Juni 16, 2024

Menschenbilder der Psychologie (III)

 

Menschenbilder der Psychologie (III)

Liste der Kernaussagen


„EVERY MAN is in certain respects;
a. like all other men,
b. like some other men,
c. like no other man.“
(Henry A. Murray & Clyde Kluckhohn, Personality in Nature, Society, and Culture, 1953).

 

Viele Psychologinnen und Psychologen halten es nicht für möglich, die unterschiedlichen Auffassungen vom Menschen zu einer Gesamtschau zu verbinden. Dieser Pessimismus scheint mir unberechtigt. Bei näherer Betrachtung und vorurteilslosem Querdenken stellt sich heraus, dass die verschiedenen Aussagen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern einander gut ergänzen. 

Entwirrung der verwickelten Vielfalt 

Jahrelang habe ich mich mit diesen Fragen  beschäftigt. Endlich,
nach langem Suchen, kam ich auf einen Lösungsvorschlag. Ich versuchte folgende, aus mehreren Schritten bestehende Vorgehensweise:

Liste der Kernaussagen (gilt auch SchachspielerInnen)


Zunächst werden wesentliche psychologische Kernaussagen aufgelistet.

• Er/Sie besitzt Bewusstsein, Entscheidungsfreiheit und Steuerungsfähigkeit


• sammelt, verarbeitet, speichert und verwertet Informationen


•  wird von Kognitionen gesteuert, verfügt über Wissen und Sprache


• handelt planvoll und vernünftig


• erlebt Bedürfnisse und Befriedigungen, empfindet Gefühle und Schmerz


• wird von (unbewussten) Motiven und Emotionen beeinflusst und aktiviert


• verhält sich mitunter ambivalent, triebbestimmt oder irrational


• lernt (verarbeitet und nutzt frühere Erfahrungen)


• verfügt über psychisches Potential, u.a. Intelligenz, Kreativität, Intuition


• wirkt selbstbestimmend an der Gestaltung seines Lebens mit


• beachtet Normen, Werte und soziale Regeln

• wird durch seine Umwelt und die Mitmenschen beeinflusst und geformt

• verändert sich und seine Umwelt

 

Alternative Darstellungsweise

Der Mensch als 

• lernendes und sich entwickelndes Wesen
• intelligentes, kreatives und intuitives Wesen
• lustsuchendes und unlustvermeidendes Wesen
• motiv- und emotionsaktiviertes Wesen
• Bewusssein besitzendes, sich selbst beobachtendes Wesen
• Bedürfnisse, Gefühle, Befriedigung und Schmerz empfindendes Wesen
• zeit-/teilweise irrationales und ambivalentes Wesen
• Normen berücksichtigendes Wesen
• biologisches und sozio-kulturelles Wesen

• in sändiger Interaktion mit der Umwelt (und sich selbst) stehendes Wesen

Usw.

Ausführliche Darstellung in Der Steppenwolf und die moderne Psychologie (Munzert 1999)

https://hesse.projects.gss.ucsb.edu/papers/munzert.pdf

 

Die nächste Kombination:

Menschenbilder, Theorien und Methoden von Kognitiver Psychologie und Handlungspsychologie überlagern sich und sind mit einander verschränkt.

Siehe auch Menschenbilder der Psychologie (I)

https://www.chess-international.com/?p=72045

 

Demnächst geht’s weiter mit

DIe flexible Basis-Einheit zur Einbindung verschiedener Menschenbilder: Der Mensch als Ganzheitlliches Informationsverarbeitungs- und Handlungssystem (GI&HS) 

Dr. Reinhard Munzert

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