Juni 22, 2021

Duell der Hoffnungsträger

Louis Paulsen

Im Jahre 1857 gewann der US-Amerikaner Paul Morphy das Einladungsturnier in New York nicht nur überlegen, sondern auch stilistisch überzeugend. Dabei verlor er in diesem Turnier nur eine einzige Partie, diese gegen seinen deutschen Hauptrivalen Louis Paulsen, welcher am Ende den zweiten Platz belegte. Historiker stufen diese Partie hinsichtlich der Details, der Partieanlage, Taktik und Endphase, als durchaus modern ein. Diese Partie, so das übereinstimmende Urteil, zeige Ideen, die der damaligen Zeit weit voraus waren.

Insgesamt soll diese Partie, bei unbegrenzter Bedenkzeit, mehr als 11 Stunden gedauert haben, nach heutigen Maßstäben ein unvorstellbares Szenario. Einheitliche Bedenkzeit-Regelungen waren zur damaligen nicht bekannt und wurden von Turnier zu Turnier unterschiedlich gehandhabt. So waren zum Beispiel in einem Turnier 10 Züge in einer halben Stunde bis zur Zeitkontrolle gefordert, während es beim nächsten Turnier hingegen 30 Züge in 2 Stunden zu bewältigen galt.

Gleiches galt für die Folgen der Zeitüberschreitung. In manchen Turnieren führte dies zum sofortigen Verlust, gelegentlich gab es Turniere, wo die Überschreitung mit einer Geldstrafe geahndet wurde, die von dem Einem oder Anderem aber nicht immer beglichen wurde. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es Usus, dass eine Partie als verloren gewertet wurde, wenn man die Zeit überschritt. Fortan spielte es keine Rolle mehr, wie gut oder schlecht man stand.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

Tipp von Ralf Mulde:

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