Mai 6, 2021

Simplizissimus, Trash-TV und königlicher Spaß: das Schachphänomen Kugelbuch

Nie in der gut neunjährigen Geschichte seines Youtube-Kanals hatte Niclas Huschenbeth den Zuschauern geraten, besser abzuschalten. Dann, am 6. April 2021, dieses: „Wer mit Anglizismen nichts anfangen kann, schaut besser nicht zu“, sagt der Großmeister zu Beginn eines Videos, in dem er eine Partie des Streamers Kugelbuch analysiert. Gute zwölf Minuten und einige connectete Rooks später schließt Huschenbeth die Analyse: „Es tut mir sehr leid für alle, die jetzt zwölf Minuten ihres Lebens verloren haben. Ich möchte mich dafür entschuldigen.“

Während Schach am Brett pandemiebedingt kaum stattfindet, gebiert es online Phänomene und Helden. Einer davon ist Kugelbuch. Unlängst mussten Deutschlands erfolgreichste Schach-Youtuber GM Niclas Huschenbeth und „The Big Greek“ IM Georgios Souleidis ihre Wettschulden nach verlorenen Streamerbattles gegen Kugelbuch einlösen – und sie litten sichtlich darunter.

Traditionell gehen Schachspieler eher an die Öffentlichkeit, wenn sie Erfolge präsentieren können. Kugelbuch hingegen lässt seine „Subscriber“ seit acht Monaten an seinem Scheitern teilhaben, an seinem Bemühen, zum Beispiel ein Rating von 1800 bei Lichess zu erreichen. Die Zahl seiner Twitch-Abonnenten nähert sich den 10.000. Nicht nur Mitbewerber mit seriöseren schachlichen Inhalten fragen sich, warum der hochgeschossene Schlaks mit altmodischer Brille und Basecap, der nach eigenen Angaben vor einem Jahr mit Schach begann, so erfolgreich ist.

Drei Aspekte fallen ins Auge.

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