Juni 24, 2024

Laras Blog: Starke zweite Hälfte bei der Frauen-Europameisterschaft

 
 
Elf spannende, teils äußerst nervenaufreibende und anstrengende Europameisterschaftspartien liegen hinter mir. Aber ich bin happy! Wie im ersten Blogeintrag berichtet, war meine erste Hälfte nur stark mittelmäßig. In der zweiten Hälfte konnte ich allerdings nochmal sehr stark punkten, mein Elo-Minus aus der ersten Hälfte wieder ausgleichen und das Turnier mit einem positiven Gefühl abschließen.
 
 
 
 
 
 
 
Mein Highlight war dabei mein Sieg gegen IM Olga Badelka in Runde 7. Ich spielte das spanische Vierspringerspiel, kam aber nicht sonderlich aussichtsreich aus der Eröffnung. Meine Gegnerin spielte aber deutlich zu passiv und ließ mich aus meiner etwas geknautschten Stellung befreien und in ein vorteilhaftes Endspiel abwickeln.
 
Nach Le3 c4 Sd2 bekommt der c-Bauer ein Problem und ich kann ihn früher oder später abholen. Die Gewinnverwertung des Mehrbauern gestaltete sich allerdings als nicht einfach, nachdem ich Gegenspiel auf der d-Linie zuließ.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hier muss Schwarz sehr genau spielen: es droht Kf5, der Springer darf wegen der Drohung Tg5+ nicht wegziehen. Die einzige Verteidigung für Schwarz ist hier Th2 Kf5 Te2 und dauerhafter Angriff auf den Läufer.
Olga zog allerdings stattdessen Tg3?. Es folgte Txg3 hxg3 Kxe5 Sc7.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hier fand ich den starken Zug c4!, um den Springer weder nach b5 noch nach d5 zu lassen. Der König läuft nun zügig zu den Damenflügelbauern und sammelt diese ein. Danach wird sich ein Bauern umwandeln. Partieende? Nein, es blieb immer noch spannend, da Schwarz natürlich das Gleiche mit seinem g-Bauern machen wird.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Aber auch mit Damen auf dem Brett ist meine Stellung gewonnen und zwar wegen der durch Df3 entstehenden Fesselung.
Es gab nach De8+ Ka5 Dd8+ Lb6 keine Schachs mehr, als nächstes schlug ich alles auf f2 und wickelte in ein gewonnenes Bauernendspiel ab, da mein Bauer schon weiter vorgerückt ist, als ihrer.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nach 5,5 Stunden war der Sieg perfekt!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Auch in der nächsten Runde gegen IM Sabrina Vega Gutierrez aus Spanien hatte ich gute Chancen auf einen Sieg. Hier griff meine Gegnerin nach langem Nachdenken mit …f4 fehl. Nun gewinnt Kc4! Ta3 (deckt das Ta1-Matt) c6! Kb6 c7! Kxc7 Kb4 Abzugsschach und Turmgewinn. Leider habe ich diese Idee nicht gesehen. Nach c6 wurde es Remis, was natürlich etwas ärgerlich war, wenn auch an sich ein gutes Ergebnis.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gegen IM Inna Gaponenko aus der Ukraine ereignete sich eine selten gesehene, erstaunliche Situation. In dieser Stellung stehe ich bereits deutlich schlechter. Ich spielte Dc7, dies ist schließlich das einzige Feld für die Dame (c5 zerstört die Bauernstruktur zu stark, alle anderen Felder sind gedeckt). Aber was ist der Haken bei Dc7? Nachdem ich die Dame dort losgelassen hatte, sah ich, dass das einfache Abzugschach Se7+ meine ungedeckte Dame abholt und ich sofort aufgeben kann. Doch was geschah? Meine Gegnerin schlug a tempo den Springer auf e5 und ließ den Damengewinn aus! Leider verteidigte ich mich auch danach nicht besonders gut, sodass ich schlussendlich trotzdem die Partie verlor.
 
 
 
 
 
 
 
In der vorletzten Runde spielte ich gegen WIM Susanna Gaboyan aus Armenien eine meiner besten Partien des Turniers. Hier zog meine Gegnerin …g6, um meinem Springer das Feld f5 wegzunehmen.
Hier fand ich jedoch die starke Antwort hxg6 hxg6 f4!. Nach exf4 Sxf4 gewinne ich den schwachen Bauern auf g6. In der Partie folgte Lxd5 Lxd5 Se7. Nach f5! bekam ich hervorragende Kontrolle über die weißen Felder.
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Partie war entschieden, nachdem ich hier mit Txf4 eine Figur gewinnen konnte. Der Turm kann wegen Sxc5-Abzugsschach nebst Damengewinn nicht geschlagen werden. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
In der letzten Runde wurde ich nochmal gegen eine starke Gegnerin gelost: IM Sophie Milliet aus Frankreich. In der Eröffnung griff ich völlig daneben und musste mir frustriert eine grauenvolle Sizilianisch-Stellung mit allerlei Schwächen und einem anfälligen König anschauen. Ich verteidigte mich allerdings tapfer und nutze jede Gelegenheit zum Gegenspiel. Nachdem meine Gegnerin in Zeitnot ungenau spielte, konnte ich meine Stellung zusammenhalten und das Remis absichern. Hier war ich stolz auf meine zwar nicht ganz fehlerfreie, aber dennoch zähe und trickreiche Verteidigungsleistung. Ein guter Abschluss!
Die Partie wird übrigens hier von Gunny auf seinem YouTube-Kanal analysiert: https://www.youtube.com/watch?v=ux6eJHIhn4Q
 
Insgesamt bin ich mit 6,5 Punkten aus 11 Runden auf dem 41. Platz von 136 Teilnehmerinnen gelandet. Ich gewinne satte 0,4 Elopunkte, tja, mühsam nährt sich das Eichhörnchen 😉
Insgesamt bin ich zufrieden, vor allem natürlich wegen der guten zweiten Turnierhälfte.
 
 
 
Es war eine tolle Europameisterschaft: Ein schöner Spielsaal, ein tolles Hotel mit fantastischem Essen, eine schöne Atmosphäre!
 
 
Es folgen ein paar weitere Fotos von der atemberaubenden Landschaft 🙂
Mein Rückflug gestaltete sich ziemlich spannend. Zunächst klappte alles wie am Schnürchen: Transfer zum Flughafen pünktlich, Check-In pünktlich, Boarding pünktlich, Abflug pünktlich. Doch dies war wortwörtlich nur die Ruhe vor dem Sturm. Über dem Berliner Flughafen tobte ein tosendes Gewitter, sodass es nicht möglich war zu landen. Wir drehten also eine Stunde lang Kreise über den Wolken und warteten darauf, dass die Gewitterwolken weiterziehen. Man sah einige Flugzeuge, die ebenfalls über den Wolken in der Warteschleife hingen. Als dann endlich gelandet werden konnte, waren nicht genug Treppen zum Aussteigen aus dem Flieger vorhanden, da so viele Flugzeuge nacheinander außerplanmäßig landeten und der Plan stark durcheinandergeraten war. Eine kuriose Situation. Letztendlich bin ich aber trotz der Verspätung gut zu Hause angekommen.
 
Vielen lieben Dank an euch fürs Bloglesen und Daumendrücken!
 
Bis bald,
eure Lara
 
 
Meine Homepage: www.laraschulze.de