April 24, 2024

Drei Kandidaten für den Turniersieg (Runde 8)

Showdown mit Joker: Nach acht Runden beim WR Chess Masters ist das Feld bereitet für eine aufregende letzte Runde, in der die beiden punktgleichen Tabellenführer Gukesh und Levon Aronian aufeinandertreffen. Einen halben Punkt dahinter lauert Ian Nepomniachtchi, der im Falle eines Remis zwischen diesen beiden noch aufschließen kann. Dafür allerdings wird er den zu immer besserer Form auflaufenden Vincent Keymer besiegen müssen. Der wiederum hat in der achten Runde mit einem Sieg über Wesley So dafür gesorgt, dass der bis dahin unbesiegte US-Großmeister vorzeitig aus dem Kampf um den ersten Preis ausgeschieden ist. So versus Keymer war die einzige entschiedene Partie des Tages.

WR Chess Masters – Runde 8
Wieder über 2700 Elo: Nun, da es fast vorbei ist, scheint Vincent Keymer richtig angekommen zu sein. | Foto: Lennart Ootes

Keymer, zurück im 2700-Elo-Club, gab sich nach der Partie gelöst. „Superglücklich“ sei er mit diesem Sieg über einen der Allerbesten im Weltschach. „Wesley So in Top-Form ist auf einem Level mit Magnus Carlsen, ein riesig starker Spieler“, erklärte Keymer, der nun von „minus 2“ auf 50 Prozent geklettert ist. Aber würde ihm angesichts seiner guten Ergebnisse zuletzt jemand anbieten, nun noch einen zweiten Durchgang mit neun Runden zu spielen, Keymer würde zögern: „Unterschätze nicht die Energie, die so ein starker Wettbewerb kostet.“

Das WR Chess Masters stelle ganz andere Anforderungen als ein „normales“ Turnier mit „normalen“ Gegenspielern. „Hier gibt es keinen entspannten Moment.“ Wenn die Gegner nicht Weltklasse sind, „dann machst du halt normale Züge, die vielleicht nicht immer ganz präzise sind, und wirst nicht bestraft. Das ist hier ganz anders.“ Im Gespräch mit Yasser Seirawan erinnerte Keymer an seine Schwarzpartie gegen Jan-Krzysztof Duda: „Eine Ungenauigkeit habe ich mir erlaubt, und zur Strafe musste ich dann 6,5 Stunden sitzen und mich verteidigen.“

Levon Aronian demonstrierte in der achten Runde gegen Andrey Esipenko nicht sein bestes Schach, aber seine schachpsychologische Extraklasse. In einer Partie, in der er sich nach einem Eröffnungsfehler schon chancenlos gewähnt hatte, sandte Aronian ein perfekt getimtes Remisangebot übers Brett – just in dem Moment, in dem er sich ein wenig Gegenspiel erarbeitet hatte und Esipenko die Bedenkzeit davonzulaufen drohte. Nun musste sich der 20-Jährige während seiner heruntertickenden Sekunden nicht nur mit Aronians Aktivität beschäftigen, sondern obendrein mit der Frage: „Annehmen oder nicht?“ Esipenko nahm an, und Aronian war glücklich, entwischt zu sein.

WR Chess Masters 2023 – Runde 8
Cheating-Kontrolle mit Magnet: Trüge Andrey Esipenko einen Knopf im Ohr, der Magnet würde ihn herausziehen. | Foto: Lennart Ootes

Auch Nodirbek Abdusattorov entwischte nach einem Eröffnungsfehler, in einem klassischen Sizilianer, mit dem er Anish Giri überraschen wollte. Aber der war vorbereitet. „Ich kann es nicht genau erklären, aber irgendwie habe ich geahnt, was Nodirbek spielen würde“, sagte der Weltranglistenfünfte nach der Partie. Giri passierte, was ihm nach eigener Einschätzung zu oft passiert: Nachdem er den Gegner dank überlegener Eröffnungsvorbereitung erwischt hatte, ließ er ihn ins Remis entwischen. „Das war natürlich unglücklich“, so Giri.

WR Chess Masters 2023 – Runde 8
Gukesh spielt am Samstag um den Turniersieg. | Foto: Lennart Ootes

Gukesh hatte während seines Kampfs mit Jan-Krzysztof Duda die Augen auf zwei Brettern. Gleichauf mit Levon Aronian an der Tabellenspitze liegend, „habe ich natürlich verfolgt, wie es bei ihm läuft.“ Aber auch als Aronian vermeintlich auf die Verliererstraße eingebogen war, „hat das meine Partie nicht beeinflusst“. Jetzt freut sich Gukesh auf den Showdown in der neunten Runde. „Levon ist ein großartiger Spieler, bestimmt wird das eine interessante Partie. Ich bin gespannt darauf.“

Praggnanandhaa erlebte mit den schwarzen Steinen ein Déjà-vu – fast. Vor zwei Wochen erst in Wijk aan Zee hatte er den WM-Finalisten Ding Liren mit Schwarz in einer italienischen Partie besiegt. Nun saß ihm in Düsseldorf Ian Nepomniachtchi gegenüber, der andere WM-Finalist, und wieder stand Italienisch auf dem Brett. Allerdings lief die Partie andersherum. Nepomniachtchi, angespornt von seinem Sieg am Vortag, machte Druck, um möglichst zu den beiden Tabellenführern aufzuschließen. Pragg jedoch verteidigte sich präzise und kam mit einem Dauerschach und einem halben Punkt davon.

WR Chess Masters 2023 – Runde 8
Ian Nepomniachtchi machte Druck, kam aber nicht durch. | Foto: Lennart Ootes

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