Juni 13, 2024

Der Titelverteidigung ein großes Stück nähergekommen

Walter Siemon – Ein hart erkämpfter 4,5:3,5 Heimsieg gegen die erwartet starke SG Solingen, ein vergleichsweise leicht errungener 6,5:1,5 Erfolg gegen den SV Mülheim Nord und gleichzeitig eine Niederlage

Big Point mit Glanzpartie: Maxime Vachier-Lagrave (Foto: W. Siemon)

des Hauptrivalen SC Viernheim gegen Werder Bremen: Ein für die OSG- Baden-Baden glücklich verlaufenes Wochenende hat den verlustpunktfreien Kurstadtverein und Titelverteidiger zum alleinigen Tabellenführer in der Schachbundesliga gemacht. Zwei Mannschafts- und siebeneinhalb Brettpunkte Vorsprung auf Konkurrent Viernheim sind ein „beruhigendes Gefühl“, befand Teamchef Sven Noppes mit Blick auf die restlichen vier Runden dieser Saison. Man habe es jetzt in der eigenen Hand, erneut die Deutsche Meisterschaft zu holen, ließ Noppes mit Erleichterung seinem Optimismus freien Lauf. So verdient der OSG – Sieg gegen den oftmaligen Mitfavoriten SG Solingen, so überraschend die Niederlage Viernheims, analysierte Noppes den Verlauf der Begegnungen des Wochenendes. Darüber, warum Viernheim die für die Saison avisierte optimale Aufstellung nicht brachte oder nicht bringen konnte, fehle ihm die Information.

Den Big Point im Ballsaal des „Brenners“ gegen Solingen erzielte der französische Spitzenspieler Maxime Vachier-Lagrave am ersten Brett. Nach einer für seinen Gegner stellenweise anscheinend schwer zu durchschauenden Spielführung brachte eine elegante, über mehrere Züge präzise berechnete Schlusskombination den vollen Punkt für Baden-Baden.

Aber auch mit seinem in hoher Bedrängnis erkämpften Remis-Happy End durfte sich Arkadij Naiditsch an Brett acht mit als Matchwinner fühlen. Sein hoher Wert für das OSG-Team – so sieht es Noppes – erweist sich nicht nur in vielen Siegen, sondern auch in seinen Fähigkeiten, schlechtere Stellungen zäh zu verteidigen. In zahlreichen Einsätzen datiert sein letzter Verlust aus der verlängerten Saison 2019/2021!

Bezeichnend für die Härte der gesamten Auseinandersetzung zwischen dem früheren und dem aktuellen Rekordmeister stand die Partie am zweiten Brett: Über 162 Züge versuchte Francisco Vallejo Pons gegen den Solinger Markus Ragger ein seltenes Endspiel zu gewinnen (König, Turm und Springer gegen König und Turm, ohne Bauern), in dem man den Sieg nur in Ausnahmesituationen erzwingen kann. Nach acht Stunden einigte man sich auf Remis. Auch Vincent Keymer, Michaels Adams, Radoslaw Wojtaszek, Alexei Shirov und Rustam Kasimdzhanov mussten an diesem Tag die Ebenbürtigkeit der Klingenstädte Gegner zur Kenntnis nehmen und Unentschieden an ihren Brettern akzeptieren.

Gegen Mülheim Nord hatte das OSG-Team keine Mühe, den deutlichen Sieg einzufahren. Francisco Vallejo Pons, Vincent Keymer, Michael Adams, Radoslaw Wojtaszek und Arkadij Naiditsch gewannen ihre Partien teils durch ideenreichere Spielführung, teils durch handwerklich-technische Präzision. Maxime Vachier-Lagrave hatte in David Navara am ersten Brett einen Gegner auf Augenhöhe. Ein Remis-Ergebnis stand ebenso zu Buche wie bei Alexei Shirov und Rustam Kasimdzhanov.

Für Patrick Bittner, OSG-Vorsitzender, war der Kampfes- und Siegeswille einer geschlossenen Mannschaft der entscheidende Faktor, dazu gelegentlich aber auch ein Quäntchen Glück – insgesamt „ein phantastisches Wochenende für die OSG“, so Bittners freudiger Ausruf nach vielen spannenden Stunden Schach. 

Walter Siemon

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