Januar 17, 2021

Unser Spiel im Wandel: Rück- und Ausblick nach einem kuriosen Jahr (II)

Karpov gegen Kortschnoi, Fischer gegen Spassky, Lasker gegen Tarrasch. Ali gegen Foreman, Ronaldo gegen Messi, Ullrich gegen Armstrong. Der Sport lebt und zehrt von Rivalitäten und den Geschichten, die sich um sie ranken.

Dem deutschen Schach konnte im Sinne des Storytellings rund um unseren Sport nichts Besseres passieren als der knappe Dreikampf um die Spitzenposition zwischen den Schachfreunden Blübaum, Donchenko, Nisipeanu. Wenn unser Schachverband jetzt, wie angekündigt, professionelle Hilfe von PR-Leuten bekommt, dann werden diese Helfer darauf pochen, etwas aus dem Dreikampf zu machen. Das deutsche Schach wird davon dauerhaft zehren – bis Vincent Keymer am Spitzentrio vorbeizieht und eine neue Geschichte schreibt.

An der Spitze des internationalen Schachs fehlt die Rivalität. Oben thront Magnus Carlsen, darunter wechseln sich in respektvollem Abstand die Schachmeister auf dem Nummer-zwei-Spot ab. Und doch ist dem norwegischen Schachregenten in den vergangenen Monaten des schnellen Bildschirmschachs ein Rivale erwachsen: Der Nicht-mehr-Iraner und Bald-Franzose Alireza Firouzja ist in den schnellen Disziplinen schon jetzt auf Augenhöhe mit dem Weltmeister, und im klassischen Schach kommt er ihm immer näher.

Interessant ist zu sehen, wie Magnus Carlsen und sein Imperium damit umgehen: Anstatt sich von einem potenziellen Konkurrenten bedroht zu fühlen, fördern die Norweger Firouzja mit aller Kraft. Der König und sein Kronprinz trainieren gemeinsam. Selbstverständlich darf Firouzja sich bei allen Turnieren der Carlsen-Tour im Wettkampf mit der Elite stählen und verbessern. Bei der Magnus AG wird gesehen und verstanden, dass die Rivalität ihres Chefs mit dem Emporkömmling dem Schach nur nützen kann.

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