Gedanken zum Tode von Karl-Heinz Podzielny – Von IM Bernd Schneider

14 Antworten

  1. Thorsten Cmiel sagt:

    Karl-Heinz hätte die Kommentare und Nachrufe von Bernd und Kai gemocht, Herr Kalkowski. Sicher. Er hat einmal die Geschichte erzählt, dass er alle Langspielplatten von Tracy Chapman aufkaufen würde. Die sei nämlich schon tot, niemand ausser ihm wisse das und er würde damit Geld machen. Das passierte 1988. Tracy Chapman (Jahrgang 1964) lebt übrigens immer noch. Zum Glück fühlte sich Karl-Heinz nicht krank im Sinne von professionellen Helfern, die ihm sein Leben nur zerstört hätten. Danke Jungs. Alles richtig gemacht.

  2. Peter Kalkowski sagt:

    Ganz ehrlich ich finde den Kommentar zur öffentlichen Trauerbewältigung etwas daneben aus Respekt vor der Familie und Ahnungslosigkeit von einer Krankheit die ihm wohl das ganze Leben begleitet hat.
    Zitat:
    „Es klingt hart, aber Karl-Heinz Podzielny jun. war auch als Hochstapler und Betrüger großmeisterlich“.
    Alle Achtung gehörte ich zur Familie hätten sie nicht nur eine Unterlassung Klage am Hals.
    Diese Feststellung geht öffentlich gar nicht. Welcher Kreditgeber/Freund hat wirklich mit einer Rückzahlung gerechnet.
    Wie ich aus den Kommentaren lese litt Herr Podzielny jun. eine lange Lebenszeit unter einer physischen Krankheit. Als Freund wie sie sich beschreiben sind das nicht die richtigen Worte. Erkennt man die Krankheit hat man viele falsche Freunde die es gut meinen und von der Krankheit keine Ahnung haben.
    Man kann als Laie nicht helfen.
    Leider hatte ich in der nahen Familie ein Familienmitglied die ihren Mann mit 23 Jahren und zwei Kinder 1954 durch einen Zechunfall verloren hat.
    Was meinen sie (es gab 1954 noch keine Betreuung in diesen Fällen) wie oft die Dame (Mutter) in einer geschlossenen Anstalt und später in offenen Abteilung unterwegs war, was meinen sie was bei Rückfällen vor der erneuten Einweisung die Familie durchmachte.
    Von Suizid(3X)bis Orientierungslosigkeit und Geschichten erfinden war alles dabei.
    „Die gut gemeinten Kommentare“ sind so was von daneben und zum Fremdschämen auf Kosten eines kranken Mannes.
    Der Kommentare mit Zugfolge, ich konnte ihn besiegen nach dem er 30 Partien gewonnen hat, was für Selbstdarstellung.
    Ein Tschüß Karl Heinz hätte ausgereicht.

  3. Jürgen Federau sagt:

    hallo Bernd,

    danke für diesen tollen Beitrag. Mit meinen 21xx habe ich nicht eure Spielstärke, aber dennoch habe ich es geschafft gegen Karl-Heinz in Solingen beim 24 Stunden Blitz Ende der 80er zu gewinnen. Nachdem er in den ersten sechs Stunden alle 30 Partien gewonnen hatte konnte ich ihn besiegen. Anbei die Zugfolge:
    1. d4 d5
    2. e3 e6
    3. Ld3 Sf6
    4. f4 c5
    5. c3 Sc6
    6. Sf3 Le7
    7. 0-00-0
    8. Sbd2 a6
    9. Se5 Dc7
    10. Tf3 b5
    11. Th3 Lb7
    12. Lxh7 Aufgabe schwarz

    Er hat sich damals fürchterlich geärgert. Im Rückspiel mit vertauschten Farben hat er mich dann zusammen geschoben.
    Noch Jahre später hat er das nicht vergessen.

    Er wird uns fehlen, mit ihm ist etwas besonderes von uns gegangen.

    Tschüss Karl-Heinz

  4. Anton Gorodezki sagt:

    Mein Eindruck war, dass sich Karlheinz Podzielny in den letzten Jahren stark verändert hatte. Man könnte fast sagen, dass aus einem Saulus ein Paulus wurde.
    In der jüngeren Vergangenheit traf ich ihn ca. 1-3 mal pro Jahr auf Schnellturnieren. Sein Verhalten war tadellos und er war höflich, freundlich und ein absolut korrekter Gegner. Gelegentlich gab er schwächeren Spielern Tipps. Einmal hörte ich im Vorbeigehen, wie er jemanden erzählte, dass er im Nachhinein seinen Alkoholismus sehr bedauern würde und froh wäre, diesen endlich überwunden zu haben.

    Falls hier Verwandte oder Angehörige mitlesen sollten, dann wünsche ich Ihnen herzliches Beileid und viel Kraft, um den Verlust eines nahestehenden Menschen zu überwinden.

  5. Ja, Potzblitz war auch für mich eine Legende. Wir sind uns nie persönlich begegnet. Bin auch ein grottenschlechter Spieler und erst im Alter von 44 Jahren zum Vereinsschach gekommen. Doch bin ich bewegt, etwas tröstliches zu schreiben: Lieber Karl-Heinz, als ich bei Hansa Dortmund mal von einem IM gefragt wurde, warum ich an Gott glaube, doch wohl weil ich so schlecht Schach spielen würde, war meine Antwort ein Geistesblitz – weil Gott barmherziger ist als jeder Schachspieler! Ja, du bist “nach Hause gegangen”, lieber Karl-Heinz und ich bin mir sicher, dass wir uns einmal im Schach Himmel wiedersehen, Pods-Blitz!

  6. Eppinger Georg sagt:

    Es liegt mir fern die Nachrufe zu Potz Blitz zu kritisieren. Meiner Auffassung nach sollte man bei einem Nachruf im wesentlichen auf das Positive eines Menschen beschränken.
    Karl-Heinz war ein herausragender Schachspieler mit Höhen und Tiefen. Leider hat er zu wenig auf seine Gesundheit geachtet.
    Mein letzter Kontakt zu ihm liegt über 30 Jahre zurück. Für mich war er in gewisser Hinsicht ein “Schachgenius” im positiven Sinne dem ich gerne seine Eigenarten nachgesehen habe.
    Lieber Karl-Heinz spiele jetzt im Himmel mit Fischer , Tal …

  7. Daniel Lanius sagt:

    Ich möchte meine Wertschätzung und mein Bedauern durch folgende Episode zum Ausdruck bringen,obwohl ich Podz nicht sehr nahestand:Ich bekam einen Anruf,der Meister hatte eine existentielle Krise, und ich fuhr ohne zu zögern zu Podz Wohnung nach Frintrop.Er saß wie ein Häuflein Elend in seiner Wohnung umgeben von seiner riesigen Sammlung von CDs mit klassischer Musik,die er so liebte.Nach langem Zuhören von Monologen über seine Einsamkeit,seine Lebensgeschichte und sogar Buddhismus(er hatte einen Buddha in seinem Regal stehen),ging es Ihm langsam besser.Plötzlich öffnete sich eine Tür innerhalb der Wohnung und es erschien ein mir unbekannter Mann,der sich später als ein Taxifahrer erwies,der sich nach seiner Schicht ausgeschlafen hatte und bei Podz Unterschlupf gefunden hatte,weil seine Frau Ihn aus der ehelichen Wohnung herausgeworfen hatte.Also war er gar nicht allein.Zur Tröstung holte ich vom Discount den obligatorischen Kasten Bier,weil der Meister Durst hatte und ich konnte ihm unmöglich in seiner Situation den Wunsch abschlagen.Nachdem die akute Krise nochmals abgewandt war,rief ich 2 Freunde von mir an,die Ihm näher standen,sie kamen sofort vorbei,so daß ich auch Zeit fand die Schachbilder seines Onkels zu bestaunen und es entspann sich noch ein langes Gespräch.Wenn er in späterer Zeit mal zu Besuch beim OSV war,hab ich Ihm immer ein Bier kredenzt und wir blitzten und ab zu hab ich auch mal eine Partie gewonnen.Meine Bilanz im Schnellschach gegen Podz ist +1,weil ich nur einmal gegen Ihn gespielt habe,er hatte zweimal hintereinander verloren vorher und war gelinde gesagt in schlechter Laune…

  8. Fasselt, Hendrik sagt:

    Ich habe KH Podzielny nicht oft gesehen, die Nachrufe sind dennoch sehr berührend. Allerdings weiß ich nicht, wo der Nachruf von Kai Kluss zu finden ist. Für eine Info darüber wäre ich sehr dankbar.

  9. Harrie Grondijs sagt:

    Atemlos gelesen! Komisch und rührend. Warte auf Ihr Buch mit dem Titel: Schachspieler und andere ganz gewöhnliche Menschen

  10. Franz Jittenmeier sagt:

    Kommentare auf Facebook:

    Marcel Becker

    Karl-Heinz Podzielny ist wahrscheinlich der Spieler, gegen den ich (Schnellschach eingeschlossen) die meisten Partien gespielt habe. In meiner persönlichen Datenbank finden sich 12 Stück, was der tatsächlichen Zahl nahe kommen dürfte. Ohne ihm je wirklich nahe gestanden zu haben, war ich wohl einer seiner besseren Bekannten und man hat sich hin und wieder unterhalten oder/und nebeneinander gesessen. Nähere Bekanntschaft machte ich mit ihm während der Zeit, wo ich für den Verein Weiße Dame Borbeck in Essen gespielt habe. Meine erste Schachpartie habe ich gegen ihn 1996 beim Nord-Cup in Düsseldorf gespielt, meine letzte Partie 2019 in Oberhausen in einem Mannschaftskampf. Das letzte Mal gesehen habe ich ihn beim Oberhausener Oster Open diesen Jahres, ohne zu ahnen, dass es das letzte Mal sein würde. Er war schwer von seiner Krankheit gezeichnet, aber er war auch für seine extreme physische Zähigkeit berühmt, so dass man geneigt war davon auszugehen, dass er noch viele Jahre leben würde. Es kam leider anders.

    Ich möchte zwei Anekdoten beisteuern.
    Eine ergab sich so etwa 2001 oder 2002 beim Volksbankturnier (Schnellschach) in Dortmund. Ich hatte die schwarzen Steine und erspielte eine klar bessere Stellung gegen ihn. Um dies zu erlangen, hatte ich allerdings fast meine gesamte Bedenkzeit verbraten, was sich natürlich fürchterlich rächte, so dass ich die Partie verlor. Darüber war ich wohl sichtlich zerknirscht, jedenfalls meinte ein älterer Zuschauer zu mir, dass ich mich nicht ärgern sollte, schließlich sei der Ausgang der Partie in Anbetracht der Stärke meines Gegners eh von vornherein klar gewesen. Karl-Heinz entgegnete daraufhin, was diese unsinnige Aussage solle und dass ich nun mal besser gestanden hatte und mich zu Recht ärgere. Der ältere Zuschauer meinte daraufhin verärgert zu ihm, dass Karl-Heinz ja leicht reden habe mit seiner Spielstärke. Daraufhin antwortete Karl-Heinz mit gleicher Verärgerung, dass die schwächeren Spieler unmöglich besser werden können, wenn sie eine derartig unterwürfige Haltung gegenüber den stärkeren Spielern an den Tag legen. Und damit hatte und hat er verdammt Recht.

    Die andere ergab sich 2005 bei dem Schnellschachturnier “Das Schwert von Lülsdorf” in Niederkassel. Ich hatte die weißen Steine und Karl-Heinz ermöglichte es mir im frühen Mittelspiel durch einen Abwicklungsfehler seinerseits eine Leichtfigur so abzuklemmen, dass ihr Verlust nicht mehr zu verhindern war. In dieser Situation ergriff mich eine eigenartige Mischung aus Euphorie und Panik, was zu einer nervösen Anspannung führte, wie ich sie in dieser Form davor und danach nie erlebt habe. Ohne irgendeine Gewalt darüber zu haben, fing ich auf einmal an wie das sprichwörtliche Honigkuchenpferd zu grinsen und alle meine Anstrengungen, damit aufzuhören, machten es fast nur noch schlimmer. Meine einzige Möglichkeit war die linke Hand vor den Mund zu halten und dies wie eine Geste des intensiven Nachdenkens aussehen zu lassen in der Hoffnung, es wenigstens verdecken zu können. Das gelang natürlich nicht wirklich und Karl-Heinz bemerkte mein Grinsen sehr wohl; es setzte ihm auch sichtlich zu. Es war alles furchtbar peinlich für mich und ich rechnete jeden Moment damit, dass Karl-Heinz ausrasten und mich am Brett zusammenbrüllen würde. Oder auch schlimmeres. Man hätte es ihm nicht verübeln können. Doch meine Befürchtungen traten nicht ein, er gab nach einiger Zeit in einem Leichtfigurenendspiel mit Minusfigur auf. Etwas später, nachdem meine Anspannung sich mit Beendigung der Partie aufgelöst hatte, stellte er mich natürlich zur Rede, was ich mir denn mit meinem Verhalten gedacht hätte und ob mir nicht klar sei, dass es ihm weh tue. Ich habe mich natürlich entschuldigt und auch glücklicherweise klarstellen können, dass ich all dies nicht mit Absicht getan habe. Warum ich dies alles erwähne? Karl-Heinz war u.a. auch für sein Temperament bekannt; ich selber konnte dies aus eigener Anschauung bei einer der Auflagen des mittlerweile wohl eingestellten Gocher Opens erleben, als ihn mehrere Leute aus dem Turniersaal ziehen mussten, um eine Schlägerei zu verhindern (den Anlass weiß ich nicht genau; es hatte wohl mit einer Partie seines Vaters zu tun). Worauf ich hinaus will – er konnte auch anders und dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken!

    Perlen vom Bodensee

    Ich lese das jetzt oft, “spezieller Humor”. Hast du ein Beispiel? Oder kannst du den beschreiben?

    Kai Kluss

    Perlen vom Bodensee – lieber Conrad Schormann, das ist, gerade in der aktuellen Gefühlslage, ganz schwierig zu schildern. Situationskomik. Der Kontrast zwischen Todessehnsucht und Lebenslust. Er sprach ja schon in jüngeren Jahren mit einer gewissen Wollust von seinen Krankheiten. “Magenkrebs – ich habe nur noch einen Sommer. Deshalb ist mir das alles hier scheißegal.” Während dieser Erzählungen spielt er einen verzweifelt knittrig dreinblickenden Milorad Vujovic, (“Ich nur FM Du Meister”) zwei gegen vier an die Wand, atmet an einem Abend drei Schachteln Benson & Hedges (“Alles andere kann man nicht rauchen”) und den gesamten Biervorrat ein. Er genießt die Szenerie mit den aus sämtlichen Taschen seiner Jacke quillenden 20-Franc-Scheinen, das Schachbrett zwischen leeren Bierflaschen, Zigarettendunst und erfürchtiger Kibitze kaum noch zu entdecken. “Kai – wo ist der Jesko? Ich habe bei Ernesto einen Tisch bestellt, Ihr seid eingeladen. kannst du noch fahren?” Ernesto führte das beste Feinschmeckerlokal in Strasbourg (Fohlenfilet, Froschschenkelsuppe …). Karl-Heinz konnte dort anschreiben lassen … Am Ende gewann er das Turnier (übrigens mit einer wirklich genialen Partie gegen Daniel King) und musste sich dennoch entscheiden: Zahle ich jetzt das Hotel oder Ernesto? Jean-Luc Roos kennt die Antwort. Wie ja Dirk Paulsen schon ganz richtig geschildert hat, er hat sehr, sehr vielen Leuten das Gefühl gegeben, dass sie wichtig für ihn sind. Ich habe in der Zeit zwischen 1985 bis etwa Ende der 90´er gefühlt mindestens hundert, vielleicht noch mehr – für mich damals – sehr intensive Erlebnisse mit ihm geteilt. Und doch hatte ich oft das Gefühl, nicht nur Wegbegleiter oder vielleicht auch “Freund” zu sein, sondern auch, vielleicht sogar in erster Linie Publikum. Ein Zuschauer vor seiner Bühne. Er hatte mal eine Phase, da rief er relativ regelmäßig nachts bei mir an. “Die Soße läuft …” fing er an. Seinen Suizid mit voller Inbrunst inszenierend. “Ich habe mir die Pulsadern aufgeschnitten … ” Nein, ich habe es ihm nie abgenommen. Ich habe ihm vorgeschlagen, seine Pulsadern abzubinden und mit mir nach Leiden (NL) zum Schnellturnier zu fahren. “Ok, wann holst du mich ab?” Er war in gewisser Weise recht flexibel …

    Dirk Paulsen

    Hier die Zeilen, welche ich soeben verfasste als Antwort auf den Nachruf, welchen Bernd Schneider dankenswerterweise und angekündigt von ihm, auf Karl-Heinz Podzielny verfasste. Ich finde schon, dass sie es wert sind, nicht nur als Kommentar zu verbleiben. Ich habe auch eine Vielzahl positiver Reaktionen auf den von mir verfassten Nachruf von Karl-Heinz erhalten, jedoch ist die Zeit unserer intensiven Bekanntschaft ja doch schon ein paar Dutzend Jahre her (gerade in letzter Zeit schaute ich immer mit etwas mehr Verklärtheit auf meine Zeit im “Pott” zurück, als ich 1980-1982 für die SG Bochum 31 spielte und den besonderen Menschenschlag dort ziemlich gut kennen- und schätzen lernte und teils sogar dort wohnte, in Bochum, Wattenscheid und Recklinghausen) und Bernd Schneider stand dem Verstorbenen einfach wesentlich näher. So, nun aber hinein in den Kommentar:

    Super geschrieben natürlich und Riesenkompliment auch an dich, lieber Bernd Schneider. Wobei man sich bei manchen Geschichten doch ein bisschen was zusammenreimen muss? Eines der kleinen Probleme entsteht (und entstand zu Lebzeiten schon) durch die Vornamensgleichheit mit dem Vater.
    Dennoch wird ausgesprochen deutlich, wie er war und es ist aus meiner Sicht (welche offensichtlich von den meisten Lesern hier geteilt wird) eben NICHT pietätlos, so über ihn zu erzählen, da vor allem wieder und wieder glaubhaft wird, dass es zwar zwiespältig war (kann und sollte man nicht verschweigen), aber eben auch liebevoll. Genau hier schimmert es durch, dass man ihn einfach mögen musste, in jedem kleinen Detail auf die Art, wie es erzählt ist.

    In diesem Zusammenhang bedauere ich zwei Dinge: als vor einigen Jahren der sicher weit weniger bekannte Fide Meister Wilhelm Schlemermeyer verstarb, verfasste ich einen Nachruf, welcher diesem hier wesentlich näher kam, indem ich ein paar alte Geschichten herauskramte, welche sowohl so authentisch wie möglich erzählt, zugleich ihm einfach nur gerecht wurden und zuletzt wohl nicht nur ein positives Licht auf ihn warfen. Dieser Artikel wurde, so lange er zu lesen war, wohl als lesenswert erachtet, jedoch auch kurz danach von der Seite wieder entfernt, mit der Begründung, dass er wohl weitaus zu pietätlos war. Diese Ansicht teile ich weiterhin nicht. Wilhelm war, wie er war und Karl-Heinz so, wie von dir und auch von mir so gut es ging beschrieben. Das “Beschönigen” mag rein intuitiv geschehen sein, was sich jedoch daraus ergibt, dass man tatsächlich in dem Moment der Endgültigkeit des Abschieds doch den ganz leicht verklärten Blick darauf wirft und ihn (so wie damals Wilhelm) einfach vermisst und vermutlich eine ganze Weile auf eine Wiederbegegnung warten muss.

    Du, lieber Bernd Schneider, standest ihm offensichtlich so nahe, wie ich es hier in Berlin Werner Reichenbach stand. Diese beiden (wer kennt Werner Reichenbach nicht?) hatten eine ziemliche Menge an Gemeinsamkeiten, selbst wenn sie sich auf eine andere Art auch gewaltig unterschieden. Originale so oder so, was sie zwar unverwechselbar macht, was aber zugleich bedeutet: die Vergleichbarkeit mit anderen ist jenseits der Originalität nur eingeschränkt möglich, weil sie diesen Status damit bereits im Ansatz einbüßten.

    Damit komme ich zu Teil 2 meines Bedauern: Werner Reichenbach, verstorben im Frühjahr 2016, kurz nach seinem 80. Geburtstag (dem 24.4.) hätte mindestens diese Menge an Zuwendung von mir verdient, welche du Karl-Heinz gewidmet hast. Ganz einfach, weil ich eine ganze Weile jenen Part übernahm, welchen du bei Karl-Heinz übernommen hattest, vermutlich auch bei dir ohne es dir so ganz recht ausgesucht zu haben. Man wächst in die Rolle hinein, man mag den Menschen, man weiß um seine teilweise Unbeholfenheit, welche ihn immer wieder in prekäre Situationen befördert — natürlich in einem Großteil der Fälle prekär aufgrund der pekuniären Lage — und man “opfert” eine ordentliche Menge an Freizeit und eben teils schnöden Mammon, tut es aber immer wieder gerne und wie selbstverständlich, hat aber im Gegenzug auch einen riesigen Stein im Brett bei demjenigen und kann sich auf bedingungslose Treue verlassen. Er wird sich auch nächstes Mal wieder melden, wenn er mal nicht weiter weiß…

    Diesen Nachruf habe ich im Prinzip geschrieben, an Werner, für Werner und eigentlich natürlich auch für den anderen Teil der interessierten Nachwelt. Und doch habe ich ihn nie veröffentlicht. Denn: aufgrund der Vielzahl der Geschichten Begebenheiten und Facetten von Werner, auf welche ich noch eingehen wollte, ist er nie endgültig fertig geworden.

    Jedoch werde ich mir dies hier nun zum Anlass nehmen, mich daran zu machen?! Vergessen ist Werner Reichenbach lange nicht, nirgends hier, zumindest in Berlin, und wird es Karl-Heinz Podzielny auch auf lange Zeit nicht sein.

  11. Gerhard Meiwald sagt:

    lieber Bernd,
    da ich auch zu denjenigen gehöre, die Karl Heinz über viele Jahre sehr persönlich und nah gekannt habe,
    aus meiner Katernberger Zeit, unter anderem habe ich ihn und Werner Nautsch 1974 zur ersten Deutschen
    Blitzmeisterschaft nach Würzburg begleitet, so persönlich nah geht mir deine persönliche Würdigung der man
    nichts mehr hinzufügen kann und muss. Danke
    Gerhard Meiwald

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