Oktober 7, 2022

Deutscher Schachbund auf Erfolgsspur

Ein Gastbeitrag von Ralf Mulde, ein ehemaliger DSAM-Texter

Für alle deutschen Schachspieler ist es eine sehr gute Nachricht, dass die DSAM den bisherigen – und anhaltenden! – Erfolg furios fortsetzen kann, wie jeder dem perfekt verfassten DSAM-Ticker-Artikel „Großer Erfolg in Darmstadt“ entnommen hat. Er erschien zum Glück noch pünktlich vor dem anstehenden DSB-Kongres.

Sehr zuzustimmen ist dem (noch immer weitgehend unbekannten) Geschäftsführer Dr. Marcus Fenner: „Nicht wenige haben uns ein Scheitern vorausgesagt. Dass wir jetzt sogar den Vorjahresrekord brechen konnten, macht mich daher besonders stolz!“ Da hat er Recht.

Das mit dem Scheitern kam aus dem bisherigen Team, namentlich von mir. Und es war falsch; eine Fehleinschätzung. Die Vermutung war nicht von Bitterkeit oder Enttäuschung geprägt, sondern wir alle konnten uns schlicht nicht vorstellen, wie man diese bis dahin ja schon unglaublich erfolgreiche Veranstaltung mit lauter „Ungelernten“ sogar noch besser machen oder auch „nur“ das bisherige Erfolgs-Level halten könne; schließlich wusste jede(r) im Team, wie viel für das Turnier (unbezahlt) gearbeitet wurde.

Die mindestens während des Umbruchs und bis heute mangelnde Öffentlichkeitsarbeit oder auch Offenheit des DSB, die wohl auf verständlichem Misstrauen dem bisherigen Team gegenüber fußte (man wusse nicht, wem man trauen konnte), tat ein Übriges, so Manchen nachhaltig zurück zu stoßen. Weit zurück.

Der wunderbar eingetretene Erfolg ist für jeden deutschen Schachspieler eine gute Nachricht, denn es muss günstig „für alle“ sein, wenn der Verband mit seinem zweiten Turnier-Flaggschiff, der DSAM (das erste ist die Deutsche Einzel plus Pokal) reüssiert. Eingeflochten sei: Dass das Beitrags-Niveau der Vereine und Spieler dennoch um eine Kommastelle zu niedrig liegt, bleibt davon unberührt.
Was macht nun das neue DSAM-Team anders als das alte? „Weniger Pause …“ hört man an dieser Stelle oft in der Firma, aber das kann es in diesem Fall nicht sein. Mehr als 16-18 Std./Tag werden auch „die Neuen“ nicht leisten können oder wollen – zwar neigen Ehrenamtler ständig dazu, sich selbst zu überfordern, was außerhalb des DSB bisweilen ja auch prima ausgenutzt wird; das hält man aber keine volle Saison mit ganzen Wochenenden nebst langen Reisen durch.

Ob die Hotels für das Imbiss-Geld den Spielern nach dem Umbruch mehr Gegenwert und Service bieten als es zuvor oft war – sogar einige alte Team-Mitglieder mieden manche Standorte, schließlich zahlten sie jede teure Brotkrume und Kaffeebohne aus eigener Tasche -, weiß ich nicht, aber es ist zu vermuten und ich wünsche es jedem.

Vielleicht hätte man das, was angeblich nicht möglich war, damals doch „herbei verhandeln“ können, aber dieses genüssliche Feld oblag ausschließlich – warum wohl? – dem sauberen Dr. Dirk Jordan bzw. seiner Gattin Martina, die die Buchführung des Turniers erledigte.

Nebenbei: Die DSAM-Kasse hätte der DSB auch zehnmal prüfen können, wie es ein- zweimal tatsächlich (und nicht sehr sachkundig) geschah, ohne je „etwas“ zu finden. Man wunderte sich, wie wenig „Gewinn“ das Turnier abwarf – was im Sinne der Gemeinnützigkeit auch eine pikante Situation hätte ergeben können. Jedenfalls: Wenn man einen eingehenden Betrag gar nicht erst in die Bücher aufnimmt, kann eine „Entnahme“ auch nicht bemerkt werden. Immer alles spurlos, keine Notizen, keine Mails, nur Telefon und persönliche Gespräche – Arbeitsweise Jordan.

Eine knallbunte, echte Attraktion ist heute das tolle Mitwirken der Großmeister. Es ist phantastisch, dass dem DSB deren Engagement gelungen ist. Vorher ging das angeblich nicht. Zu teuer. Schon das noch immer positiv erinnerte Simultan-Engagement von Teilen des deutschen Damen-Nationalteams war vielen „viel zu teuer. Reisekosten, Taschengeld, bei einigen sogar Übernachtung …“ Igitt.

Klar, die hätten ja auch freudig erregt auf einem (!) Fahrrad über Berg und Tal strampeln können, Getränke selbst zahlen – und schlafen kann man doch auch mal auf dem Rasen vor dem Hotel, hält bestimmt fit. Eine überwältigende Anwandlung von Großzügigkeit hätte vielleicht sogar noch einen Extra-Nachtisch für sie rausspringen lassen, sofern der knausernde Schatzmeister des DSB nicht in der Nähe gewesen wäre.

In der Ära ab Dr. von Weizsäcker bis zum „Umbruch“ war es eindeutig, dass „der DSB“ und manche seiner Landesfürsten die DSAM – die erfolgreichste Turnierserie! – lieber heute als morgen loswerden wollten. Zugleich wurde vom aus dem stets klammen, beitragsminimierten DSB eifrig in der Kasse der DSAM nach Entnahme-Möglichkeiten gesucht. Danach (!) wurde bei einem Kongress dessen Kassenstand „veröffentlicht“ und ohne weitere Hintergründe darauf hingewiesen, dass die Turnierserie massive Verluste produziere, eben ein Klotz … nein, nicht auf h8, sondern am Bein.

Manche Unwahrheiten gerade aus dieser Ecke wurden so verbreitet. Aber der Erfolg der DSAM hielt ärgerlicherweise an! Wir schufteten weiter und mit dem Duo Krause / Fenner wurde alles sogar noch gesteigert – unfassbar.

Der Unterschied zu „damals“ ist, dass dieses Turnier jetzt sinnvollerweise eine Veranstaltung des DSB ist, die nun eben auch vom Verband selbst organisiert wird. Und das macht es offenbar möglich, Großmeister zu engagieren, die dem „kleinen Kongress“ der Amateure zur Verfügung stehen, ja, sogar dort Trainings durchführen.

Das ist ein tolles Erlebnis für die Spieler, deutlich abgehoben von einem uralten Artikel in „Schach“ eines arroganten IM (oder doch schon GM?), der wortreich begründete, warum er in einem Open die immerhin gemeinsam gespielte Partie mit einem Amateur nicht zu besprechen wünsche – von gemeinsamer Analyse könne ja angesichts des riesigen Spielstärke-Unterschieds ohnehin keine Rede sein. So etwas kann dem Amateur in der DSAM nicht passieren.Auch das, die freundliche Atmosphäre, ist Teil ihres Erfolgs.

Als der Texter – schüchtern, wie es seinem Wesen entspricht – in abendlicher Team-Runde anzuregen wagte, einige bekannte Spieler etwa jenes Schlages einzuladen, die heute sehr wohl die DSAM-unterstützen, hieß es sehr schnell „viel zu teuer“. Es wurden Summen genannt, die jedenfalls ich eher mit einem Auftritt von Fischer in Verbindung gebracht hätte (Helene, nicht Bobby) und so war’s also eine Werbemaßnahme weniger.

Umso mehr wünsche ich dem DSB, dass er diesen Albtraum bald völlig überwinden kann, die von ihm ermittelten Außenstände im Irgendwo zwischen Dresden und Honolulu beizutreiben versteht und sein neu entdecktes Engagement für die Amateure erfolgreich fortsetzen kann.

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