März 2, 2024

Schach im CityCenter: Rentner, Ruhrpott und Räubermärchen

Der graue Himmel über dem Ruhrgebiet schien sich in den rostigen Fassaden der Hochhäuser zu spiegeln, als sich eine Gruppe Rentner in die obere Etage des CityCenters in Herne begab. Hier, abseits vom hektischen Treiben der Einkaufsmassen, thronte ein Gartenschachspiel, umgeben von einer kleinen Schar von Stühlen, auf denen sich die Herren niederließen. Ein jeder trug die Spuren eines langen Lebens im Gesicht, doch ihre Augen blitzten vor Enthusiasmus, als die Figuren auf dem Schachbrett zum Leben erwachten.

Der Kopf der Gruppe war Paul Beckmann, von allen liebevoll „Peule“ genannt. Peule hatte sein Leben lang im Schatten der Hochöfen und Kokereien verbracht, und Schach war seine Zuflucht geworden. Doch das Schachspiel im CityCenter hatte wenig mit den eleganten Partien der Schachmeister zu tun, die er gebannt im Internet verfolgte. Hier ging es weniger um strategische Genialität als vielmehr um das pure Vergnügen, das die Rentner beim Spiel miteinander empfanden.

Die Partien begannen meist mit einem gemeinsamen Nicken und einem Schluck aus den mitgebrachten Thermoskannen. Dann setzten sich die Männer, deren Finger von Jahren harter Arbeit gezeichnet waren, konzentriert an die schwarz-weiß karierten Felder. Doch schon nach den ersten Zügen war klar, dass hier keine Großmeister am Werk waren. Die Figuren tanzten chaotisch über das Brett, und die Rentner lachten herzhaft über ihre eigenen Missgeschicke.

Die eigentliche Attraktion des Treffpunkts im CityCenter war jedoch Pauls Live-Berichterstattung für Chess-International. Mit einem alten Laptop und einer selbst gebastelten Webcam übertrug Peule die Schachpartien ins Internet, kommentierte sie mit seinem unverkennbaren Ruhrgebietsdialekt und versorgte die Zuschauer mit Anekdoten aus dem Rentnerleben.

„Schau dir dat an, da verliert der Erwin schon wieder seine Dame. Dat is doch zum Lachen, oder nich?“ rief Peule in die Kamera, während die anderen Rentner um ihn herum sich vor Lachen bogen. Die Gemeinschaft im CityCenter wurde durch Peules Live-Berichterstattung nicht nur lokal bekannt, sondern zog auch Schachenthusiasten aus aller Welt an, die sich amüsiert von den amüsanten Kommentaren und den kuriosen Partien unterhalten ließen.

So wurde das Gartenschachspiel im CityCenter zu einer Institution im Ruhrgebiet, wo nicht nur die Rentner, sondern auch die vorbeischlendernden Einkaufsbummler regelmäßig stehenblieben, um den amüsanten Schlagabtausch zu verfolgen. Und wenn die Sonne langsam hinter den Hochhäusern verschwand und die Lichter der Stadt zu leuchten begannen, konnte man das fröhliche Lachen der Rentner hören, die sich in ihrem kleinen Paradies hoch über den Dächern des Ruhrgebiets dem Zauber des Schachspiels hingaben.

Eine erfundene Geschichte aus dem Ruhrgebietsplatt übersetzt