Autor: Reinhold Wagner – Vor einem Jahr habe ich Ihnen das Programm The King des holländischen Starprogrammierers Johan de Koning vorgestellt. Das Programm wurde von den Schachcomputer-Spezialisten der Münchener Firma Millennium 2000 als modulare Erweiterung für das edle Holzschachbrett des ChessGenius Exclusive angeboten. Mit meinem seinerzeit getroffenen Fazit hatte ich richtig getippt: Speziell das King Programm begeisterte die Anwender mit seinem originellen und spektakulären Spielstil. Bisher war das Spitzen¬programm von Johan de Koning ausschließlich als optionales Modul für den ChessGenius Exclusive erhältlich. Millennium hat sich nun dazu entschlossen, die Software in Form eines neu konzipierten Schachcomputers für den Preis von nur 349.– EURO anzubieten. Die Zielsetzung des neuen Gerätes: Spitzenspielstärke, komfortable Bedienung, ein offenes System und ein günstiger Preis! Schauen wir uns an, was dieser brandneue Schachcomputer unter diesen Aspekten zu bieten hat.

Neues Design

Die Zielgruppe des King Performance ist der Schachfreund, der einen attraktiv spielenden, einfach zu bedienenden Schachcomputer mit harmonischer Optik sucht. Die Software ist identisch mit dem erwähnten Modul The King Element, das Gerät sieht sehr wertig aus und lässt sich kinderleicht bedienen.

Die Spielfläche besteht aus unempfindlichen Kunststoff mit einer feinen Holzmaserung, die Umrandung des Computers und die mitgelieferten Schachfiguren sind aus Echt¬holz gefertigt. Die Spielfläche des Computers misst inklusive einer kleinen Umrandung 32,5 x 32,5 cm, die Feldgröße empfinde ich mit einer Kantenlänge von 40 mm als ideal. Die Übersichtlichkeit ist sehr gut, trotzdem benötigt das Gerät nicht allzu viel Platz.

Die Holzumrandung wirkt hochwertig, in Kombination mit der messingfarbenen Bedieneinheit sieht der Computer richtig edel aus. Die Zugeingabe erfolgt unproblematisch über sehr leichtgängige Drucksensoren. Besonders gut gefällt mir die Verarbeitung der Spielfläche, denn trotz intensivem Gebrauch gibt es mit den fein reagierenden Drucksensoren keinerlei Kratzer. Großartig und für einen Computer dieser Preisklasse einzigartig ist die Zuganzeige des Computers mit vier in den Feldecken befindlichen LED-Leuchten, die über einen Lichtleiter gespeist werden.

Durch diese kann der Anwender auf Anhieb die Züge des The King Performance erkennen, eine sehr komfortable und elegante Lösung, da die LEDs dezent platziert sind und während der Partie nicht stören. Der mitgelieferte Figurensatz gefällt mir persönlich recht gut, es steht aber jedem Anwender frei, seinen eigenen Figurensatz zu verwenden. Ich selbst habe mich sehr gefreut, dass ich das Gerät mit meinen geliebten alten Bohemia Schachfiguren benutzen kann. Bei den erwähnten Dimensionen des The King Performance ist meiner Einschätzung nach eine Königshöhe von 7-8 cm empfehlenswert.

Der neue Millennium Schachcomputer bietet zahlreiche Funktionen, ist aber trotzdem einfach bedien-bar. Die logische Benutzerführung ähnelt dem bewährten Konzept der früheren Mephisto High-End Geräte, schon nach kurzer Einarbeitung wird das Benutzer¬handbuch überflüssig.

Auf der Rückseite des Gerätes findet man neben der Netzteilbuchse noch Schnittstellen für den PC und den Anschluss für das von Millennium angebotene ChessLink Modul. Damit kann der Computer via Bluetooth oder USB mit externen Geräten verbunden werden, z.B. für zukünftige Updates oder die von Millennium konsequent gepflegten Eröffnungs-Bibliotheken. Mit dem separat zu erwerbenden ChessLink haben Sie die Möglichkeit, via Smartphone App eine Vielzahl spielstarker Schach-Engines in Kombination mit dem schönen Schachbrett zu benutzen oder sogar Online-Schach zu spielen!

Der Gesamteindruck hinsichtlich Design, Benutzerführung und Ausstattung ist hervorragend, man merkt schnell, dass dieser neue Schachcomputer von Profis mit viel Erfahrung konzipiert wurde.

Information pur

Das gut lesbare Display bietet dem Anwender eine Vielzahl von nützlichen Informationen. Die Eröffnungs¬bezeichnung wird im Klartext angezeigt, die Stellungsbewertung, Hauptvariante, Bedenk-zeiten u.s.w. ist vorhanden und während der Partie oder Analyse problemlos ablesbar. Besonders gut gefällt mir die neu konzipierte Funktion Eröffnungstraining mit Anzeige des ECO Codes sowie der in der jeweiligen Stellung angebotenen Buchzüge.

Helligkeit und Kontrast kann der Anwender individuell anpassen, ein Touch von echtem Luxus, den dieser Schachcomputer bietet. Dimmt man die Helligkeit und den Kontrast einfach herunter, kann der Anwender gegen den The King Performance ernsthafte Partien spielen, ohne in Versuchung zu geraten, mit einem Blick auf das Display unerlaubte „Hilfestellung“ in Anspruch zu nehmen. Da der Computer seine Züge mit den LEDs auf dem Spielbrett anzeigt, gefällt mir persönlich diese Option sehr gut! Die Informationsfülle des Computers lässt keine Wünsche offen und steht selbst im Vergleich zu opulent ausgestatteten PC Programmen gut da.

Chess960 (Fischer Random Chess)

The King Performance unterstützt neben dem klassischen Schach den in den letzten Jahren immer beliebteren Spielmodus Chess960 (Fischer Random Chess) nach den offiziellen FIDE Regeln!
Diese vom legendären Ex-Weltmeister Bobby Fischer entwickelte Schach¬variante mit 960 möglichen Ausgangs¬stellungen erfreut sich momentan großer Beliebt¬heit, denn durch die fast beliebige Anordnung der Schach¬figuren auf der Grundreihe nützen die mühsam erworbenen Theoriekenntnisse nur wenig. Diese interessante Schachform soll daher besonders den Faktor Kreativität betonen. Eröffnungstheorie und ausanalysierte Varianten fallen bei diesem Schachmodus komplett weg, ebenso wie vertraute Stellungmuster. Nach meinem Kenntnisstand bietet derzeit nur der King Performance eine Trainingsmöglichkeit für diese derzeit sehr angesagte Schachvariante.

Steckdose überflüssig

Millennium bietet ein weiteres pfiffiges Zubehör für den Schachcomputer an, der externe Akku ChessVolt. Mit dieser separat angebotenen Erweiterung kann man The King Performance und alle Millennium Schach¬computer mit 9V Stromversorgung unabhängig von einer Steckdose einsetzen. Die Lösung mit einem extern nutzbaren Akku gefällt mir besser als die häufig genutzten internen Akkus, da im Schadensfall nicht das komplette Gerät geöffnet werden muss. Die Aufladung des Akkus erfolgt einfach über das Netzteil des Schach¬computers, der Ladestand wird über vier LEDs angezeigt. Eine ideale Lösung, wenn man seinen Schachcomputer gerne flexibel, z.B. auf Reisen oder im Garten, einsetzen möchte.

Das Programm The King

Die im The King Performance eingesetzte Software ist eine Weiterentwicklung des Moduls The King Element, das ich Ihnen im letzten Jahr vorgestellt habe. Die Anwender sind begeistert von dem offensiven, auf Aktivität und Raumbeherrschung ausgelegten Spielstil des King. Der von de Koning entwickelte Tasc R30 stellte früher hinsichtlich Spielstärke, Funktionalität und Produktdesign einen Höhepunkt in der Entwicklung von Brettcomputern dar. Die im The King Performance genutzte aktuelle Version läuft mit einem schnellen 300 MHz Prozessor und ist damit deutlich spielstärker als der legendäre Vorgänger, nach meiner Einschätzung dürften es sicher gut über 2400 Elo sein.

Der Schachcomputer zeigt im praktischen Spiel den typischen Spielstil, der alle Programm von Johan de Koning auszeichnet. Ein lebhaftes Mittelspiel, häufig bewertet das Programm Computer-untypisch die Initiative höher als das Material. In vielen Situationen bringt das Programm spekulative Materialopfer, um die Mobilität zu erhöhen. Genau diese Spielweise ist das Erfolgskonzept, denn diese Spielweise ist druckvoll und bietet die ideale Grundlage für spannende Partien!

Die Ausstattung des neuen Computers lässt ebenfalls keine Wünsch offen. Es gibt fünf voreingestellte Spielstile, und der Anwender kann zusätzlich eigene Spielstile erstellen und dauerhaft abspeichern. Nehmen wir an, Sie spielen mit einer der vordefinierten Einstellungen, Ihnen gefällt aber das Handling des Programms mit den Freibauern oder in einem anderen Bereich der Partieführung nicht? Mittels der frei wählbaren Parameter können Sie einfach selbst „Hand anlegen“ und das Spielverhalten des Programms anpassen. In dieser Form gibt es das nur bei Millennium Schachcomputern!

The King Performance dürfte bei voller Leistung für die Mehrheit der Schachspieler einen schwer überwindbaren Gegner darstellen. Deshalb kann der Anwender bei dem Gerät nicht nur die Rechen-geschwindigkeit manuell begrenzen, The King bietet darüber hinaus zahlreiche abgeschwächte Spielstufen, bei denen die Anzahl der berechneten Positionen einge¬schränkt wird. Ich habe viele Partien mit diesen Stufen gespielt und bin von der Umsetzung begeistert. Im Unterschied zu anderen Schach¬computern spielt The King auch bei diesen „Spaßstufen“ ordentliches Schach, der Anwender hat hier jedoch reale Gewinnchancen. Man erhält dabei nie den Eindruck, dass das The King Programm „absichtlich schlecht“ spielt. Damit bietet dieser Computer auch schwächeren Spielern einen wunderbaren Trainingspartner – Kompliment an den Programmierer für diese gelun¬gene Umsetzung!
Fazit: Sehr empfehlenswert!

Ich sammle und nutze Brettcomputer seit den 70er-Jahren und bin von dem neuen Millennium Gerät schlichtweg begeistert. Ein elegant gestyltes Gerät mit hohem Benutzerkomfort, ausgestattet mit einem erstklassigen Schachprogramm, intuitiver Bedienung, sehr guter Verarbeitung und einem äußerst informativem Display. Abgerundet wird das Angebot mit einer Schnittstelle zu PCs und Smartphones, und das alles zu einem bezahlbaren Preis! Die Münchener Schachcomputer Spezialisten bieten mit The King Performance für relativ wenig Geld ein Produkt der Extraklasse an, das alle Voraus-setzungen für den Titel „Schachcomputer des Jahres“ mitbringt.

Text: Reinhold Wagner

Quelle: Rochade Europa

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4 Antworten

  1. Sven Schacht sagt:

    Mit Verlaub, das ist keine Rezension, sondern eine Werbeverkaufsveranstaltung. Die reinste Lobhudelei. Das stößt mich ab. Im folgenden Link stehen bemerkenswerte und realistische Aussagen:
    https://schach.computer/the-king-performance-schachcomputer/
    Zitat: “Der erste Eindruck hat getäuscht. Die Verarbeitung und die Qualität des King Performance bewegt sich im unteren Bereich.”
    Ich vermute, mein Kommentar wird nicht veröffentlicht. Dann steht für mich ausser Frage, dass für diese “Rezension” Geld geflossen ist. Somit ist das kein redaktioneller Inhalt sondern unlauterer Wettbewerb.

    • Kurt Heller sagt:

      Bei der erwähnten Website „schach.computer“ handelt es sich keineswegs um eine seriöse Informationsquelle. Sie gehört einem umstrittenen Händler, der bekanntlich Produkte eines holländischen Herstellers vertreibt. Die Tatsache, dass diese Firma ein Produkt ihres direkten Konkurrenten, des deutschen Herstellers Millenium, im Internet schlecht macht riecht für mich stark nach unlauterem Wettbewerb.

      • Alexander sagt:

        Der “umstrittene Händler” verkauft, neben vielen anderen, auch Produkte von Millennium. Ihr Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs läuft also ins Leere wie ein verfrühter Königsangriff. Beim nächsten Mal bitte genau hinschauen, bevor Sie so einen Kanonenschuss abfeuern.

  2. Andrea sagt:

    Da muss ich Sven beipflichten. Komisch ist das ja. Warum übernimmt der Schach-Ticker gerade diesen Artikel aus einer Zeitschrift?

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