Mai 21, 2024

Jubiläumsturnier des SV Werder: Mittal siegt ungeschlagen

Von Stephan Buchal und David Lobzhanidze

Der 17-jährige indische Großmeister Aditya Mittal hat überlegen das Jubiläumstunier des SV Werder Bremen gewonnen. Ungeschlagen, mit 7 Punkten aus 9 Partien, reichte ihm in der Schlussrunde ein lockeres Remis in besserer Stellung gegen den tschechischen GM Vojtech Plat, um den Turniersieg abzusichern. Zweiter wurde der polnische GM Pawel Teclaf (6 Punkte) vor GM Bobby Cheng aus Australien (5,5). Der zwölfjährige Christian Glöckler schaffte eine IM-Norm. Jana Schneider und Daniel Kopylov verfehlten die Norm hauchdünn.

Aditya Mittal, überlegener Sieger des Bremer Jubilämusturniers. | Foto: Stephan Buchal

Die Siegerehrung wurde mitgestaltet von Anne-Kathrin Laufmann, Geschäftsführerin Sport&Nachhaltigkeit. Sie freute sich, dass Werder ein so bedeutendes internationales Turnier zum Jubiläum ausrichten konnte, mit einem bunten Feld großartiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 10 Ländern. „Werder ist mehr als Fußball!“.

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Fünf starke Frauen: Anne-Kathrin Laufmann (l.) mit den 4 Teilnehmerinnen. | Foto: Stephan Buchal

Hinter den drei Medaillengewinnern kamen punktgleich, ebenfalls mit 5,5 Punkten, die Großmeister Szymon Gumularz, Zahar Efimenko und Vojtech Plat ins Ziel.Hinter der Phalanx der sechs Großmeister wurde erbittert um die Normen und Sonderpreise gekämpft. Am glücklichsten war sicherlich der 12-jährige Christian Glöckler, der mit 4,5 Punkten (gegen 4 GMs, 4IMs und eine WGM) und einer Performance von 2473 eine hochverdiente IM-Norm erzielte. Er bestach durch sehr sicheres Spiel, verlor nur gegen GM Bobby Cheng und remisierte fast immer aus einer Position der Stärke. Rückblickend betrachtet war seine IM-Norm nie in Gefahr.

Christian Glöckler gegen Werder-Großmeister Zahar Efimenko, einer von neun Schritten des Zwölfjährigen auf dem Weg zu sener zweiten IM-Norm binnen weniger als vier Wochen.

Ebenfalls sehr beeindruckend war die Vorstellung von der jungen deutschen Nationalspielerin Jana Schneider. Als 22. der Setzliste meinte sie nach ihrer Startniederlage gegen Nikolas Wachinger und ihrem Sieg in der 2. Runde: „Jetzt habe ich wenigstens schon mal eine Partie gewonnen“. Im weiteren Verlauf folgten noch 3 weitere Gewinnpartien, sodass ihr in der schweren Schlussrunde mit Schwarz gegen Bobby Cheng vermeintlich ein Remis zur IM-Norm reichen sollte. Sie schaffte es locker und gab in deutlich besserer Stellung Remis – aber: Sie hatte eine fantastische Performance von 2488, 6 IM als Gegner, 4 verschiedene Nationalitäten – aber 6 deutsche Landsleute. Laut Reglement einer zu viel. Und daher keine IM-Norm … das verstehe, wer will!

Im Endklassement belegt sie einen hervorragenden 8. Rang, gewinnt 43 Elopunkte und als Trostpflaster 250 Euro für den Preis der besten Dame …

Des einen Glück, der anderen Pech. In der Partie zwischen Christian Glöckler und Mitra Hejazipour konnte genau einer die begehrte IM-Norm erfüllen. Mitra konnte dies mit einem Sieg ebenfalls schaffen … aber das Match endete Remis und Mitra verpasste die Norm um Haaresbreite. Wie Jana so bestach auch Mitra durch großen Kampfgeist und verfehlte mit einer Performance von 2439 die Norm nur knapp. In jeder Hinsicht war die iranisch-französische Spielerin eine große Bereicherung des Turniers!

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Noch knapper verfehlte Daniel Kopylov seine dritte IM-Norm. Mit einer Performance von 2499 nach 8 Runden hätte er sich gegen einen guten Großmeister sogar eine Niederlage leisten können. Aber er wurde gegen Collin Colbow gelost, der junge Werderaner wollte unbedingt den vollen Zähler und rang Daniel in der letzten Partie des Turniers nach 6 Stunden und 71 Zügen nieder. Collin belegte in der Endabrechnung einen sehr guten 7. Platz, bekam den Preis für den besten Spieler unter ELO 2400 … und Daniel blieb mit einer Performance von 2447 ganz knapp unter den magischen 2450.

Das Jubiläumsturnier des SV Werder ist vorbei. Wir haben uns sehr gefreut, so viele nette, starke und unterschiedliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Turnier mit 24 Titelträgern zu vereinen. Ein wirklich illustres Feld von männlichen und weiblichen Großmeistern, von Teilnehmern zwischen 12 und 70 Jahren, von SpielerInnen aus 3 Kontinenten und 10 Ländern. Herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen und mitgespielt haben – Spieler, Schiedsrichter und Organisatoren – es wurde fantastisches, kämpferisches Schach geboten!

Anmerkungen und zu den Partien der 9. Runde und weitere Infos zum Turnier