Juli 31, 2021

Liebling der Massen

Das Schachspiel erlernte er von den Patienten seines Vaters in dessen Wartezimmer, als er sieben oder acht Jahre alt war. Im Gegensatz zu vielen anderen wurde ihm die Begabung nicht in die Wiege gelegt. Seinen ersten großen Erfolg konnte er erst im Alter von 17 Jahren vorweisen, als er die lettische Meisterschaft gewann. Danach reihte sich Erfolg an Erfolg. Nach seinem ersten Auftritt bei einer UDSSR-Meisterschaft, im Alter von 20 Jahren, wurde ihm der Titel eines Großmeisters verliehen, gute 3 Jahre später, war er Schachweltmeister.

Wenn er den Turniersaal betrat, waren die Augen der Kiebitze ausschließlich auf ihn gerichtet. Man schätzte und liebte ihn dafür, wenn er in scheinbar langweiligen Stellungen kombinatorische Verwicklungen vom Zaun brach. Nach seinen Partien fand man ihn im Presseraum wieder, wo er stets beeindruckte, wenn er seine im verbogenen verbliebenen Varianten nur so aus dem Ärmel schüttelte.

Wies man ihm nach, dass seine Varianten nicht ganz korrekt waren, so lächelte er und stimmte dem zu. Er zelebrierte mit Vergnügen, dass Analyse und Partie zwei verschiedene paar Schuh sind, denn er wusste, dass seine Ideen am Brett unter Zeitdruck nur sehr schwer zu widerlegen sind. Ich denke, dass man heute sagen kann, dass es ihm ein stetes Vergnügen war, dass die Zuschauer Gefallen darin fanden, wenn man am Brett sitzend etwas riskierte und nicht schob.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

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