Mai 19, 2022

Tata Steel Masters: Vidit schießt nach vorne

Vidit Gujrathi setzte sich in einer wilden Partie gegen Daniil Dubov durch und übernahm damit die alleinige Führung beim Tata Steel Masters. Andrey Esipenko, Jorden Van Foreest und Richard Rapport gewannen ebenfalls und liegen nun zusammen mit Magnus Carlsen und Jan-Krzysztof Duda, die ihre Partie remis hielten, auf Platz 2/3.

Getreu seinem kreativen Stil führte Daniil Dubov bereits im 8. Zug eine Neuerung in der Italienischen Eröffnung gegen Vidit Gujrathi ein. Der indische GM wählte den scheinbar riskanten Ansatz, zuerst seinen Läufer im dunklen Quadrat zu tauschen und dann ein zentrales Bauernopfer zu akzeptieren. Infolgedessen geriet er in der Entwicklung ins Hintertreffen, während der schwarze König im Zentrum feststeckte. Dennoch gelang es Vidt, das Gleichgewicht zu halten und in einer kritischen Situation die richtigen Antworten zu finden. Daniil drängte stark und opferte einen Abtausch, aber überraschenderweise änderte das nichts an der Einschätzung der Stellung als ungefähr gleichwertig. Zwar jagte die weiße Dame den schwarzen König, aber es waren keine entscheidenden Drohungen in Sicht.

Ein echtes Drama ereignete sich im 32. Zug – nach einer Reihe von Schachs beschloss der russische GM, seinen Turm mit 32.f3 zu schützen, was sich als fataler Fehler erwies. Wahrscheinlich übersah Dubov, dass sein Turm aufgrund des Schachmattes in drei Zügen tabu war. Vidit tauschte sofort die Türme, entkam mit seinem König und verwandelte den Materialvorteil schnell.

Richard Rapport überspielte Nils Grandelius auf der schwarzen Seite der Sizilianischen Verteidigung lehrreich und beendete seinen Gegner mit einer Kombination aus dem Lehrbuch.

Nils Grandelius – Richard Rapport

29…Rh1! Eine hervorragende Illustration des Ablenkungsmotivs! Weiß gab nach 30.Rg1 Rxg1 31.Qxg1 Qc3 mit drohendem Schachmatt auf b2 auf 0-1

Im russischen Derby Esipenko – Karjakin verteidigte Schwarz geduldig eine leicht schlechtere Stellung, ließ aber plötzlich seinen Läufer en prise stehen. Sergey bekam im Gegenzug ein paar Freibauern, aber Andrey fand den richtigen Weg, seinen Läufer zu behalten, stellte seine Figuren um und neutralisierte prompt alle gegnerischen Drohungen, um einen vollen Punkt zu erzielen.

Jorden Van Foreest überraschte Rameshbabu Praggnanandhaa mit der seltenen Variante 3.bc4, die man meist in den Partien von Spielern mit niedrigerem Rating sieht. Der Niederländer bot ein Bauernopfer an und erhielt eine positionelle Kompensation, die mehr als ausreichend war, als sein indischer Gegner sich dafür entschied, den Läufer auf dem Leichtfigurenfeld zu tauschen, was ihn die Verdoppelung seiner Bauern auf der e-Linie kostete. Obwohl Jorden ernsthaften Druck auf die schwarzen Schwächen ausübte, konnte Praggnanandhaa bis zu einem gewissen Punkt mithalten, entschied sich aber schließlich, einen Bauern zurückzugeben, um etwas Aktivität zu zeigen. Leider verpuffte diese Aktivität schnell, während die schwachen Bauern von Schwarz fielen. Die Partie mündete in ein Turmendspiel, in dem die weißen Bauern am Damenflügel nicht mehr aufzuhalten waren.

Jan-Krzysztof Duda trat im Anti-Marshall gegen Magnus Carlsen in die Fußstapfen von Ian Nepomniachtchi und bekam einen leichten Vorteil. Der Weltmeister musste viel Ausdauer und Genauigkeit beweisen, um in einem Endspiel ein Remis zu erreichen.

Anish Giri gewann ein theoretisches Duell und einen Bauern im Anti-Meran gegen Shakhriyar Mamedyarov, aber vielleicht war die schwarze Stellung doch nicht so schlecht, wie sie aussah, denn die Gegner teilten sich den Punkt im 21.

Fabiano Caruana versuchte als Weißer gegen Sam Shankland verzweifelt, dem Berliner Endspielstein Wasser zu entlocken, aber alle seine Versuche wurden durch das präzise Spiel des Gegners vereitelt.

Tabellenstand nach Runde 3: 1. Vidit Gujrathi – 2½; 2-6. Jan-Krzysztof Duda, Magnus Calsen, Richard Rapport, Andrey Esipenko und Jorden Van Foreest – 2; 7-8. Fabiano Caruana, Shakhriyar Mamedyarov – 1½; 9-13. Sam Shankland, Sergey Karjakin, Daniil Dubov, Anish Giri, Praggnanandhaa R. – 1; Nils Grandelius – ½.

Offizielle Website: tatatasteelchess.com/

Foto: Jurriaan Hoefsmit und Lennart Ootes – Tata Steel Schachturnier 2022

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