Mai 7, 2021

Mann der Stunde

Fabiano Caruana ist wieder im Rennen, Alexander Grischuk ist endgültig raus. Das ist die Essenz des ersten Spieltags des Kandidatenturniers nach Wiederaufnahme. Die spektakuläre Schlacht zwischen Fabiano Caruana und Maxime Vachier-Lagrave war die zentrale Begegnung der Runde.

Für Fabiano gab es zwei mögliche Ansätze, die Partie anzugehen. Entweder eine Spielstellung bekommen, zum Beispiel mit einem g3-Sizilianer oder so etwas, um MVL daraus zu überspielen. Oder etwas ganz Konkretes, eine Art Serve and Volley, um MVL direkt wegzuschießen. Offensichtlich hatte er sich dafür entschieden, ihn direkt wegzuschießen – inklusive Figurenopfer mit schon drei Bauern weniger.

Auch wenn es nicht so aussieht: Die Wahl dieser ultrascharfen Variante war die Sicherheitsmethode, um mit einem halben Punkt in der Tasche zu spielen. Caruana wusste, was aufs Brett kommt, er hatte alles vorbereitet und konnte zu keinem Zeitpunkt verlieren.

Überraschend finde ich, dass 16.c3 im Nahschach nie gespielt worden war. Noch überraschender fand ich, dass MVL danach in tiefes Nachdenken versunken ist. Laut Maschine ist 16.c3 einer der einzigen beiden Züge, die nicht klar schlecht sind. Eigentlich müsste er antizipiert haben, dass in dieser Stellung c3 kommen kann.

Am Ende des Wissens?
Natürlich ist der Najdorf-Sizilianer beginnend mit dem fünften weißen Zug eine unheimlich breit ausgefächerte Eröffnung, andererseits spielt MVL das ein Leben lang. Und was die beiden auf dem Brett hatten, war ja eine der Bauernraub-Hauptvarianten. Aber das ist kein ganz neues Phänomen bei MVL: Manchmal scheint er in Stellungen auf sich gestellt zu sein, in denen es kaum möglich ist, dass er dazu keine Datei hat. In Wijk gegen Caruana war das schon so ähnlich gewesen.

 

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