Gedanken zum Magnus Carlsen Invitational

3 Antworten

  1. Thomas Harper sagt:

    Kommt halt drauf an was man sehen möchte. Im Fußball schau ich auch lieber ein müdes 0:0 zw. Bayern und Real, als ein fulminantes 5:4 in der 3. Liga.

  2. Ich kann nun Bullet gar nichts abgewinnen, weder als Zuschauer noch als Spieler. Ist Geschmackssache, aber warum Spieler da “richtig hart rangenommen” werden während Schnellschach “müdes Gezocke” ist kann ich nicht nachvollziehen. Aber es ist gut so, dass die einschlägigen kommerziellen Seiten auf unterschiedliche Art und Weise (Format und Kommentar) von der aktuellen Situation profitieren wollen – ich suche mir das heraus, was mich (eher) interessiert, Schachfreund Hackenmeier und andere machen das auch.

    Dabei habe ich das Carlsen Invitational live nur sporadisch verfolgt: teils fiel es in meine Arbeitszeit im home office, teils war ich (im Bericht angedeutet) als Vereins-Jugendleiter Zuschauer bei Jugendturnieren, teils war ich auch bei schönem Wetter lieber an der frischen Luft.

    Carlsens Rolle bei chess24 sehe ich – gerade als jemand, der dort von Anfang an dabei war und zeitweise auch Freelancer (Übersetzungen Englisch-Deutsch und zwei Bundesliga-Berichte) – durchaus kritisch. Wie würde man reagieren, wenn sich eine politische Partei oder ein DAX-Unternehmen (bzw. deren Vertreter) bei einer Tageszeitung oder einem Fernsehsender einkauft? Würde man glauben, dass es die redaktionelle Berichterstattung nicht beeinflusst? Das gibt es in einigen Ländern – in Deutschland nicht und das ist gut so.

  3. Karl Hackenmeier sagt:

    Das Carlsen Invitational verfolge ich überhaupt nicht, da sich mir der ganze Sinn des Formats nicht erschließt. Da wird sinnlos Geld rausgehauen für Leute, die sich nix beweisen müssen und jemanden feiern, der von seinem Status so dermaßen überzeugt ist, dass er eine Veranstaltung vom Zaun bricht ohne jeglichen sportlichen Wert, um seinem Prestige gerecht zu werden. Anders ist es bei der Konkurrenz von Chess.com. Deren Format “IM not a GM” reisst einen echt vom Hocker, weil hier die Kontrahenten richtig hart rangenommen werden im Blitzen bis zum Bullet und man nur staunen kann, wie in Sekunden Bruchteilen Taktiken vom Stapel gelassen werden, die man kaum hat kommen sehen. GM Robert Hess und seine Co-Moderatoren sind ständig am Puls der Spiele und kommentieren absolut schachbegeistert und unterhaltsam. Die Auseinandersetzungen sind durch die sich ständig verkürzenden Format- und Bedenkzeiten auch wesentlich spannender als die müden Carlsen Zocks, und häufig erst am Ende in der 25 minütigen Bulletsektion entschieden.