Mai 21, 2024

Auf Wiedersehen, HSK Lister Turm! (12. Spieltag)

Der erste Absteiger der Saison 2023/24 steht fest. Der HSK Lister Turm wird nach einem einjährigen Gastspiel die Schachbundesliga verlassen. Am zwölften Spieltag machte die elfte Saisonniederlage der Hannoveraner den Abstieg perfekt.

Der erste Aufsteiger steht ebenfalls fest.

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Nach einem 6:2 über Solingen II ist dem Düsseldorfer SK die Rückkehr in die Eliteklasse nicht mehr zu nehmen. Auch ohne ihre WM-Kandidaten (denen das Kandidatenturnier unmittelbar bevorsteht) ließ die potenziell stärkste Vereinsmannschaft der Welt am achten Spieltag der Zweiten Bundesliga West nichts anbrennen.

Schachbundesliga, der 12. Spieltag:

Französisches Trio: Etienne Bacrot (vorne) half seinen Baden-Badenern, die Mini-Chance auf die Titelverteidigung zu wahren. Pierre Laurent Paoli (links), Christian Bauer sowie ihre Ötigheimer Mitspieler freuen sich jetzt schon über ein gelungenes Debüt in Liga eins. | Foto: Thilo Gubler

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Der Tabellendritte Werder Bremen vermochte den Tabellenzweiten Baden-Baden bei dessen Heimspiel nicht auf die erwartet harte Probe zu stellen. Nachdem Maxime Vachier-Lagrave und Nikita Vitiugov ihre Schwarzpartien am ersten und dritten Brett schnell wegremisiert hatten, lief der Kampf ungefährdet zugunsten der Favoriten.

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Etienne Bacrots Taimanov-Sizilianer führte zum vollen Punkt. | Foto: Patrick Bittner

Etienne Bacrot eröffnete den Reigen, als Nikolas Wachinger kurz vor der Zeitkontrolle der entscheidender Endspielfehler unterlief. Weitere Siege von Sergei Movsesian, Michael Adams und Vincent Keymer stellten den hohen Sieg sicher. Speziell Keymer wird nach seinem eher missratenen Turnier in Prag froh sein, voll gepunktet zu haben.

Titelverteidiger OSG Baden-Baden sollte sich mit diesem Sieg zumindest den zweiten Platz gesichert haben – und bewahrt die Mini-Chance, die drei Punkte in Front liegenden Viernheimer noch zu überholen, sollte der Tabellenführer straucheln.

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Sergei Movsesian (6,5/7) frohlockte schon vor der Partie. | Foto: Thilo Gubler

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„Es wird sehr wichtig sein, dass ich heute einen vollen Punkt hole“, merke Georg Meier früh im Match. Zwar hatte er Anlass, zufrieden zu sein – aber nur beim Blick aufs eigene Brett. Ein Blick in die Runde gab eher zu Sorge Anlass.

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Das Problem an 23…Lg7? besteht in 24.Lxf6! Diese Chance ließ sich Mateusz Bartel nicht entgehen, sehr wohl aber die Gelegenheit, die Partie zu gewinnen.

Die Dresdner waren nahe dran, einen oder gar zwei der Punkte, die sie noch für den Klassenerhalt brauchen, gegen den designierten Meister einzufahren. Fast alle Partien liefen aus Dresdner Sicht ordentlich bis gut, eine sogar sehr gut. Mateusz Bartel drehte David Anton früh eine Ruine von Stellung an, und es schien nur eine Frage der Zeit, bis sie einbricht.

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Bei einer Wahl zum repräsentativsten Spiellokal der Republik hätte das Lingnerschloss in Dresden treffliche Aussichten. Ob hier auch in der kommenden Saison Erstligaschach gespielt wird, ist noch offen. | Foto: Stefan Spiegel.

„Allgemeine Erleichterung, Charakterprobe bestanden“ teilte Viernheim-Vorstand Stefan Spiegel gut vier Stunden später mit. Georg Meier hatte seinen Job gemacht, und es kam sogar noch ein voller Punkt von Shakhriyar Mamedyarov in einem undurchsichtigen Gefecht gegen Liviu Dieter Nisipeanu dazu. Die Dresdner gewannen derweil ihre günstigen Stellungen nicht, ganz am Ende nicht einmal Bartel, der in der letzten Partie des Tages Anton doch noch davonkommen ließ.

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Kommentator Ilja Zaragatski und die Schar der Zuschauenden labten sich für die Dauer der Übertragung an der bestens vernehmbaren musikalischen Geburtstagsfeier im Nebenraum. Zwischenzeitlich schaute Zaragatski nach dem Stand der Dinge in einer anderen Bundesliga. | via YouTube

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Auf exakt null Prozent hatte das Liga-Orakel vor dem Spieltag die Meisterschafts- wie die Abstiegswahrscheinlichkeit der beiden ehemaligen Deutschen Meister taxiert. Ums Prestige ging es in erster Linie für die Bayern, die sich als nomineller Außenseiter der Gästeriege gegenübersahen.

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13…Lxf6 wäre prima, Schwarz ist okay. 13…gxf6? war leider nicht prima. Nach 14.Sxd7 Dxd7 kommt Weiß bald günstig zu d5, dann zu Spiel gegen den entblößten schwarzen König.

Nachdem sich am Spitzenbrett Jaime Santos Latasa und Markus Ragger in Windeseile ihr Honorar fürs Remis gesichert hatten, sah es kurz aus, als wäre sogar ein doppelter Punktgewinn für die Gastgeber drin. Während sich an den anderen Brettern weitere Remisen ergaben, hatte Sebastian Bogner Loek van Wely nach einer überambitionierten Fehlentscheidung ausgangs der Eröffnung am Schlafittchen (siehe Diagramm oben). Tatsächlich gewann Bogner, aber auf der anderen Seite der Tische gab es ebenfalls einen Profiteur einer Fehlentscheidung. Mads Andersen punktete gegen Valentin Dragnev, sodass der Kampf 4:4 endete.  

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Ein Punkt reichte den weiterhin bedrohten Hamburgern, um in der Tabelle zwei Ränge nach vorne zu springen und die Abstiegsplätze zu verlassen. Für Remagen war es auch angesichts der mageren Brettpunktausbeute eher ein Punkt zu wenig. Andererseits sollte die Rettung zumindest dieses Punktes Mut machen. Es sah lange nicht danach aus.

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Luis Engel brachte seine Hamburger in Front, aber die Führung hielt nur bis zum 133. Zug der Partie am siebten Brett. | Foto: Reinhard Ahrens

Nach vier Unentschieden zum Auftakt brachte Luis Engel mit einem sauberen technischen Schwarzsieg die Hamburger in Front. Dass diese Führung bis zur letzten noch laufenden Partie Bestand hatte, verdankten sie Julian Kramer, der in äußerst brenzlicher Lage einen gegnerischen Oktopus inklusive Dameninvasion erfolgreich bekämpfte.

Beim Stande von 3:4 aus Remagener Sicht musste Steven Geirnaert ein etwas besseres Endspiel gegen Nico Zwirs gewinnen. Das Endspiel mündete schließlich in das theoretisch ungewinnbare, aber praktisch chancenreiche Turm plus Läufer versus Turm. Nach 134 Zügen hatte Geirnaert in der längsten Partie der 12. Runde ein unparierbares Matt gegen den überforderten Turm konstruiert.

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Hier ahnten Steven Geirnaert (r.) und Nico Zwirs noch nicht, dass sie die längste Partie des Spieltags absolvieren würden. | Foto: Reinhard Ahrens

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Die Mülheimer dürfen sich als Gewinner des Spieltags fühlen. Angesichts des schweren Restprogramms sind sie noch nicht aus dem Schneider, aber die 2 Mannschafts- sowie die 6,5 Brettpunkte markieren einen vorentscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt.

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18…Lg4! und bei Weiß geht es schon den Bach runter.

Die Münchner auf der anderen Seite traten nicht auf wie eine Mannschaft, die noch einmal alles versucht. Stattdessen erlagen sie am ersten und fünften Brett jeweils frühen Taktiken und konnten die neuerliche Niederlage früh kommen sehen. Die beste Münchner Partie spielte Stefan Kindermann, der mit einem sehenswerten Franzosen Thomas Beerdsen den Ehrenpunkt abknüpfte.

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29.f3! und Schwarz muss sich von Material verabschieden.
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Das Match endete 4:4, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags fehlte das letzte Partieresultat noch im Ergebnisdienst.

Auch wenn für beide nach oben wie nach unten nicht mehr viel ging, bedeutete das nicht, dass nicht gekämpft wurde. Die nominell leicht unterlegenen Ötigheimer mussten hart arbeiten, um Kirchweyhe einen Punkt abzuringen.

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Kirchweyhe-Käptn Peter Orantek (hinten rechts) kann einen weiteren Punkt seiner Mannschaft eintragen. | Foto: Patrick Bittner

Am Ende konnten sich die anderen sieben Ötigheimer und Käptn Marcus Wormuth beim niederländischen Großmeiter Erik van den Doel bedanken. Beim Stand von 3:4 aus Ötigheimer Sicht stand van den Doel vor der Aufgabe, aus einem symmetrischen, ausgeglichenen Leichtfigurenendspiel irgendwie einen vollen Punkt herauszukneten. Nach 76 Zügen war diese Aufgabe bewältigt.

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Der SK Doppelbauer Turm Kiel hat sich mit seinem Sieg in der zwölften Runde vorzeitig den Klassenerhalt gesichert. Mit 12 Punkten stehen die Kieler auf einem sicheren Mittelfeldplatz. Matchwinner war Marius Fromm, der mit Schwarz Jorge Joao Viterbo Ferreira nach und nach überspielte, zu keinem Zeitpunkt Luft hereinließ und schließlich den vollen Punkt machte, der den Nordlichtern den Matchsieg sicherte.

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21…g5! und Weiß verliert Material.

Es war ein Vier-Punkte-Match, in dem auch das Oktett des SC Heimbach-Weis-Neuwied gegen den Abstieg kämpfte. Mit nun 8:12 Punkten ist der Aufsteiger auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen.

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Marius Fromm (rechts), Matchwinner für Kiel. | Foto: Reinhard Ahrens

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Auf Wiedersehen, HSK Lister Turm! Nach der 2:6-Niederlage gegen Deizisau steht der Abstieg des Tabellenletzten nun auch rechnerisch fest. Mit einem Punkt bei drei noch ausstehenden Matches können die Hannoveraner selbst mit drei Siegen das rettende Ufer nicht mehr erreichen.

Nachdem die Deizisauer zwei Schwarzpartien an den Brettern von Stepan Zilka und Andreas Heimann schnell remis gegeben hatten, spielten sie vor allem an den oberen Brettern einen souveränen, eher technischen Mannschaftssieg heraus.

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Deizisau (hinten) hat den dritten Tabellenplatz zurückerobert. Lister Turm aus Hannover muss absteigen. | Foto: Stefan Spiegel