Oktober 3, 2022

NRW verteidigt den Titel erfolgreich

(Ein Bericht von Andreas Jagodzinsky)

Der Verfasser dieses Berichts hielt auf der Fahrt nach Braunfels, wo die Frauenkommission am Samstag tagte, den Kampf um die Deutsche Frauenmannschaftsmeisterschaft der Landesverbände fälschlicherweise für entschieden bzw. lediglich ein bis zwei Brettpunkte für erforderlich. Welch unangenehme Überraschung, dass die Zweitwertung nicht Brettpunkte oder der direkte Vergleich waren, sondern Buchholz.

Um es vorwegzunehmen, der einzige Gegner, gegen den Württemberg gespielt hatte und NRW nicht, wurde am Ende Dritter und lag auch schon vor der letzten Runde vor den Erstrundengegnerinnen der NRW-Auswahl.

Somit musste am letzten Tag zumindest noch ein Punkt geholt werden.

Und das war nicht so einfach, wie es sich beim Blick auf die Ergebnisse letztlich liest.

Während das Gleichgewicht an den beiden Spitzenbrettern, die dieses Mal von Luminita Cosma und Carmen Voicu-Jagodzinsky besetzt wurden, lange nicht ernsthaft gestört war, galt dies nur noch für die Partie von Jule Cordes an Brett sieben. An den Brettern drei, vier, fünf, sechs und acht standen jeweils die Weißspielerinnen besser. Das waren zwar drei Weißpartien für NRW, aber während Alessia Ciolacu und Olena Hess über einen positionellen Vorteil verfügten, stand Yaroslava Sereda in einer hoch komplizierten Stellung zwar materiell im Vorteil. Aber beide Könige standen komisch. Zudem verbrauchte sie viel Zeit.

Während die schlechteren Stellungen von Inna Agrest und Hannah Kuckling für ihre Gegnerinnen einfach zu spielen waren, befürchteten die Anhänger der NRW-Spielerinnen natürlich, dass in den gut stehenden Partien irgendetwas passieren könnte, was den Teamerfolg gefährdet.

Als erste machte Luminita Cosma Remis. Überraschenderweise endete als nächste Partie die von Inna, die plötzlich ein Remis erzielt hatte. Nun sah die Situation deutlich besser aus. Yaroslava gewann etwa zeitgleich mit Hannahs Niederlage, so dass es 2-2 stand.

Mittlerweile hatte sich auch Carmen einen Vorteil erspielt. Nachdem Olena gewonnen hatte, entschied Carmen sich gegen ein weiteres Opfer und machte mit ihrer Gegnerin Remis, so dass mit dem 4-3 die Meisterschaft entschieden war. Alessia gewann wenig später dann ihre Partie zum 5-3, was zugleich den zehnten Sieg an Tisch eins für NRW in Serie bedeutete.

Die gegnerischen Mannschaften waren in diesem Jahr etwas stärker als 2021. NRW kam zugute, dass an den drei ersten Brettern mit Anna Zatonskih, Luminita Cosma und Carmen Voicu-Jagodzinsky erfahrene Spielerinnen zum Einsatz kamen, die keine Partie verloren. Von zwölf Partien, gewannen sie vier und remisierten acht.

Dahinter verloren Inna Agrest und Alessia Ciolacu nur jeweils eine Partie und gewannen insgesamt sieben Partien.

Insgesamt verlor NRW nur drei Partien und nie mehr als eine pro Kampf. Olena Hess war mit 4,5/5 die erfolgreichste Spielerin der diesjährigen Mannschaft.

Hannah Kuckling gewann zwar nur eine Partie, die aber im wichtigen direkten Duell gegen Württemberg, was nach den Partieverläufen an den anderen Brettern auch hätte unentschieden ausgehen können.

Und die jüngeren Spielerinnen Lisa-Marie Möller, Jule Cordes und Yaroslava Serade holten zahlreiche wichtige Punkte.

Die Stimmung in der Mannschaft war ausgezeichnet.

Für viele Spielerinnen stehen in den kommenden Monaten wichtige Turniere an.

Anna Zatonskih (USA), Luminita Cosma und Alessia Ciolacu (Rumänien) und Inna Agrest (Schweden) werden an der Schacholympiade teilnehmen. Yaroslava Sereda und Jule Cordes werden an den Jugendwelt- bzw. -europameisterschaften teilnehmen.

Nächstes Jahr geht es dann in Braunfels um den 20. Titel für den Schachbund NRW.

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