Mai 6, 2021

Kandidatenturniere

Morgen wird, so Caissa will das unterbrochene Kandidatenturnier in Jekaterinburg fortgesetzt.

Das Turnier wurde mit acht Teilnehmern am 16. März 2020 gestartet und aufgrund der weltweiten Corona Pandemie am 25. März 2020 nach sieben gespielten Runden abgebrochen.

Dies möchte ich zum Anlass nehmen einmal kurz auf die Geschichte der Kandidatenturniere zu blicken. Dieser Rückblick befasst sich mit den offiziellen Kandidatenturnieren bei denen der Sieger zum direkten Herausforderer des jeweilig amtierenden Weltmeisters wurde.

Das erste offizielle Kandidatenturnier führte die FIDE im Jahr 1950 in Budapest durch. Es war ein doppelrundiges Turnier mit zehn Teilnehmern welches vom 11. April bis zum 20. Mai 1950 stattfand. Es wurde der WM-Herausforderer für Michael Botwinnik gesucht.Folgende Spieler nahmen teil: Wassili Smyslow, Paul Keres, Salo Flohr, Laszlo Szabo, Andor Lilienthal, Gideon Stahlberg, Alexander Kotow, Miguel Najdorf, David Bronstein und Isaak Boleslawski. Nach 18 Runden lagen Bronstein und Boleslawski mit 12 Punkten auf dem ersten Platz. Daraufhin fand vom 31. Juli bis zum 12. August ein Stichkampf statt. Diesen entschied Bronstein nach 14 Runden mit 7,5 zu 6,5 Punkten für sich. David Bronstein war somit der WM-Herausforderer.

Das zweite Turnier fand 1953 in Zürich vom 29. August bis zum 24. Oktober mit fünfzehn Teilnehmern statt. Es wurde wieder ein doppelrundiges Rundenturnier durchgeführt.  Und wiederum wurde der WM-Herausforderer für Michael Botwinnik gesucht. Folgende Spieler waren startberechtigt: David Bronstein, Max Euwe, Samuel Reshevsky, Gideon Stahlberg, Svetozar Gligoric, Laszlo Szabo, Isaak Boleslawski, Juri Awerbach, Mark Taimanow, Alexander Kotow, Miguel Najdorf, Efim Geller, Tigran Petrosjan, Paul Keres, und Wassili Smyslow. Nach 28 Runden siegte Wassili Smyslow mit 18 Punkten und wurde damit WM-Herausforderer. Bemerkenswert ist, dass er von den 28 Spielen nur ein einziges verlor.

Das dritte Turnier fand vom 27. März bis 1. Mai 1956 in Amsterdam statt. Auch hier wurde wieder der Herausforderer für Michael Botwinnik gesucht. Es war wiederum ein doppelrundiges Turnier welches mit folgenden zehn Teilnehmern durchgeführt wurde: Wassili Smyslow, Herman Pilink, Miroslav Filip, Oscar Panno, Boris Spasski, Laszlo Szabo, Tigran Petrosjan, Efim Geller, David Bronstein, Paul Keres. Am Ende siegte wie schon 1953 Wassili Smyslow, diesmal mit 11,5 Punkten.

Das vierte Turnier vom 6. September bis zum 31. Oktober 1960 wurde in folgenden jugoslawischen Orten gespielt: Bled, Zagreb und Belgrad. Diesmal war es ein Vierfachrundenturnier mit folgenden acht Spielern: Wassili Smyslow, Paul Keres, Pal Benkö, Friorik Olafsson, Bobby Fischer, Svetozar Gligoric, Tigran Petrosjan, und Michael Tal. Am Ende lag Michael Tal mit 20 Punkten aus 28 Partien vorn und durfte somit Michael Botwinnik herausfordern.

1962 wurde wiederum in einem Vierfachrundenturnier der Herausforderer für Michael Botwinnik gesucht. Gespielt wurde vom 2. Mai bis zum 28. Juni in Willemstad, der Hauptstadt von Curacaos. Folgende acht Spieler nahmen teil: Michael Tal, Bobby Fischer, Miroslav Filip, Pal Benkö, Viktor Kortschnoi, Efim Geller, Paul Keres und Tigran Petrosjan. Nach 28 Runden lag Tigran Petrosjan mit 17,5 Punkten vorn.

Nach heftiger Kritik am Austragungsmodus, vor allem von Bobby Fischer, stellte die FIDE für den nächsten WM-Zyklus auf Kandidatenwettkämpfe um. Deshalb kam es erst 2013 wieder zu einem offiziellen Kandidatenturnier zur Ermittlung eines WM-Herausforderers kam.

2013 vom 13. März bis zum 2. April wurde erstmalig wieder ein Kandidatenturnier zur Ermittlung eines WM-Herausforderers durchgeführt, welches in London stattfand. Es wurde ein doppeltes Rundenturnier mit folgenden Spielern veranstaltet: Boris Gelfand, Pjotr Swidler, Alexander Grischtschuk, Wassyl Iwantschuk, Magnus Carlsen, Lewon Aronjan, Wladimir Kramnik, Teimour Radjabov. Nach 14 Runden hatten sowohl Magnus Carlson als auch Wladimir Kramnik jeweils 8,5 Punkt an der Spitze, der direkte Vergleich zwischen ihnen war ebenfalls ausgeglichen. Somit gab die Anzahl der Siege (5 zu 4) den Ausschlag zugunsten von Magnus Carlsen. Er hatte sich das Recht erkämpft gegen den Weltmeister Viswanathan Anand um die Schach WM zu spielen.

2014 wurde in Chanty-Mansijsk vom 12. März bis zum 30. März wiederum ein doppeltes Rundenturnier gespielt. Unter folgenden acht Teilnehmern wurde der Herausforderer von Magnus Carlsen gesucht: Viswanathan Anand, Wladimir Kramnik, Dimitri Andreikin, Wesselin Topalow, Shakhriyar Mamedyarov, Lewon Aronjan, Sergei Karjakin, und Pjort Swidler. Es gewann Viswanathan Anand mit 8,5 Punkten aus 14 Runden.

Das nächste Kandidatenturnier fand 2016 in Moskau statt, wiederum ein doppeltes Rundenturnier mit acht Spielern. Folgende Spieler waren startberechtigt: Viswanathan Anand, Sergei Karjakin, Pjotr Swidler, Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura, Wesselin Topalow, Anish Giri, und Lewon Aronjan. Nach 14 Runden lag Sergei Karjakin mit 8,5 Punkten vorn und durfte somit das nächste WM-Match gegen Magnus Carlsen bestreiten.

2018 wurde das Turnier vom 10. März bis zum 27. März in Berlin durchgeführt um dem Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen zu ermitteln. Am Format des doppelrundigen Turniers mit acht Teilnehmern wurde nichts geändert. Folgende acht Teilnehmer hatten sich qualifiziert: Sergei Karjakin, Lewon Aronjan, Ding Liren, Shakhriyar Mamedyarov, Alexander Grischtschuk, Wesley So, Fabiano Caruana, und Wladimir Kramnik. Am Ende siegte Fabiano Caruana mit 9 Punkten.

Man darf gespannt sein wer in Jekaterinburg mit wievielen Punkten als Sieger hervorgeht. Zur Halbzeit liegen Maxime Vachier-Lagrave und Jan Nepomnjachtschi mit jeweils 4,5 Punkten auf 9 Punkte Kurs, aber in noch 7 zu spielenden Runden kann noch viel passieren. Spätestens am 28. April werden wir schlauer sein.

Weiterführende Infos zum aktuellem Turnier https://en.candidates-2020.com/

Foto von Lennart Ootes auf Flickr (Album FIDE Candidates 2020)

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