Dezember 3, 2022

Den Kampf ums Deutschsein aufgegeben

Gut ein Jahr ist es her, da drohte der von einer sportlichen und persönlichen Krise geplagte Arkadij Naiditsch sogar unter die 2600-Elo-Marke abzurutschen. Seitdem geht es in die andere Richtung. Jetzt ist Naiditsch nach einer starken Vorstellung in der französischen Liga schon wieder der höchstplatzierte Deutsche in der Weltrangliste. Während Alexander Donchenko und Matthias Blübaum aus den Live-Top-100 gefallen sind, bewegt sich Naiditsch zurück in Richtung 2700.

Allerdings wird der beste deutsche Schachspieler seit Robert Hübner nicht wieder unter deutscher Flagge spielen, zumindest nicht so bald. „Der deutsche Verband will mich nicht, damit habe ich mich jetzt abgefunden“, sagte Naiditsch auf Anfrage dieser Seite. Seit Monaten gebe es keinen Kontakt. Von seiner ursprünglichen Absicht, sich sein schachliches Deutschsein auf dem Rechtsweg zu erkämpfen, hat Naiditsch Abstand genommen.

Die Kuriosität eines deutschen Staatsbürgers, der nicht unter deutscher Flagge spielen darf, lässt sich seitens der deutschen Verbandsführung vergleichsweise leicht aussitzen. Von all den Kuriositäten der jüngeren Vergangenheit wird diese intern am wenigsten hinterfragt. Die Funktionäre, egal wo sie sonst stehen, sind viel zu sehr vereint in ihrer Furcht vor dem Unruhestifter, als dass sie sich auf den besten Spieler einlassen würden, den das deutsche Schach seit Jahrzehnten hervorgebracht hat.

Angesehener, weil pflegeleichter, ist der im deutschen Schach verbreitete Prototyp der stillen Zugmaschine, die für ihre Interessen idealerweise überhaupt nicht eintritt. Der aller Voraussicht nach bald nach Uruguay wechselnde Georg Meier kann ausführlich berichten, wie mit Schachmeistern verfahren wird, die diesem Prototyp nicht entsprechen.

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