Juni 23, 2024

European Team Championship | Runde 6

Die Frauen durchliefen gegen unsere niederländischen Nachbarn eine Achterbahn der Gefühle. Dinara Wagner brachte am zweiten Brett unsere Frauen mit einer souveränen Vorstellung in ihrer Lieblingseröffnung – Katalanisch – in Führung. Dinara behandelte die Stellung mit viel Spannung im Zentrum besser als ihre Gegnerin. Denn als alle Bauern im Zentrum geschlagen waren, war es Dinara, die dank einer lehrbuchhaften Mattkombination unter Damenopfer den vollen Punkt nach Hause brachte.

Auch in der zweiten Weißpartie am vierten Brett sah es für Jana Schneider lange Zeit sehr vielversprechend aus. In der Vorstoßvariante der Französischen Verteidigung hatte Jana nicht nur den klassischen Raumvorteil, sondern alsbald sogar einen Turm auf der siebten Reihe. Nach einer Unaufmerksamkeit ihrerseits konnte sich die Schwarzspielerin dann aber des weißen Drucks entledigen und die Partie mündete in einer Zugwiederholung. Remis. Doch dann begann es, gegen die deutschen Frauen zu laufen.

Am Spitzenbrett hatte Elisabeth gegen das niederländische Wunderkind Eline Roebers aus der Eröffnung heraus auf zweischneidiges Spiel gesetzt. Mit Schwarz sammelte sie den weißen b2-Bauern ein, musste dafür in Kauf nehmen, dass die Figuren der Niederländerin aktiver werden konnten. Und nachdem Elisabeth einmal nicht präzise spielte, nutzte Eline die sich ihre bietende Chance für einen starken Angriff, der unter Ausnutzung diverser taktischer Motive schlussendlich in partieentscheidendem Materialgewinn gipfelte. Damit glichen die Niederlande das Match zum 1,5:1,5 aus.
Lange bemühte sich Josefine Heinemann noch darum, ihr besseres Turmendspiel in etwas Greifbares zu verwerten. Doch trotz vielen Knetens schaffte es ihre Gegnerin, alle gefährlichen Klippen zu umschiffen – bis kurz Schluss! Als es im theoretischen Endspiel Turm gegen Springer schon nach einem Remisschluss aussah, manövrierte Josefines Gegnerin ihren verbliebenen Springer ins Abseits. Josefine ließ sich freilich die Chance nicht entgehen, fing den Springer und tütete damit noch den nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg der Frauen ein. Hervorragend!

Ähnlich dramatisch verlief es bei den Männern von Bundestrainer Jan Gustafsson. Gegen die an Nr. 2 gesetzten Rumänen rund um Ex-Nationalspieler Liviu-Dieter Nisipeanu musste Jan zum wiederholten Male auf den erkrankten Alexander Donchenko verzichten und musste wie auch zuvor auf die gleiche Mannschaft vertrauen. Dass das erste Ergebnis des Tages das Remis von Rasmus Svane am zweiten Brett nach erst 57 Zügen war, zeigt, wie umkämpft das Match am Ende war. In einer theoretischen Variante gab Rasmus mit Schwarz spielend einen Bauern, erhielt dafür aber ausreichende Kompensation. Schlussendlich konnte er in ein remises Damenendspiel abwickeln, das zwar noch ein wenig Präzision erforderte. Den halben Punkt brachte Rasmus aber ohne Wackler nach Hause.

Kritischer war es derweil bei Matthias Blübaum am dritten Brett. Mit den weißen Steinen spielend hatte Matthias ein giftiges Bauernopfer vorbereitet, das ihm auch eine starke Initiative brachte. Zwar gewann er schlussendlich seinen Bauern zurück, musste dafür aber ein unangenehmes Turmendspiel über lange Zeit verteidigen. Und das gelang!

Zur gleichen Zeit verlor allerdings Dmitrij Kollars die Kontrolle über seine Stellung am vierten Brett. Im Duell mit Liviu Dieter Nisipeanu, der in der Vergangenheit lange Zeit für Deutschland das erste Brett gehütet hatte, musste Dmitrij eine etwas unangenehme Stellung verteidigen. Sein isolierter Damenbauer gab ihm einigen Grund zur Sorge. Mit beginnender Zeitnot gelang es Dieter, mehr Probleme zu stellen, als Dmitrij zu lösen im Stande war, sodass Dieter einen entscheidenden Bauern und damit kurze Zeit später die Partie gewinnen konnte.

Damit lag die Last zur Rettung des Mannschaftskampfes auf den Schultern des Spitzenbrettes Vincent Keymer. Der jedoch hatte mit Richard Rapport die Nr. 10 der Welt als Gegner. Vincent entschied sich für eine ambitionierte Eröffnung und schickte den h-Bauern gegen Rapports Grünfeldindisch bereits früh ins Feld. Das führte zu einem starken Angriff, der im 22. Zug mit einer glänzenden Kombination hätte gekrönt werden können. Doch Vincent verpasste diese Möglichkeit und musste in der Folge die Partie ein zweites Mal gewinnen. Und das gelang ihm auf sehenswerte Art und Weise. Erst nahm er Rapport die Qualität ab, dann brachte er das entstehende Endspiel Turm und Bauer gegen Springer und Bauer locker nach Hause.

Für die Männer bedeutet dieses 2:2 gegen die mitfavorisierten Rumänen einen wichtigen Punktgewinn. Im Gipfeltreffen gegen England geht es morgen darum, wer die Führung im Turnier behält. Unsere Frauen erhalten gegen die Polinnen die Chance, sich wieder in die Medaillenränge zurückzukämpfen.

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