Halbgares Schach!

5 Antworten

  1. Das Problem beim Online-Spielen besteht meines Erachtens insbesondere darin, dass geistige Tätigkeiten “zu Hause” grundsätzlich anders durchgeführt werden als “auswärts”: Wenn ein Student eine wissenschaftliche Arbeit zu Hause erstellt, dann kann er aus dem Vollen schöpfen und hat viel mehr Material zur Verfügung als bei einer Klausur in der Hochschule. Ich spiele seit vier Jahrzehnten täglich Fernschach und hatte dort früher Bücher und Deutsche Schachblätter etc. zur Verfügung, heute große Datenbanken und Engines. Wenn ich Poker-Turniere online spiele, dann habe ich (erlaubt) Statistiken und Wahrscheinlichkeits-Tabellen sowie Infos über die Gegner zur Hand und oft sogar (erlaubt) einen Sekundanten an meiner Seite! All das ist natürlich bei einem Live-Pokerturnier verboten. Und nun soll man einem ehrgeizigen Schachspieler erklären, dass er beim online-Spiel zu Hause noch nicht einmal seine eigenen Datenbanken benutzen darf – meines Erachtens unmöglich!

  2. Siegrun sagt:

    Die online Zahlen sprechen für sich

  3. Auch für mich ist es eher “die Not lindern” als “aus der Not eine Tugend machen”. Die These (aus subjektiver Sicht Hoffnung), dass Schach am Brett auch auf lange Sicht quasi überflüssig wird, teile ich wahrlich nicht. Aber jedenfalls in meinem und auch in einigen anderen Münchner Vereinen wird normaler Spielbetrieb noch einige Zeit unmöglich sein – Spiellokal in einem Altenservicezentrum.

    Meine eigenen eher positiven Erfahrungen mit Online-Schach:
    – Vereinsintern ist bekannt, wer sich hinter Pseudonymen verbirgt – wir haben parallel zu Turnieren auch Videokonferenzen.
    – Bei Turnieren von Bayern München verraten viele (im Profil) ihren Klarnamen – da weiß man also auch, gegen wen man eigentlich spielt.
    – Ich habe mal wieder ein Turnier in den Niederlanden gespielt und so (im freundschaftlichen Chat) alte Bekannte getroffen.
    – Drei Münchner Vereine spielen derzeit deutschlandweite U12-Mannschaftsturniere – da sieht man immerhin Namen der anderen Vereine. Durchaus eine Bereicherung und das wird wohl auch “nach Corona” weitergehen – dann aber wohl eher monatlich als jede Woche.

  4. Hans Werner Ackermann sagt:

    Die Betrachtung von Gerry Hertneck spricht mir aus der Seele. Ich vermisse zusehends das Turnierleben und die vielen Schachfreunde, die man so regelmäßig getroffen hat. Das Online-Spielen ist zumindest für mich wahrlich kein Ersatz dafür. Ich hoffe, dass diese – nicht nur für den Schachsport – unerträgliche Zeit irgendwann endet. Und dann hoffe ich ebenso, dass sich der Deutsche Schachbund, von dem man auch in dieser Zeit wenig hört und liest, genügend Gedanken gemacht hat, wie ein Meisterschafts- und Turnierbetrieb – unter möglicherweise eingeschränkten Bedingungen – ablaufen kann.

  5. Kommentare auf Facebook sagt:

    Markus Müller schrieb auf Facebook:

    Erst wenn der letzte Verein verendet, das letzte Open geschlossen, der letzte König in der Kiste und das letzte Blättchen gefallen ist, werdet ihr merken, dass man online nicht um ernste Punkte Schach spielen kann

    GM Stefan Kinderman:

    Ein sehr guter Artikel Herr Kollege! Persönlich sehe ich das online Schach nicht so kritisch spiele allerdings erst seit kurzem und habe auch noch kaum negative Erfahrungen gemacht . Natürlich sollte es aber eine phasenweise sinnvolle Ergänzung bleiben und das “reale” Schach am Brett wieder die Hauptrolle übernehmen! Momentan erfüllt m.E. aber das online Schach eine wichtige Funktion und dient auch weltweit der Schach Promotion .

    Guenther Grunwald:

    Ich glaube nicht das Online Schach das Schach zwischen zwei Spielern ersetzen kann. Das favorisiere ich . Nur online spielen würde zur sozialen Isolierung führen. Wie das mit Handy. Aber das ist zur Zeit nicht möglich ich hoffe das bald auch wieder Normalschach möglich ist. Der DSB sollte ein Konzept erarbeiten mit den Politikern. Aber größere Turniere wird es wieder geben wenn wir unbedenklich zur Normalität übergehen können. Thüringen unternimmt gerade einen gewagten Versuch.