Juergen Krebs

Seltsame Nachrichten sind es, die der Dortmunder Jürgen Krebs jeden Tag per eMail erhält; und gar manche dieser Zahlenketten treiben ihm glatt den Schweiß auf die Stirn – bedeuten sie doch, daß eine Niederlage droht. Doch Gott sei Dank – der Internationale Fernschachmeister weiß diese fast immer abzuwehren.

“Schach ist quasi mein Leben”, sagt der Herr über Läufer und Springer. Die Zahlenketten überliefern ihm codiert den Zug eines Gegners irgendwo in der Welt.

Seit seinem 10. Lebensjahr übt sich Jürgen Krebs in diesem königlichen Spiel – früher so richtig von Mensch zu Mensch – erst in der Familie, später in verschiedenen Vereinen.

Aber Auge in Auge dem Gegner bei einer Partie Schach gegenübersitzen – das ist für den Dortmunder schon lange ein Spiel von gestern. Vor mehr als 20 Jahren bereits verfiel der Mathematisch Technische Assistent und EDV-Systemanalytiker dem Fernschach. “Das Tolle beim Fernschach ist, daß ich nicht mehr so weite Anfahrten zu Turnieren habe”, erklärt Krebs einen der Vorteile dieser Spielart.

Die 76. Deutsche Fernschach-Meisterschaft begann am 1.11.2017 und endete am 27.1.2019.  Am Ende hatte Jürgen Krebs mit 6,5 Punkten aus 11 Partien die Nase vorn. Herzlichen Glückwunsch zum Feuschen Fernschachmeister. Eine Partie ragte besonders hervor:

Früher war der Schachliebhaber das ganze Wochenende unterwegs, um adäquate Gegner zu finden und seinem Hobby zu frönen. Heute weist ein Turnierleiter des Fernschachbundes ihm internationale Partner mit entsprechender Spielstärke per eMail zu. Gespielt wird ganz bequem vom heimischen Sessel aus.

Insgesamt sind über 100.000 Mitglieder beim Weltfernschachbund ICCF registriert, rund 8.000 spielen beim Deutschen Fernschachbund BdF, in Dortmund gibt es rund 40 Spieler. Über den Weltfernschachbund können die Mitglieder an Meisterschaften, Turnieren, Länderkämpfen und sogar an Fernschacholympiaden teilnehmen.

“Anfangs habe ich mit meinen Fernschachgegnern die einzelnen Züge noch per Postkarte ausgetauscht”, erinnert sich Krebs. Da konnte die Übermittlung eines Schachzuges schon einmal drei oder vier Wochen dauern, wenn der Schachpartner zum Beispiel in Rußland saß. Eine Schachpartie dauerte unter diesen Umständen manchmal drei bis vier Jahre.

Vor mehr als 10 Jahren übernahm dann Kollege Computer die Postverteilung übers Internet. Heute dauert es höchstens ein bis zwei Stunden, bis die eMail, also der elektronische Brief, seinen Weg gefunden hat. “Das heißt aber nicht , daß die Übermittlung der Schachzüge durch Postkarten ausgestorben wäre”, erklärt Krebs. “Besonders für Briefmarkensammler ist der alte postalische Weg natürlich immer noch sehr interessant.”

Mit über 450 verschiedenen Spielern aus aller Welt hat Krebs schon per eMail gespielt – mit Italinienern, Norwegern, Amerikanern, Koreanern, Rumänen, Schweden, Russen… “Da ist die Codierung der einzelnen Züge in Zahlenreihen natürlich sinnvoll. Kyrillische Schriftzeichen zum Beispiel könnte ich ja gar nicht verstehen”, erklärt Krebs das für Laien aufwendig erscheinende System. 30 Spiele spielt der Dortmunder zur Zeit gleichzeitig. Das bedeutet für ihn jede Menge Vergnügen.

Kreuztabelle vom Turnier 76. DSFM/Endrunde

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