevollen Zeilen wirken auf mich wie ein Blitz, Podzblitz. Vielen Dank dafür, Karl Heinz hat sich sich Deiner Worte verdient. Auch ich werde noch einen personalisierten Nachruf für Karl-Heinz Podzielny verfassen, wenn ich wieder in Solingen bin. Nun gilt es erst einmal, noch drei Tage Berlin zu genießen . Herzliche Grüße Bernd Schneider

    Michael Raddatz
    Gut geschrieben Dirk und die Bemerkung über diese Abkürzung R.I.P. empfinde ich genauso wie du irgendwie lieblos. Ich habe immer gerne jüngeren neuen Schachtalenten von Potzblitz erzählt wie er Blitz zelebriete. Eine Geschichte ist mir fast peinlich. Ich spielte mit meinem Bruder in Herne ein Schachturnier und wir wurden gegeneinander gelost und machten aus das wir remis spielen wollten unter Brüdern. Nun spieletn wir und das Ergebnis stand schon fest dann machte ich einen versteckten Fehler und mein Bruder bot wie abgesprochen Remis an das ich annahm. Dummerweise war Karl Heinz Podzielny zugegen und erkannte sofort das mein Bruder hätte gewinnen können.und verstand nicht das er nicht weiterspielte.Er zeigte uns den Gewinnweg und wir konnten nichts dazu sagen. Sein Auftritt beim Travemünder Schachopen war auch legendär. Wer das Turnier kannte weiß das zu dem Turnier eine gut frequentierte Bar gehörte die von den Travemünder Schachspielern in Eigenregie geführt wurde. Potzblitz hat dort so manche Blitzpartie nebenher gespielt. Es war immer ein Erlebnis ihn bei seinem Spiel zu beobachten. Ich wünsche dir Potzblitz das du deinen Frieden gefunden hast.

    Klaus-Michael Buck
    Diesen Billardsalon am Tauentzien habe ich häufig in der angegebenen Zeit besucht. Potzblitz war nicht mein Gegner, aber Werner Reichenbach und noch ein anderes Original mit dem Nachnamen Huhn. Es war eine bierselige Zeit und berlinerisch originell. Man spielte um 50 Pfennige mit Kontra und Re, und ich habe die beiden finanziell unterstützt. So kann man seine Niederlagen auch nennen.

    Alexei Shirov
    Maybe a flashmob – twenty beers each in Karl Heinz’s memory? 🙂

    Tom Bus
    In 1975 I went to a Blitz-Tournament close to Aachen. A man proudly told me:”That’s my son who is winning this tournament.” He was talking about Karl-Heinz. He won indeed.
    A remarkable person who died too early.

    Thomas Michalczak
    Die Ruhrpott-Turniere sind leider in Zukunft nicht mehr das, was sie einmal waren. RIP

    Matthias Kribben
    Toller Nachruf aus Deiner Perspektive, Dirk – Du warst wohl 20 oder 21 Jahre alt, als Dich Potzblitz mit seinen schnellen Zügen beeindruckte. Und genauso legendär wie wenig vorbildlich seine Neigung, pro Blitzpartie eine Flasche Bier zu leeren. Bei mir steht er bei Facebook noch unter der Rubrik Freundschaftsanfragen, die ich nie annehmen wollte. Ich hatte wesentlich mehr Kontakt zu seinem Stiefvater, der auch Karl-Heinz hieß und Teamcaptain der deutschen Fernschach-Nationalmannschaft war. Ende der 90-er Jahre nominierte er mich erstmals und ich war stolz die deutschen Farben zu vertreten. Oft telefonierten wir und Vater Karl-Heinz war genau das Gegenteil von seinem Stiefsohn: Er arbeitete hart unter Tage im Bergwerk, verlor dabei ein Bein, hatte Disziplin und Witz und unglaublich viel Stolz, aber genauso viel Sorgen und auch Verzweiflung um seinen Sohn. Stolz, wenn der Sohn mal wieder für Schlagzeilen sorgte, weil er ein großes Turnier gewann. Sorgen, weil dieser Sohn nie erwachsen werden wollte, respektlos, disziplinlos und arbeitsscheu war. Verzweiflung, wenn dieser Sohn ihn belog und betrog und zum Beispiel seine Konten auf der Bank leerte, was ihm aufgrund des gleichen Vornamens gelang. Das war die dunkle Seite von Potzblitz – wie oft wollten sich die Eltern von ihm lossagen, aber sie haben ihm letztlich dann doch wieder alles verziehen. Mal sehen, wie lange seine Freundschaftsanfrage noch aufblinkt….

    Bernd Schneider
    Es gibt in der Tat die zwei Gesichter des Karl-Heinz Podzielny. Diese werde ich auch in einem noch folgenden Nachruf berücksichtigen. Sein Vater Karl-Heinz Podzielny Senior spielt dabei auch eine Rolle. Er war in der Tat verzweifelt, was den Junior angeht. Dabei hätte er m.E. nach auch seine Rolle als extrem dominierender Vater überdenken sollen. Ich denke der Senior hat seinen Beitrag zur extremen Entwicklung seines Junior beigetragen

    Kai Kuss
    Karl-Heinz hatte ein pralles Leben. Voller Situationskomik. Er wollte das. Vielleicht war er auch so etwas wie ein Clown. Ein trauriger, lachender, einsamer, wütender, schmeichelnder genialer Schach-Clown. Er lebte den Kontrast zwischen Todessehnsucht und Lebenslust, wie kaum ein anderer. Vielleicht wie Mihail Tal? Karl-Heinz war ein großer Verehrer von Tal. Ich glaube aber gar nicht so nur wegen Schach. Er fand den Typ einfach geil. Geniales Schach, genialer Musiker, wie Karl-Heinz berichtete. Und diese Todessehnsucht. Auch Karl-Heinz sprach ja schon in jüngeren Jahren mit einer gewissen Wollust von seinen Krankheiten. “Magenkrebs – ich habe nur noch einen Sommer. Deshalb ist mir das alles hier scheißegal.” Während dieser Erzählungen spielt er einen verzweifelt knittrig dreinblickenden Milorad Vujovic, (“ich nur FM – Du Meister”) zwei gegen vier an die Wand, atmet an einem Abend drei Schachteln Benson & Hedges (“alles andere kann man nicht rauchen”) und den gesamten Biervorrat ein. Er genießt die Szenerie mit den aus sämtlichen Taschen seiner Jacke quillenden 20-Franc-Scheinen, das Schachbrett zwischen leeren Bierflaschen, Zigarettendunst und erfürchtiger Kibitze kaum noch zu entdecken. “Kai – wo ist der Jesko? Ich habe bei Ernesto einen Tisch bestellt, Ihr seid eingeladen. kannst du noch fahren?” Ernesto führte das beste Feinschmeckerlokal in Strasbourg (Fohlenfilet, Froschschenkelsuppe …). Karl-Heinz konnte dort anschreiben lassen … Am Ende gewann er das Turnier (übrigens mit einer wirklich genialen Partie gegen Daniel King) und musste sich dennoch entscheiden: Zahle ich jetzt das Hotel oder Ernesto? Jean-Luc Roos kennt die Antwort. Wie ja Dirk Paulsen schon ganz richtig geschildert hat, er hat sehr, sehr vielen Leuten das Gefühl gegeben, dass sie wichtig für ihn sind. Ich habe in der Zeit zwischen 1985 bis etwa Ende der 90´er gefühlt mindestens hundert, vielleicht noch mehr – für mich damals – sehr intensive Erlebnisse mit ihm geteilt. Und doch hatte ich oft das Gefühl, nicht nur Wegbegleiter oder vielleicht auch “Freund” zu sein, sondern auch, vielleicht sogar in erster Linie Publikum. Ein Zuschauer vor seiner Bühne. Er hatte mal eine Phase, da rief er relativ regelmäßig nachts bei mir an. Und ich war bestimmt nicht der einzige, den er nachts mit schwerer Zunge aus dem Bett telefoniert hat. Ich weiß es nicht. “Die Soße läuft …” fing er an. Seinen Suizid mit voller Inbrunst inszenierend. “Ich habe mir die Pulsadern aufgeschnitten … ” Nein, ich habe es ihm nie abgenommen. Ich habe ihm vorgeschlagen, seine Adern abzubinden und mit mir nach Leiden (NL) zum Schnellturnier zu fahren. “Ok, wann holst du mich ab?” Er war in gewisser Weise recht flexibel … Das war sein Humor. Ja, lieber Karl-Heinz, dein letzter Sommer hat auf sich warten lassen. Jetzt konntest du ihn nicht mehr recht feiern. Aber wir denken an dich. Wir feiern dich. Alles gut. Und doch bin ich so verdammt traurig.

  3. Ingo Cordts sagt:

    Wir werden Dich vermissen, Karl-Heinz!
    Ich danke Dir für die schönen Erlebnisse mit Dir!
    Mach`s gut und ruhe in Frieden!
    Ingo Cordts

  4. Georg Seul sagt:

    Danke für den wunderbaren Nachruf auf eine echte Legende, Dirk!
    Karl-Heinz war für mich eines der größten Talente, das ich kennen lernen durfte – allerdings auch was das “Durchmachen” anging. Da hatte er eine unglaubliche Kondition und großen Erfindungsreichtum für die absurdesten Geschichten. Langweilig wurde es nie mit ihm und auch wenn er für manche etwa zu streitbar war, so war er doch immer korrekt.
    Ich werde ihn immer in bester Erinnerung behalten.
    Georg Seul

  5. CSS sagt:

    Karl-Heinz Podzielny hatte auch mal eine Blitzpartie gegen den Mephistio Vancouver 68030, 60 MHz, 8MB RAM gespielt. Dabei hatte er ziemlich schnell Übergewicht erlangt. Doch dann unterlief ihm ein Fehler, der ihm der Computer bestrafte. Er nahm daraufhin erbost den Rechner in die Hände und wollte ihn nach unten werfen – bis man ihn daraufhin wies, was er für einen Wert hat, nämlich rund 15.000 Mark. Daraufhin setze er den Computer ab und verlor die Partie.

  6. Stefan Hütte sagt:

    Eine Anekdote hätte ich auch: Ich habe mit einem Freund zusammen vor langer Zeit ein 24-Stunden-Bltizturnier für Zweierteams mitgespielt. Podzblitz spielte zusammen mit GM Michael Hoffmann. Mitte des Turniers wurden wir gegen das Team Hoffmann/Podzblitz gelost und mein Freund hatte die Ehre gegen ihn anzutreten. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings schon etwas angetrunken und der Aufenthalt am Getränkestand verhinderte ein pünktliches Erscheinen am Brett. Mein Freund drückt also die Uhr an und mit noch 3 Minuten auf der Uhr erscheint Podzblitz endlich, sieht das die Uhr schon läuft, beschimpft meinen Freund bis er nur noch zwei Minuten auf der Uhr hat und schiebt ihn dann nach allen Regeln der Kunst zusammen. Sehr beeindruckend.

  7. Ekkehard Körbel sagt:

    Ich durfte Karl-Heinz auf dem Staufer Open 2016 kennen lernen. Bezeichnenderweise bei einer Zigarette draußen in der Kälte. Die 5 Minuten, in denen ich mich mit Karl-Heinz reden konnte, beeindruckten mich schon dermaßen, was sein schachliches Leben angeht. Er flog wohl öfters mal nach Riga, um mit Mikhail Tal zu blitzen, war Trauzeuge bei der Hochzeit seiner Tochter Zhanna (wenn ich mich da noch richtig erinnere) und erkundigte sich ganz beiläufig, wie viele Punkte ich denn hätte. Es war die 6. Runde und ich hatte 2 Punkte auf dem Konto, was er mit einem gönnerhaften “Na das geht doch” honorierte. Wenige Wochen später hörte ich mit dem Rauchen auf. Ich bin heute noch froh, dass ich nicht schon früher damit aufgehört hatte…

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