Mai 6, 2021

Von unmöglichen Zügen und Uhrentricks

In den 1990er-Jahren flüchteten viele Schachspieler aus dem ehemaligen Jugoslawien in den Westen. Sie verstärkten einige Mannschaften und gaben den Turnierpartien mit ihrem offensiven Spiel viel Würze. Allerdings verbreitete sich auch die Unsitte, in Blitzturnieren mit unmöglichen Zügen und Uhrentricks die Partien auf unfaire Weise für sich zu entscheiden. Deswegen mussten die FIDE-Regeln mehrmals verschärft und präzisiert werden, bis das Getrickse eingedämmt werden konnte. Mittlerweile sind die Regeln wieder etwas lockerer.

Weiterhin gültig sind die Regeln, dass man die Züge mit einer Hand ausführt (Artikel 4.1) – auch die Rochade und Bauernumwandlung – und dass man die Uhr mit derselben Hand bedient (6.2.3). Ebenso müssen umgeworfene Figuren auf eigene Zeit wieder korrekt hingestellt werden (7.4). Auch darf die Uhr weder hochgehoben noch verschoben werden (6.2.4). Zuwiderhandlungen werden üblicherweise eskalierend bestraft: Beim ersten Mal Verwarnung, beim zweiten Mal Zeitgutschrift für den Gegner, beim dritten Mal Partieverlust.

Der illegale Zug – König im Schach stehen lassen oder ins Schach laufen, gefesselte Figur bewegt, den Bauern auf dem Umwandlungsfeld stehen gelassen, den König schlagen, Coreolis-Züge* – gilt als ausgeführt, sobald die Figur losgelassen wurde. Hier gilt: Beim ersten Mal Zeitgutschrift für den Gegner, beim zweiten Mal Partieverlust. Früher hat man die Partie sofort verloren. Allerdings darf man trotz der Berührt-Geführt-Regel (4.3) nicht zu einem illegalen Zug gezwungen werden (4.5).

Diese Regeln gelten bei allen Partien, egal ob Langzeit, Schnellschach oder Blitz. Bei Schnellschach und Blitz darf der Schiedsrichter sogar von sich aus eingreifen. Allerdings ist das heute glücklicherweise nur noch selten nötig.

*Die Coreolis-Kraft lenkt Objekte auf der Erde bei geradlinigen Bewegungen ab und kann dazu führen, dass Figuren auf dem falschen Zielfeld landen. Taucht insbesondere bei unerwarteten Gewinnzügen auf.

Josef Nemecek

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