Juli 19, 2024

Zweiklassengesellschaft

Einen Spieltag vor dem Ende der Vorrunde stehen die Halbfinalisten beim Magnus Carlsen Invitational fest. Nachdem Gast- und Namensgeber Magnus Carlsen sich seinen Platz im Halbfinale längst erspielt hatte, kamen nun Fabiano Caruana, Ding Liren und Hikaru Nakamura dazu. Für die drei Letztgenannten wird es in der letzten Runde vor allem darum gehen, ein Halbfinale gegen Carlsen zu vermeiden.

Oder nicht? Seitdem Carlsen das Halbfinale sicher hat, hat er in den Daddel-Modus umgeschaltet. Gegen Giri stellte Carlsen einen Turm ein und verlor gar das Match, außerdem bereicherte er die Platte mit anti-sizilianischem Käse um den Versuch 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Sf6 5.Lc4?! – und schaffte es gegen Ian Nepomniachtchi, mit Weiß nach sieben Zügen auf Verlust zu stehen.

Nepo und die unforced errors

Eine Scheibe vom 250.000-Dollar-Preisgeldkuchen schneiden sich die Herren Supergroßmeister gerne ab, gleichwohl scheint keiner die Veranstaltung allzu ernst zu nehmen. Fabiano Caruana stellte gleich zu Beginn fest, das Niveau online sei deutlich niedriger als am Brett, und noch längere Partien als diese online zu spielen, könne er sich nicht vorstellen.

Maxime Vachier-Lagrave, wie ihn die Künstlerin Rosemarie J. Pfortner sieht. Der Franzose hat jetzt auf seiner Website einen Tagebucheintrag veröffentlicht, der veranschaulicht, wie er in den vergangenen Wochen seine Schacharbeit ins Netz verlegt hat: „confined, but active„.

Maxime Vachier-Lagrave nutzt das Turnier derweil als Gelegenheit, sein Repertoire zu erweitern und einfach mal andere Stellungen zu üben. Mit Weiß zieht der Franzose 1.d4 statt 1.e4, mit Schwarz verteidigt er sich Slawisch statt Grünfeld-Indisch – und stellt wieder und wieder fest, dass er mit Weiß nichts rausholt und mit Schwarz in Schwierigkeiten gerät.

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