Christoph-Engelbert-Gedenkturniere Runden 4 und 5

IM Georgios Souleidis (Chefredateur Schachbundesliga)

Christoph-Engelbert-Gedenkturniere Runde 6

Ein großmeisterlicher Tag im GM-Turnier war die sechste Runde. Alle GMs gewannen ihre Partien, während Luis sein Remis gegen Georgios mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten wird. Im IM-Turnier zieht Matze weiter seine Kreise und konnte seinen Vorsprung auf den Rest des Feldes sogar noch vergrößern.

IM-Turnier

Matze nahm sich nach seinem Remis in der erste Runde gegen Zigurds dessen Rat zu Herzen und wählte gegen Martin die moderne Verteidigung a la Tiger.
Er kam in ein Endspiel in dem er einen Bauer mehr hatte und immer noch seinen starken schwarzfeldrigen Läufer.

Gerade hat Martin auf a5 den Bauer zurück gewonnen, doch nach Kb6! Hatte der Springer keine Felder mehr. Kurz später folgte die Aufgabe.

Julian holte gegen Zigurds eine ganze Menge gegen dessen Sizlianer aus der Eröffnung heraus.

Als ich jedoch die Partie eingab und hier den nächsten schwarzen Zug las, musste ich kurz die Analyse der beiden unterbrechen um sicher zu gehen, dass beide hier nicht den selben Zug falsch aufgeschrieben haben. Normalerweise würde man meinen, dass hier ein Zug wie Tb8, b5 oder Tg6 in Frage kommt. Der kreative Lette wollte von all dem nicht wissen und entkorkte in der Diagrammstellung Kd7 ?!?! Die Partie endete Remis, für mich wird dies der Zug des Turniers sein.

Tom kam gegen Hannes nicht wirklich in die Partie. Nie kam er auch nur in die Nähe eines Vorteils und sah sich früh eines Bauernsturms am Damenflügel gegenüber.

Hier hätte Tom kämpfen können, indem er mit Lf3 Schwarz davon abhält e5 zu spielen. Nach Tc1 in der Partie folgte e5 und Hannes hatte einen großen Vorteil den er zum ganzen Punkt verwertete.

Hier dachte Arne gegen den immer kreativen Jens-Ove mit La7 den Turm ordentlich einheizen zu können. Doch nach den Zwischenzug Sd8!! Geht die ganze weiße Idee den Turm zu nerven nicht und Schwarz hat eine gewonnene Stellung. Stattdessen hätte Weiß hier Sb6 spielen sollen um die Stellung im Gleichgewicht zu halten. Arne verlor eine weitere ärgerliche Partie.

Guilherme hat schon einige sehr gute Stellungen vergeben, diesmal war Fortuna auf seiner Seite. In seiner Partie gegen Eelke kam er schnell ins Hintertreffen.

Hier hätte Schwarz mit Df8 laut Engine eine +9-Stellung auf seiner Seite gehabt. Doch er wählte Tc5, auch kein unlogischer Zug. Aus dem Nichts muss da Sxd6 für Eelke gekommen sein. Txc6 funktioniert nicht wegen Df7+ gefolgt von Se8 und das Matt auf g7 bzw. f8 mit der Dame ist nicht mehr zu parieren. Eelke rettete sich noch ins Remis, doch zwischendurch hatte er sich bestimmt mehr erhofft.

Matze führt mit unglaublichen 4,5 aus 5 Punkten vor dem Rest des Felder. Wer wird sich als sein Jäger anbieten?

GM-Turnier

In dieser Stellung vereinbarten Dirk und Malte das Remis

Aus meiner Sicht hätte Schwarz hier nach Lxd5 durchaus noch weiter spielen können. Er hat die Mehrheit im Zentrum und das Läuferpaar. Und so lange der b4 nicht zu sehr unter Druck gerät hält er sehr effizient die beiden Dameflügelbauern des Anziehenden auf.
Für Jari läuft es weiterhin nicht rund. In Runde 5 traf er mit den weißen Steinen auf Sipke. Dieser schien sich für die Taktik des Nicht-Überlegen entschieden zu haben und erreichte diese Stellung.

Der letzte Zug von Weiß war a4. Ein typischer Zug bei dem man denkt, den wird er schon nicht schlagen können. Doch er kann und er tat das auch und klammerte sich so lange an dem Bauer fest bis er ihn in einen anderen gewinnbringenden Vorteil transformieren konnte.

Just als ich die Partie von Luis und Georgios kommentieren wollte, kommt doch der Endspielgott himself GM Karsten Müller ins Büro.

Ich zeigte ihm die Endstellung in der die beiden Spieler, Georgios mit Weiß, Remis machten. Nur kurz brauchte er um zu verstehen, dass nach Kc5, was der letzte Partiezug war, Ka4 Kc4 Le4 Weiß gewinnen wird. Eine verpasste Chance für Georgios, allerdings ist diese Idee bei wenig Zeit schwer zu sehen. Sipke jedoch konnte diese Stellung sofort zuordnen, er hatte „seinen Müller“ gelesen.

Spartak sah keinen Stich gegen Eduardas. Stück für Stück verschlechterte sich die schwarze Stellung

Hier spielte Eduardas stark Ta3 und integrierte die letzte Figur in den Angriff. Wenig später gab Spartak auf und muss aufpassen, dass er in diesem Turnier nicht unter die Räder kommt.

Lubomir gewann mit den schwarzen Steinen gegen Felix in einer hochinteressanten Partie.

Hier spielte Lubo Txc3! Gefolgt von Sxe4. Objektiv steht Weiß wohl nicht schlechter, aber die Stellung ist sehr unangenehm zu spielen. Nach einem großen Kampf gewann Lubomir und kam ins Büro mit dem Ausspruch „jetzt wird das Turnier keine Katastrophe mehr“.

Luis und Sipke führen das Turnier mit 4 Punkten an, gefolgt von Lubo mit 3,5 Punkten.


Christoph-Engelbert-Gedenkturniere Runde 4

Die Doppelrunde der Christoph-Engelbert-Gedenkturniere war ein Feuerwerk für Schachliebhaber. Allein die Seeschlange zwischen Sipke und Malte, aber auch die hin und her wogende Partie zwischen Dirk und Luis zogen die Zuschauer in ihren Bann. Aber auch in Runde 4 blieb kein Wunsch unerfüllt.

IM-Turnier

In der Partie zwischen Zigurds und Tom bot Lanka an einer Stelle Remis an, doch Tom ist inzwischen im Flow und lehnte ab.

Hier hätte Zigurds mit h6 noch einen kleinen Vorteil behalten können, doch er wählte das harmlosere hxg6, wonach Tom auf Gewinn spielte. Doch Zigurds verteidigte sich umsichtig und erreichte so am Ende doch den halben Punkt.

Bisher ist Matze der dominante Spieler des IM-Turniers. Auch in Runde 4 spielte er seinen Gegner an die Wand. Guilherme sah sich im 17.Zug einem seltenen Zug gegenüber, die zwar noch nicht zu einem klaren Vorteil führt, aber der schwarzen Seite durchaus Probleme stellt. Guilherme tauchte in die Stellung ab, doch fand nicht die beste Verteidigung.


Ob ein Turnier gut läuft merkt man daran, dass in entscheidenden Momenten die richtigen Züge kommen. Matze fand d6! Und sicherte sich wenig später den vollen Punkt.

Julian erarbeitete sich mit Schwarz, nach einer nicht optimal verlaufenen Eröffnungsphase, kämpfte er sich zurück in die Partie. Er bekam ordentlich Druck gegen den rückständigen Bauer auf d3.

Zwar sind die beiden Schwächen a3 und d3 gut sichtbar und reichen in dieser Stellung auch um einen Vorteil zu behaupten, doch die Verwertung ist schwer, wenn überhaupt möglich. Julian versuchte es natürlich musste sich am Ende aber in die Punkteteilung fügen.

Martin hatte mit den schwarzen Steinen die ganze Partie eine leicht schlechtere Stellung zu verteidigen.

Vermutlich in der Hoffnung auf Gegenspiel wählte er hier Td4? Hannes ließ sich nicht zwei Mal bitten und erwiderte mit f4. Der Turm der eigentlich aktiv auf der zentralen Position wirken sollte, wurde nun zum Problem, da der e-Bauer unter Beschuss stand. Wenige Züge später fiel die Stellung in sich zusammen. Schwarz steht hier auch ohne Td4 nicht berauschend. Mit Tab8 jedoch wäre noch deutlich mehr Widerstand möglich gewesen.

Der Pechvogel des Tages war definitiv Arne. Er ging in ein klar besseres Endspiel. Eelke wählte den richtigen Weg um Gegenspiel zu kreieren indem er den König in die gegnerische Hälfte marschieren ließ. Aber das hätte den Minusbauern nicht kompensieren dürfen.

Hier hätte Arne mit Sf3 bereits auf Bauernjagd gehen sollen, die Varianten die folgen sind alles andere als einfach. Nach dem gespielten Sd3 fing an die Stellung zu kippen. Zwar steht Weiß nicht besser, doch die Tendenz ging definitiv in Eelkes Richtung.
Matze führt das Turnier mit einem ganzen Punkt Vorsprung auf Zigurds, Tom und Eelke an, die allesamt 2,5 Punkte vorzuweisen hat.

GM-Turnier

Sipke nahm nach seiner Marathon-Partie dankbar das Angebot von Dirk nach 9 Zügen an, es heute mit dem Schach erst mal zu lassen und in die fünfte Runde wieder frisch zu starten.

Ähnlich ereignisarm ging es zwischen den beiden Großmeistern Lubo und Eduardas zu. Wobei die beiden es immerhin auf 12 Züge brachten.

Weitere 9 Züge mehr schafften Malte und Felix bevor sie die Punkteteilung unterschrieben, wer kann es ihnen nach der anstrengenden Runde am Vormittag verübeln… Die Analyse zog sich jedoch noch eine ganze Weise unter Mithilfe von Dirk und Sipke die versuchten aus der weißen Stellung noch ein kleines Plus zu holen.

Die Frage, die man sich stellt, wenn man Luis bei seinen Partien zuschaut ist, wann hört sein Lauf auf. Sein unglaublich starkes Schach beeindruckt alle seine Gegner und überzeugt. In allen Partiephasen hat er den Durchblick, läuft es mal nicht so, kämpft er wie ein Löwe. Der Hamburger SK hat viele Ausnahmespieler hervorgebracht. Luis könnte all seine talentierten Vorgänger übertreffen. Gegen Jari war er ebenfalls drauf und dran seinen Gegner zu überspielen.

Doch hier entschied sich Jari seine Idee Ke8 zu verbessern, indem er den König aktiv nach e6 stellt. Der Nachteil… nach Dxd8 musste Jari aufgeben.

Georgios hätte die Chance auf den vollen Punkt gehabt, aber in einem besseren Endspiel verpasste er es jedoch genug Druck auf Spartak zu machen.

Hier steht Schwarz klar besser. Aber am Ende reichte es wie gesagt nicht ganz.

Luis führt mit starken 3,5 Punkten aus 4 Partien. Gefolgt von Sipke mit 3 Punkten.

Text: IM Jonathan Carlstedt

Resultate und Partien

Christoph Engelbert Gedenkturniere: Runden 2 und 3

Auftakt des Christoph-Engelbert-Gedenkturniers

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