Stellungnahme des DSB Präsidenten zum Beitrag auf der Seite des Schach-Tickers

Stellungnahme zu Ihrem Beitrag auf Ihrer Webseite vom 20.August 2019, verbunden mit der Bitte um Veröffentlichung.

Sehr geehrter Herr Jittenmeier,

während meiner bisherigen Amtszeit wurde ich schon mehrfach persönlich angegriffen, insbesondere im Zusammenhang mit der Trennung von Dr. Jordan. Ich habe diese Angriffe bisher stets ignoriert, weil mir vollkommen klar ist, dass hier nicht die Person gemeint ist, sondern das Amt. Und als Präsident ein es großen Verbandes mit mehr als 90.000 Mitgliedern kann man es naturgemäß nicht allen Recht machen und muss deshalb auch mit Kritik rechnen und vor allem leben, auch wenn diese unsachlich und / oder unbegründet ist. Da geht es mir nicht besser als anderen Personen an der Spitze eines Verbandes, die alleine aufgrund Ihrer Position sozusagen per Definition „an allem schuld sind“. Aber wenn die Kritik berechtigt ist, nehme ich sie mir zu Herzen und richte mein Verhalten danach aus. In dieser konkreten Situation ist es zutreffend, dass ich auf den Beitrag von Herrn Geibel, den Sie auf Ihrer Seite am 22.Juli veröffentlicht haben, nicht hätte reagieren sollen. Ich werde das in Zukunft nicht mehr tun, solange die auf Ihrer Webseite veröffentlichten Beiträge durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind.

DSB-Präsident Ullrich Krause

Ich habe deshalb gegen meine eigene oben ausgeführte Regel verstoßen, weil ich mich als Präsident des Deutschen Schachbundes in der Verantwortung sehe, mich schützend nicht nur vor die Angestellten, sondern auch vor die Ehrenamtler des DSB zu stellen. Ich kann mir außerdem gut vorstellen, dass öffentliche Kritik wie die von Herrn Geibel an Thomas Cieslik geäußerte nicht gerade dazu beiträgt, die Bereitschaft zur Übernahme eines Ehrenamtes zu erhöhen. Natürlich können Sie auf Ihrer Webseite veröffentlichen, was Sie für richtig halten. Aber ich würde es begrüßen, wenn Sie über diesen Aspekt in Zukunft nachdenken, falls Sie wieder einen Beitrag mit persönlicher Kritik an einem Ehrenamtler zugeschickt bekommen.

Eine letzte Anmerkung: Ich hatte meine beiden E-Mails an Sie explizit als persönlich und vertraulich gekennzeichnet und werde aus genau diesem Grund auch keine öffentliche Diskussion darüber führen. Die Veröffentlichung des Inhalts meiner E-Mails auf Ihrer Webseite empfinde ich als Vertrauensbruch, gehe aber wie oben beschrieben davon aus, dass sich dieser auf mein Amt bezieht und nicht auf meine Person.

Mit freundlichen Grüßen

Ullrich Krause

Präsident des Deutschen Schachbundes

Groß Grönau, den 21.August 2019


Lieber Herr Krause,

ich habe zwei Anmerkungen. Auch wer ein Ehrenamt annimmt und dieses Amt nicht aktiv nutzt, oder schwerwiegende Fehler macht, muss sich Kritik gefallen lassen. Das was Herr Geibel beanstandet hat in seinem Beitrag, kann ich nur voll unterstützen. Über die Art und Weise wie er die Kritik formuliert hat, kann man streiten. In der Sache hat er völlig recht.

Ich habe Ihre Mails nicht veröffentlicht. Wenn ich das getan hätte, wäre der Aufschrei der Schachgemeinde groß. In Ihrer Mail versuchen Sie auf die Veröffentlichung von Beiträgen auf dem Schach-Ticker Einfluss zu nehmen. Sie haben mich aufgefordert meine Motive offen zu legen, warum ich den Beitrag von Herrn Geibel veröffentlicht habe und behalten sich vor, falls Ihnen meine Motive nicht gefallen, eine stille Vereinbarung mit dem DSB zu kündigen. Ich fasse das als Drohung auf. Sie haben aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. Kritik annehmen und darauf positiv reagieren wäre sinnvoller gewesen.

Franz Jittenmeier

 

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7 Antworten

  1. Franz Jittenmeier sagt:

    Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen.
    Zitat von Victor Hugo

  2. tal sagt:

    Lieber Herr Krause,
    statt ihrer wachsweichen Erklärungsversuche hätten sie sich bei Herrn Jittenmeier öffentlich
    entschuldigen sollen. Aber das erfordert Größe und Charakter.
    Noch besser: Sie hätten von Anfang an geschwiegen – dann wären sie Philosoph geblieben!

  3. Ich finde es sehr gut, dass Ullrich Krause auf diese Weise die Kurve gekriegt hat!

  4. Werner Berger sagt:

    Eine als vertraulich gekennzeichnete Mitteilung öffentlich zu machen, ist nicht gerade die feine englische Art, auch dann nicht, wenn man sie nicht im Wortlaut, sondern paraphrasierend wiedergibt. Umso weniger steht es dem Betreiber der Homepage zu, sich dann auch noch als Opfer zu gerieren.

    • Kristine Pews sagt:

      Wenn Herr Krause als DSB-Präsident droht, die Zusammenarbeit mit Herrn Jittenmeier zu kündigen, weil ihm die Texte auf der Seite nicht gefallen, dann sollte das schon veröffentlicht werden. Ich möchte als Leser schon informiert werden, warum der DSB, bzw. Herr Krause, die Zusammenarbeit einstellen will.
      Immerhin schaffte es der Referent für Öffentlichkeitsarbeit nach dem Beitrag von Herrn Geibel, sich vorzustellen.

    • Franz Jittenmeier sagt:

      Wenn es sich um eine private Mail von Herrn Krause gehandelt hätte, dann wäre das richtig was sie schreiben. Herr Krause ist aber nicht Irgendwer. Er hat in seiner Eigenschaft als Präsident des DSB geschrieben, was auch von allgemeinem Interesse ist. Das ist etwas völlig anderes. Man kann mir nicht drohen und gleichzeitig verlangen dass ich nicht darüber rede oder schreibe.

  5. Stefan sagt:

    Das ist Journalismus, die Öffentlichkeit hat schon ein Recht darauf zu erfahren, was der Präsident des Deutschen Schachbundes von Meinungsfreiheit und Pressefreiheit hält!

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