Max Weidenhöfer, Varrel: Großer Erfolg bei der DSAM Bergedorf 2019

Im recht angenehmen Hotel in Bergedorf bei Hamburg lief’s gut für Max Weidenhöfer in seinem – so weit ich sehe – ersten so richtig großen Turnier außerhalb der Jugend-Ebene.

Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM war zuletzt durch den vermeintlichen DSB-Betrug des inzwischen abgesetzten Turnierdirektors D. J. heftig ins Schlingern geraten. Jetzt aber rauscht die Turnierserie, insgesamt das größte je vom DSB veranstaltete Turnier, mehr denn je und auf geradem Erfolgskurs nach vorne!

https://www.dsam-cup.de/hamburg/turnier.html?gruppe=D&typ=tab

Nähere Angaben über Spieleranzahl, deren Staffelung bezüglich Geschlecht und Alter, Favoriten, Turnierpersonal und den Leistungen des gastgebenden Hotels sind der inhaltlich schlechten Turnierseite jedoch nicht (mehr) zu entnehmen. Sogar der Schachticker wird offenbar nicht mehr mit Berichten versorgt,

Max Fünfter in Gruppe-D Bergedorf 2019

die Turnierhomepage ja auch nicht, erst recht nicht die für die Vereine der jeweiligen Turnierregion unendlich wichtigen Tageszeitungen (weil damit ein oft identischer Leserkreis abgezielt wird, müssen natürlich unterschiedliche Berichte und Bilder angefertigt werden, für Lokal-Reporter tägliche Übung); vermutlich ist dem DSB sein eigenes Vorzeigeturnier samt der Querelen darum derart lästig geworden, dass es nach außen hin nicht mehr gezeigt werden soll.

Wer aber angeblich dringend nach Ideen zur Gewinnung von mehr Spielern für die Vereine sucht, sollte nicht verächtlich schweigen, sondern die Werbe- und Darstellungs-Möglichkeit, die ein solches Turnier bietet, freudig wahrnehmen! Das alles konnte einen Varreler wie unseren 2006 geborenen Max Weidenhöfer nicht beeindrucken, der selbstbewusst und mit sagenhaften vier Siegen bei nur einer Niederlage großartige 80% erzielte und in seinem ersten derartigen Turnier auf dem großartigen fünften Platz abschloss! Mindestens erwähnt sein soll auch der erste Platz in der B-Gruppe des 2004 geborenen Erik Pahl vom uns benachbarten Delmenhorster SK.

Der DSK jubelt auf seiner Homepage “Erik Pahl gewinnt B-Gruppe beim Ramada-Cup in Hamburg!” Äh … bei welchem Turnier? In welcher Stadt?

Aber Max, der Blonde ohne Schuh, siegte doch bestimmt nur gegen Rivalen eher untergeordneter Kategorie? Keinesgefallst nicht. Maxens D-Gruppe nahm Spieler in der Rating-Spannbreite 1601-1750 auf (der in der DSAM benutzte Ausdruck TWZ bedeutet TurnierWertungZahl, was Elo und DWZ gleichsetzt) was ein wenig oberhalb des Durchschnitts-Ratings des Normal-Vereins-Spielers liegen dürfte.

“Die Plätze 1-7 jeder Wertungsgruppe qualifizieren sich für das FINALE (30. Mai :: 1. Juni 2019 in Magdeburg) der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft 7³”, postulierte die Ausschreibung. Ganz einfach, scheint sich Max gedacht zu haben, lege ich doch zuerst mal ein bisschen vor … und warte ab, was so geschehen mag. Prima Strategie! Im Ergebnis wurde Max eigentlich nur von dem 11jährigen Berliner Nikolai Nitsche, Elo 1845, überholt, der mit 4,5 aus 5 eine außerordentliche Leitung zeigte. Oh, und der routinierte (gerne genutzte Umschreibung für “schon älter”) und vor allem sympathische Werderaner Stephan Buchal wurde mit 3,5 aus 5 knorriger Dritter / Vierter der A-Gruppe, einen halben Punkt hinter dem noch sehr jungen Ersten, Ruben G. Köllner, Bochum.

Max Weidenhöfer

In Maxens D-Gruppe hatten insgesamt 64 Schachfreunde Spaß am Wettbewerb (hattet Ihr doch, oder?); am gesamten Turnier waren 342 Schachspieler (die Gruppen: a22 b52 c40 d64 e70 f40 g54) beteiligt. Der jetzt für Wohlde startende Slavko Krneta, dessen zu gering erscheinendes Rating immer wieder Anlass zu Diskussionen gab, landete durch seine überraschende Schlussrunden-Niederlage gegen Max nur auf dem 15. Rang, war aber schon finalqualifiziert. Selbst die fürs Finale qualifizierten Spieler sind auf der DSAM-Seite nirgends gelistet, eben auch nicht die Damen.

Wie viele Damen und wie viele Herren in Gruppe xy spielten, habe ich händisch nicht auszählen wollen, zumal man sich bei bivalenten Vornamen damit auch leicht vertut. Das Turnier hat dafür bestimmt noch immer das von Frank Jäger geschaffene Modul, das detailgenau alle Daten umsetzen kännte, wenn man doch nur den Ellbogen auf den richtigen Knopf presste. Die üblichen Rahmen-Informationen, die dem Veranstalter ja allesamt auf Knopfdruck vorliegen, sollte der Verband doch mit drei, vier Sätzen auf der Turnierseite veröffentlichen können. Eine Menge früherer ehrenamtlicher Arbeit wird so vom DSB in den Straßengraben gerempelt.

Leider wird in der DSAM anscheinend auch nicht mehr fotografiert, abgesehen von diesen lähmend langweiligen, immer gleichen “Siegerfotos” mit Siegern, die trotz des sie schier überwältigenden Glücksgefühls in stets gleicher Pose (nein, die ist nicht in irgendwelchen FIDE-Regeln vorgeschrieben!) gefasst in die Kamera starren. Dass das auf nahezu jeder Vereins-Homepage mit gleichem Aufwand inzwischen längst anders und viel besser als beim DSB gemacht wird, ist dem Verband anscheinend entgangen.

Ich freue mich sehr, dass Max trotz der Phobie der Varreler, die Eingrenzungen ihrer Gemarkung auch nur einen Ballwurf weit zu verlassen, mit diesem Turnier der Einstieg in die echte Welt der (noch dazu gut organisierten) “großen” Turniere auf sensationelle Weise gelungen ist. Dass das hier ohne Bilder kein Artikel, sondern damit leider nur eine längere Notiz werden konnte, ist schade.

(Ralf Mulde, TuS Varrel)

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1 Antwort

  1. Patzer sagt:

    Wenn Sie nicht verknusen können, dass sich die DSAM erfolgreich weiterentwickelt, dann ist das natürlich eine akzeptable Meinung, die sie gut und gerne vertreten können. Auch Kritik an der Pressearbeit ist legitim, sie sollte nur sachlich sein.

    Was nicht in Ordnung ist, ist dass Sie ein Kind vorschieben, um hinterrücks Gift zu verspritzen. Das ist einfach nur widerwärtig.

    Und warum man für ein angeblich ungeliebtes Turnier GM und Spitzentrainer für Partieanalysen engagiert, ist mir auch unverständlich. Wenn man, wie von Ihnen kolportiert das Turnier loswerden will, weil es einem lästig geworden ist, dann würde man solch eine Neuerung nicht einführen.

    Sparen Sie sich das nächste mal einfach die Häme und das vorschieben eines Kindes und kritisieren Sie, was Sie meinen kritisieren zu müssen. Wenn man es nämlich auf das sachliche herunterbricht, haben sie in vielem durchaus recht.

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