Juli 19, 2024

Ran an die Bretter?

Schachgroßmeister und Virologe: Dr. Luca Shytaj. | Foto: Georgios Souleidis/Neckar-Open

Den wahrscheinlich bedeutendsten Untergrund-Newsletter des deutschen Schachs verfasst der einstige Bundesbankdirektor Henning Geibel aus Schleswig-Holstein. In unregelmäßigen Abständen legt Geibel Finger in die vielen offenen Wunden unseres Sports, gelegentlich bejubelt er Erfolge der Aktiven. Manchmal finden Geibels Schreiben an etwa 200 Empfänger öffentlichen Widerhall, zum Beispiel jenes, in dem er sich fragte, wer Thomas Cieslik ist. Manchmal dienen Geibels Gedanken auch dieser Seite als Anregung für ein Thema, das zu deklinieren sich lohnt.

Sein neuestes Werk hat am Bodensee in erster Linie Kopfschütteln ausgelöst. „Es wird höchste Zeit, dass wieder ein normaler Sportbetrieb erlaubt wird, sofern es dabei – wie etwa beim Schach – nicht zu Menschenansammlungen kommt“, schreibt Geibel.

Höchste Zeit? Ob er ernsthaft sofort dutzende Leute in geschlossene Räume pferchen möchte, damit sie dort über Stunden einander gegenübersitzen und gemeinsam mit Püppchen spielen? Die Intensivbettenkapazität dieser Republik scheint Geibel weniger Sorge zu bereiten als der Zustand ihrer Wirtschaft, die er durch den Shutdown übermäßig torpediert sieht, wie er seit Wochen mitteilt.

Die Aktiven wollen einen Lichtstreif am Horizont
So sehr wir unsere Bretter vermissen: Unsere Sportart zählt zu denen, die in Sachen „normaler Spielbetrieb“ besonders vorsichtig sein sollte. Und das hat zu einem erheblichen Teil damit zu tun, dass nur bei uns 81-jährige Ex-Banker und andere Angehörige der Hauptrisikogruppe regulär mitspielen. Die sollten wir schützen – auch vor sich selbst.

Nicht nur wir vermissen die Bretter. Unter den Aktiven anderer Sportarten ist die Ungeduld genau so greifbar, die Leute wollen zumindest einen Lichtstreif am Horizont sehen.

Weiterlesen auf „Perlen vom Bodensee“

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