November 28, 2020

Anne Lukas gewinnt IODFEM 2020

Erlebnisbericht einer Teilnehmerin

Zur 20. Internationalen Offenen Deutschen Frauen Einzelmeisterschaft kamen 27! Teilnehmerinnen, das war ein neuer Rekord. Auch ich wollte wieder ein Turnier am Brett spielen und ein gutes Ergebnis erzielen. Da die Meisterschaft in Erlangen stattfand und das nicht so eben um die Ecke ist, machte ich mich bereits am Mittwoch auf den Weg. Die Zugfahrt klappte ohne Verspätungen und ich lieh mir am Bahnhof erstmal ein Fahrrad, um zu meiner Unterkunft zu kommen. Die Leihfahrräder der Bahn (Call a Bike) sind sehr solide, aber gewöhnungsbedürftig. So hatte ich z.B.

Anne Lukas spielte das Turnier ihres Lebens, egal wer kam wurde niedergespielt. Das war wohl die Devise die der Gernsheimerin zum Sieg reichte.
Sie nahm Corona außerordentlich genau und trug während des Spielens immer Maske.

meine Satteltaschen mitgenommen, aber diese konnte man dort nicht anbringen, da die Fahrräder hinten einen Aufsatz für Gepäck haben, aber man konnte sie dort festschnallen. Auch das Abschließen dieser Fahrräder ist nicht ganz einfach, man brauchte immer einen etwas höher gelegenen Pfahl oder Fahrradständer, um das Schloss zu nutzen. Aber der große Vorteil dieser Fahrräder ist, dass man sie jederzeit ausleihen und zurückgeben kann, vorausgesetzt, es ist eins verfügbar. Es waren sogar 4 vorhanden.

Da ich einen Tag eher angereist bin, habe ich mir erstmal Erlangen angesehen. Dort gibt es einen großen Schlosspark und einen schönen botanischen Garten, beide kostenlos zugänglich, und das Fahrrad durfte ich dort auch schieben.

Nach dem Sightseeing versuchte ich, das Spiellokal zu finden, damit ich am Donnerstag rechtzeitig da bin. Das erwies sich aufgrund meiner Orientierungsprobleme oder aufgrund dessen, dass mein Navigationsgerät mich wieder etwas seltsam lotste, als nicht so einfach, aber irgendwann war ich irgendwie da, nur, wenn ich nicht mehr weiß, wie ich da hingekommen bin, nützt das auch wenig.

Den Donnerstag Vormittag nutze ich wieder für Sightseeing, dieses Mal in Nürnberg. Danach habe ich mich etwas vorbereitet, indem ich etwas Taktiktraining und etwas Mentaltraining durcharbeitete.

Zur Runde kam ich trotz eines Umwegs (mal wieder ein Disput zwischen mir und dem Navi) pünktlich, aber es waren noch nicht alle Spielerinnen da. Eine Spielerin mit nicht ganz so weitem Anreiseweg hatte ihren Zug verpasst, weil sie zu lange gequatscht hatte, das passiert auch nur bei Frauen! Aber fast pünktlich konnten alle starten. Der Ausrichter um Wolfgang Fiedler präsentierte ein sehr gutes Spiellokal mit viel Platz und Dauerlüftung. Für mich war das etwas zu kalt, aber ich hatte ja eine Jacke dabei und damit ging es dann. Anders die jugendlichen Spielerinnen, ein Brett neben mir wurde im T-Shirt gespielt!

Ich war an 7 gesetzt und bekam eine von der Zahl her schlechtere Gegnerin. Ich gewann in der Eröffnung einen Bauern und schon setzte der Schlendrian ein. In Gefühl, die Pflichtaufgabe so gut wie erfüllt zu haben, sah ich irgendwie Gespenster und zog einen Turm von der lebenswichtigen Linie weg, was mich erst eine und kurze Zeit später noch eine weitere Figur kostete und statt wie erwartet zu punkten, freute sich meine Gegnerin über den Punkt.

Am nächsten Tag war Doppelrunde und ich fand mich schon besser zurecht auf dem Weg zum Spiellokal, aber es war immer noch nicht der schnellste Weg.

Ich bekam als Gegnerin Sarah Peglau. Die Peglaus waren mit fast der ganzen Familie da, Mutter und 4 Töchter, die 5 Tochter konnte nicht mitspielen, weil sie zur Schule musste. Außerdem waren sie begleitet von ihrem Trainer GM Henrik Teske. Sarah hatte zurzeit eine schlechtere Zahl als ich, aber genau wie ich, spielt sie ihre Zahl immer hoch und runter, und da sie ihren Trainer dabei hatte, war ich gewarnt. Es ergab sich eine ganz normale Stellung, aber ich schaffte es irgendwie, sie zu verschlechtern, und Sarah nutzte das zum Sieg. Ich war bedient und wollte wieder nach Hause. Aber da man das nicht macht, spielte ich natürlich weiter.

In der dritten Runde bekam ich eine dankbare Gegnerin, die mir alles zum Wegnehmen hinstellte, so dass ich nicht total am Boden lag.

Das änderte sich in Runde vier. Ich hatte wieder eine sehr viel schwächere Gegnerin und aus irgendeinem Grund tauschte ich einen Turm gegen einen Springer und zwei Bauern, was eigentlich nicht sehr gut ist. Wir spielten beide auf Gewinn, aber nach 106 Zügen sah ich dann ein, dass es nicht mehr zu gewinnen war, am Ende stand ich leicht besser, zwischendrin hatte ich aber Glück, dass ich es nicht verlor. Nach dieser Mammutpartie gewann ich in der nächsten Runde eine Figur. Auch dieses Mal war die Gegnerin von der Rating her schwächer und ich freute mich schon, dass ich endlich mal wieder gewinnen kann. Aber je länger die Partie dauerte, um so ungenauer spielte ich und stellte durch einen Rechenfehler die Mehrfigur wieder ein. Ich hatte dann im Damenendspiel einen Bauern mehr, aber sie fand die korrekte Verteidigung, und es wurde Remis. Warum nur spielen alle so gut gegen mich oder warum spiele ich nicht so, wie ich es mal konnte?

Es folgte der goldene Sonntag. Er begann damit, dass ich das Spiellokal in Rekordtempo erreichte, der Grund dafür war, dass ich den Weg ohne Navi zurücklegte. Ich konnte beide Partien recht ordentlich spielen und gewinnen, so dass ich mit 4 aus 7 etwas Schadensbegrenzung betreiben konnte.

Von den anderen Partien habe ich nicht so viel mitbekommen, da ich zu hören bekam, dass es nicht gut für meine Konzentration ist, bei anderen zuzuschauen und so saß ich brav immer nur an meinem Brett und schaute erst auf die anderen Bretter, wenn meine Partie beendet war. Da ich oft sehr lange spielte, bekam ich so leider von den Partien nicht so viel mit.

Aber das Folgende habe ich dann doch mitbekommen:

Die beiden WFMs im Turnier spielten nicht so erfolgreich, WFM Anita Just wurde 5. und WFM Brigitte Von Hermann wurde gar nur Neunte. Überlegende Siegerin wurde mit 6,5 aus 7 Anne Lukas vom SK Gernsheim, herzlichen Glückwunsch. 6 Siege und ein Unentschieden sind eine sehr starke Leistung. Sie hat sich damit für die nächste Deutsche Frauen Einzelmeisterschaft 2021 qualifiziert. Zweite wurde Kristin Braun (SC Jäklechemie) und dritte Maja Buchholz (SK Langen), die als Setzlisten 16. ein tolles Turnier spielte. Erfreulich der hohe Anteil an jugendlichen Spielerinnen, die so manch erfahrenen Spielerinnen zusetzten.

Es war ein sehr harmonisches Turnier, es gab keine Reklamationen, und Turnierleiter Wolfgang Fiedler hatte alles  gut im Griff. Nächstes Jahr soll die Offene Internationale Deutsche Meisterschaft bereits im August stattfinden, wo es dann hoffentlich etwas wärmer ist.

Anbei noch ein paar Fotos von Nürnberg und Erlangen. Fotos vom Turnier und die Tabelle findet man auf der Turnierseite und unter Chess Results.

 

 

 

 

 

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