September 18, 2021

Schwankungen sind bei jungen Spielern eher die Regel als die Ausnahme. ChessBase-India-Chef Sagar Shah hat das unlängst im Gespräch mit dieser Seite am Beispiel von Praggnanandhaa aufgezeigt, dem indischen Wunderknaben, der die 2600 schon geknackt hat, der zudem den „anand“ im Namen trägt – und doch manchmal grottenschlecht spielt (für seine Verhältnisse). Um bei nächster Gelegenheit wieder groß aufzutrumpfen.

Vor diesem Hintergrund wäre es nicht überraschend, würde Vincent Keymer zur Abwechslung ein Turnier misslingen, nachdem er bei seinem reduzierten Programm im vergangenen Jahr konstant jenseits der 2600 unterwegs gewesen war. Ginge nun ein Wettbewerb so richtig schief, niemand würde bezweifeln, dass der angehende Abiturient bald wieder glänzt. Und dass er trotzdem mit den Praggnanandhaas dieser Welt auf Augenhöhe ist. Er demonstriert die Augenhöhe ja regelmäßig bei der Junioren-Challenge, dem Online-Wettbewerb der weltbesten Jugendlichen, den im Wesentlichen Keymer, die Inder und zwei, drei osteuropäische Wunderknaben unter sich ausmachen.

Pavel Eljanov, der spätere Turniersieger, zeigt seinen Sieg über Vincent Keymer aus der zweiten Runde in Dortmund.

Beim „Deutschland Grand Prix“ im Rahmen der 48. Dortmunder Schachtage sah es jetzt aus, als gehe dieses Turnier so richtig schief. Mit null aus zwei gestartet, zwei Niederlagen zum Auftakt – das ist Keymer zuletzt vor mehr als zwei Jahren passiert: im April 2019 beim Grenke Classic. Seinerzeit waren es sogar vier Niederlagen zu Beginn. Die vier Gegner in diesen Partien: Magnus CarlsenFabiano CaruanaViswanathan AnandArkadij Naiditsch.

Auch in Dortmund saß Keymer in der dritten Runde ein Exweltmeister gegenüber, nicht Anand, sondern Rustam Kasimdzhanov, FIDE-Weltmeister 2004/5 und seitdem als Sekundant/Trainer an jedem Weltmeisterschaftsmatch beteiligt.

Nach den zwei Nullen zum Auftakt hielt Keymer den Ball flach, um keine dritte Null zu riskieren. Bald entstand eine symmetrische Stellung, die es dem 16-Jährigen als Weißem erlaubte, mit einem halben Punkt in der Tasche dank Läuferpaar das eine oder andere zu versuchen – freilich ohne allzu große Aussichten, dass mehr als ein halber Punkt dabei herauskommt, aber eben auch ohne Verlustgefahr.

Dann das Kuriosum. Ausgangs der Eröffnung gab Kasimdzhanov auf.

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