Mai 7, 2021

Vierkampf mit Anish

Davon wäre MVL nicht zurückgekommen, das hätte es schon gewesen sein können. Nachdem er als Co-Führender und Co-Favorit vor zwei Tagen in die zweite Hälfte des Kandidatenturniers gestartet war, stand er gegen Ding Liren vor seiner zweiten Null in Folge. Aber der Franzose hat sich noch einmal aus der Affäre gezogen, er bleibt im Rennen, das sich jetzt (nach Anish Giris Sieg über Wang Hao) zu einem Vierkampf zugespitzt hat: Nepomniachtchi, Caruana, MVL, Giri. Einer dieser vier wird Ende des Jahres der WM-Herausforderer sein.

In MVLs Schwarzpartie gegen Ding sehe ich einige zentrale Momente, einer von denen war 15.Sd4, ein cooler Zug. Allerdings auf diesem Level nicht sensationell schwierig zu sehen, das Motiv ist bekannt, zum Beispiel aus dem Nimzo-Indischen. Es gibt zahlreiche praktische Beispiele für diese Art von Opfer.

Um 15.Sd4 zu spielen, bedarf es keines Supergroßmeisters, aber für den Gegenspieler ist so ein Zug durchaus zu übersehen. MVL hatte im Zug davor die Wahl zwischen 14…Sde5 und 14…Sge5, der eine führt zu einer unklaren Stellung, der andere lässt 15.Sd4 mit großen Problemen für Schwarz zu. Vielleicht hat er beim Abwägen zwischen diesen beiden sehr ähnlichen Zügen einfach die Möglichkeit Sd4 vergessen, eine Art 2800er-Blackout, ein blinder Fleck. Und dann steht er halt vom einen Zug auf den anderen auf Verlust.

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