Dezember 8, 2021

Aussicht für den Schachgipfel: dunkle Wolken und eitel Sonnenschein

Die großen Meister, Amateure, Hobbyspieler und Funktionäre unter einem Dach. Die einen ermitteln im Wettkampf ihre Besten, die anderen planen beim Kongress die Zukunft des deutschen Schachs. Drumherum zeigt ein Rahmenprogramm unser Spiel von seiner einladendsten Seite. Ein Fest für alle Beteiligten, ein zentrales Treffen der Schachfamilie. Tausende Hotel-Übernachtungen, tausende Besucher, dazu die mediale Resonanz: Jahr für Jahr lechzen Kommunen danach, die Ausschreibung um dieses Prunkstück zu gewinnen, es unterstützen und ausrichten zu dürfen. Sponsoren stehen Schlange, um sich im Rahmen dieses Fests zu präsentieren.

So ist der Schachgipfel gedacht, so könnte er funktionieren. Aber seit der Premiere 2019 ist, pandemiebedingt in erster Linie, Sand ins Getriebe geraten. Und jetzt hat auch noch die Stadt Magdeburg die finanzielle Unterstützung eingestellt, ebenfalls eine Folge der Pandemie.

Zur Premiere an der Elbe 2019 fuhr die Stadt zur Gipfel-Pressekonferenz personell das große Gedeck auf: Ullrich Krause fand sich umrahmt von Matthias Puhle, Sport-Beigeordneter der 235.000-Einwohner-Stadt, dem städtischen Pressesprecher Michael Reif und Sandra Stieger von der Magdeburg Marketing, die wenig später zur Wirtschafts- und Tourismus-Chefin der Ottostadt aufstieg. Allein die Anwesenheit dieses Trios zeigte, was der Kommune am Gipfel lag. Ein dem Vernehmen nach signifikanter fünfstelliger Betrag als Gipfel-Unterstützung zeigte es auch.

Große Pläne für den Gipfel: (von links) Matthias Puhle, Michael Reif, Ullrich Krause und Sandra Stieger vor der Magdeburger Gipfel-Premiere. | Foto: Arne Jachmann/Schachbund

Und es hätte ja so weitergehen können. Wer die Ankündigung zum Gipfel 2020 im Maritim-Hotel liest, bekommt eine Ahnung, in welchem Maße das zentrale deutsche Schachfest wachsen sollte. Statt 500 wären es ein Jahr später schon 2000 Gäste plus Begleiter gewesen, die Seniorenmeisterschaft integriert, die Amateurmeisterschaft, die Vereinskonferenz, Rahmenprogramm in der Stadt und so weiter, alles offen, barrierefrei, beliebig begehbar für Zuschauer und Neugierige. „Der Meisterschaftsgipfel findet statt mit großzügiger Unterstützung der Stadt Magdeburg“ hieß es ein weiteres Mal.

Eitel Sonnenschein. Das war am 15. Februar 2020.

Dann kam Corona, und über dem Gipfel zogen dunkle Wolken auf.

Ein Festival, wie es geplant war, ließ sich nicht veranstalten. Der Schachgipfel 2020 wurde verschoben und in deutlich kleinerer Form ausgerichtet, und das unter dem Regiment eines Hygienekonzepts, das die erwünschte barrierefreie Offenheit für Teilnehmer und Besucher unmöglich machte.

Ein Geschäft war es allem Anschein nach immer noch. Wer sich durch in der Kongressbroschüre verstreute Haushaltskonten wühlt, um herauszufinden, was der Gipfel 2020 gekostet bzw. eingebracht hat, der sieht am Ende eine schwarze Zahl unterm Strich: Zu gut 103.000 Euro Einnahmen kommen Zuschüsse von knapp 34.000 Euro. Diesen 137.000 Euro stehen Kosten von gut 122.000 Euro gegenüber. Bleiben 15.000 Euro Gewinn – wenn im Zahlenwerk nicht weitere Kosten versteckt sind, deren Gipfel-Kontext dem Betrachter verborgen bleibt.

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