November 29, 2022

Erinnerung an einen großartigen Menschen: FM Bernhard Schippan im Alter von 72 Jahren gestorben

FM Bernhard Schippan wäre heute 75 Jahre alt.

20. März 2010
Simultanvorstellung

Die Schachfreunde Katernberg richten seit dem Tod des unvergessenen Willi Knebel, dass “ Willi-Knebel-Gedenkturnier “ aus. Teilnehmen durften  nur Senioren und der Sieger darf sich Ruhrgebietsmeister der Senioren nennen. Gespielt wurden 9 Runden. Das Turnier gewann am Ende mit sagenhaften 8,5 Punkten aus 9 Partien der 87- jährige Abram Chasin vom SK Holsterhausen.

FM Bernhard Schippan

Abram Chasin nahm zwischen 1956 und 1965 fünfmal am Finale der UdSSR-Meisterschaften teil. Im Jahr 1964 verlieh ihm die FIDE den Titel Internationaler Meister, 1973 den Fernschach-Großmeistertitel. Eine Variante der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung wurde nach ihm benannt.

Abram Chasin verlor als Soldat bei der Schlacht um Stalingrad beide Beine. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Moskau. Er ist der Vater von Anna Dergatschova Daus (SK Holsterhausen), die in der deutschen Schachbundesliga der Frauen spielt.

Der zweimalige Sieger des “ Willi-Knebel-Gedenkturniers „, Fidemeister Bernhard Schippan vom SK Herne-Sodingen  schrieb an seine Vereinskameraden auf der Webseite seines Vereins einen bemerkenswerten Bericht über das Turnier. Aber lesen Sie selbst:

Liebe Vereinskollegen,

im Jahr 1963 gewann der legendäre Robert James Fischer die US-Meisterschaft mit sagenhaften 11 Punkten aus 11 Runden. Aus diesem Anlass gratulierte der bekannte Schachspieler und Schachpublizist Hans Kmoch dem Zweitplatzierten, GM Larry Evans, zur Meisterschaft und Fischer zur gelungenen Simultanvorstellung.

An diese Geschichte musste ich bei der Siegerehrung zur 17. Ruhrgebietsmeisterschaft der Senioren denken. Aus der Sicht des schachlichen Niveaus gibt es natürlich wenig Vergleichbares zu einer US-Meisterschaft, doch als Leistung sind die die 8,5 aus 9 des diesjährigen Gewinners Abram Chasin für mich noch bemerkenswerter.

Abram Chasin ist stolze 87 Jahre alt (jung?) und leidet unter einer schweren körperlichen Behinderung. Beides vermochte ihn nicht zu stoppen, er dominierte das Turnier von der ersten bis zur letzten Runde. Der Geist siegt also doch über die Materie.

Ganz von ungefähr kommt dieser Erfolg nicht. Durchstöbert man die einschlägigen Datenbanken (Chasin, Khasin), so stellt man überrascht fest, dass er in der Nachkriegszeit durchaus zur zweiten russischen Garde gehörte und mit sämtlichen Größen dieses Schachlandes die Klingen gekreuzt hat. Bedingt durch die Behinderung hat er später das Nahschach praktisch an den Nagel gehängt und sein Land mehrfach bei der Fernschach-Olympiade vertreten.

Chasin hat bei diesem kleinen Turnier, das zum dritten Mal unter Willi-Knebel-Gedenkturnier firmierte, nicht fehlerlos gespielt, wie auch, doch seine ungeheure Erfahrung machte sich besonders dann bemerkbar, wenn es galt, technische Gewinnstellungen zu verwerten. Im Gegensatz zu manch anderem Favoriten erledigte er diese Aufgabe souverän.

Obwohl meine Begeisterung über den Turniersieger keine Grenzen kennt, noch einige weitere Anmerkungen. Zweiter wurde Willy Rosen, ein Katernberger Urgestein. Überraschenderweise waren 7 aus 9 nicht genug für ihn.

Ich belegte den dritten Platz. Nachdem ich das Turnier in den letzten beiden Jahren gewonnen hatte, vielleicht eine kleine Enttäuschung, doch 5 Remisen waren einfach zu viel. Ich bin aber nicht unzufrieden. Der DWZ-Schnitt meiner Gegner lag bei ca. 2020 und 6,5 aus 9 entsprachen ungefähr der Turniererwartung. Allerdings, eine gute Partie kann ich nicht liefern. Die einzig bemerkenswerte Partie habe ich gegen den Turniersieger gespielt, wobei weder er noch ich besonders glücklich agierten, doch immerhin, es war dramatisch. Mein Respekt vor Abram Chasin verbietet es mir aber, eine Partie zu zeigen, in der er mit dem nackten König über das Brett sauste und ich die Zeit überschritt. Remis. Das hatte aber wenig mit seinen sonstigen Leistungen zu tun. Deshalb lassen wir es.

Und was sagt uns/mir das jetzt alles? War der 87-jährige Mann so gut, oder sind wir solche Patzer? Vermutlich stimmt beides. Habe ich noch 23 tolle Schachjahre vor mir? Vermutlich nicht, denn was Hänschen nicht lernt lernt Hans nimmer mehr. Euch allen sollte es aber Hoffnung machen. Es ist nie zu spät und es kann noch lange dauern, möglicherweise geht es sogar aufwärts.

Gruß vom Remis-Schieber Bernhard

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