Oktober 24, 2021

Remis wegen Déjà-vu

Christine Zoppas – Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Partie remis endet. Die bekanntesten sind die Übereinkunft (Arti- kel der FIDE-Regeln 5.2.3), technisch tote Stellungen (5.2.2) und das Patt (5.2.1). Die beiden komplizierte- ren Remis-Methoden sind die Viele-Züge-Regel (9.3 und 9.6.2) und die Stellungswiederholung (9.2 und 9.6.1).
Für die Prüfung der Stellungswiederholungen muss die Partie oft auf einem zweiten Brett rekonst- ruiert werden, denn es müssen sowohl die Position als auch die Zugsoptionen aller Figuren geprüft werden. Ausserdem muss auch derselbe Spieler am Zug sein. 

Bei den Positionen der Figuren ist es so, dass die gleichen Figuren auf den gleichen Feldern ste- hen müssen – jedoch nicht zwingend dieselben Fi- guren auf denselben Feldern (das heisst Türme oder Springer können ihre Position tauschen). Bei den Zugsoptionen jeder Figur wird geprüft, ob sich bezüglich En-Passant-Schlagen oder Rochade etwas geändert hat.
Sind (mindestens) drei identische Stellungen ge- funden worden, so ist die Partie remis (9.2.1). Aller- dings ist es ein Unterschied, ob die Stellung gerade entstanden ist oder gleich entstehen wird.
E Hat der Gegner die Stellung herbeigeführt, kann man auf Remis reklamieren (Uhr anhalten und Schiedsrichter rufen).

E Führt man selber die Stellung herbei, notiert man den Zug (ohne ihn auszuführen), hält die Uhr an und ruft den Schiedsrichter.

Sollte die Rekonstruktion ergeben, dass es keine (mindestens) dreifache Wiederholung gewesen ist, so erhält der Gegner zwei Minuten Bedenkzeit gut- geschrieben. Die Remis-Reklamation ist gleichzeitig auch ein Remis-Angebot, das der Gegner annehmen kann – auch wenn sich der Antrag als falsch heraus- stellt (9.1.2.3).

Wozu dient die Regel mit der fünffachen Stel- lungswiederholung (9.6.1)? Bei der dreifachen Stel- lungswiederholung muss von den Spielern sofort ein Antrag gestellt werden. Bei der fünffachen Stellungs- wiederholung kann der Antrag später erfolgen und der Schiedsrichter selber auf Remis entscheiden – auch nach Partieende (8.7), was jedoch selten ist.

Print Friendly, PDF & Email
Share this
EnglishDeutsch